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Sie diskutiert im SRF-Frauen-«Club»

Stéphanie Berger: «Ich muss stets meinen Mann stehen»

Nach dem viel diskutierten Männer-«Club» auf SRF sind heute Dienstag die Frauen dran. Stéphanie Berger diskutiert mit sechs anderen Gästen darüber, welche Rolle Männer in Zukunft einnehmen sollten. Die Komikerin sagt im Interview, wie sie sich in einer Männerdomäne schlägt und was für ein Mann ihr Sohn werden will.

Stephanie Berger

Stéphanie Berger ist Comedian, Moderatorin und Mutter eines Sohnes.

Thomas Buchwalder

«Zickenkrieg», «Hahnenkampf» oder «Vaginaneid» waren nur drei von vielen unrühmlichen Beschreibungen in sozialen Medien über den SRF «Club» mit dem Thema «Oh Mann! Männlichkeit in der Krise?». Sechs Männer, darunter Sternekoch René Schudel, 42, Männerarzt Marco Caimi, 57, und Schauspieler Patrick Frey, 68, keiften sich die gesamte Sendezeit an und versuchten zu verorten, welche Rolle dem Mann in Zeiten der Emanzipation zugedacht sein sollte. Eine Antwort blieben sie schuldig.  

Stéphanie Berger bezieht Stellung zur Männerrolle

Heute Dienstag, eine Woche nach dem Männer-«Club», sind die Frauen dran: Barbara Lüthi, 45, spricht im Studio mit sieben Gästen über die Rolle des Mannes. Titel der Sendung ist: «Was Frauen wollen – Was Männer sollen».

In der Runde wird auch Stéphanie Berger, 41, sitzen. Die Komikerin hat mit SI online bereits im Vorfeld über ihre Sicht auf die Rolle des Mannes gesprochen. 

Stephanie Berger

Stéphanie Berger glaubt, dass nur ein respektvoller Umgang unter den Geschlechtern die Frage um die Rolle des Mannes beantworten kann. 

Thomas Buchwalder

Frau Berger, was erwarten Sie vom Frauen-«Club» heute Abend?
Das ist schwierig zu beantworten. Ich kenne die anderen Frauen nicht persönlich. Aber ich habe mich gut vorbereitet. Ich hoffe auf eine versöhnliche Sendung und darauf, dass wir konkrete Lösungsansätze finden. Auch für Männer.

Was wären das für Ansätze?
Ich bin der festen Überzeugung, dass Männer und Frauen kreativ werden müssen, um sich in Zukunft auf Augenhöhe begegnen zu können. Männer sollten mehr Wert auf ihre Emotionen legen und müssen lernen, diese zu kommunizieren. Männer haben ihre Komfortzone und verlassen die nur ungern. Und für uns Frauen ist es unerlässlich, ihnen dabei zu helfen. Wir sind da schon weiter.

Was für ein Rollenbild vertreten Sie?
Ich denke, dass Männer und Frauen wieder lernen müssen, Könige und Königinnen zu sein. Damit meine ich aber nichts Antiquiertes. Vielmehr, dass beide Geschlechter ihre Grösse wiederfinden und sich gleichberechtigt begegnen. Es brauchte die letzten Jahre, in denen wir die Missstände in der Gleichstellung laut bekämpft haben. Aber jetzt ist es höchste Zeit, liebevoll miteinander umzugehen und einen respektvollen Umgang zu finden.

Wie glauben Sie, kann das funktionieren?
Wichtig ist, dass wir lernen, mit Macht umzugehen. Männer sind Machtmenschen, das ist einfach so. Es ist aber wichtig, dass sie Möglichkeiten finden, diese Macht sinnvoll zu nutzen. Nämlich, um Frauen den Rahmen zu geben, sich zu entfalten, sich selber sein zu können.

Thomas Huber und Stéphanie Berger gehen nach sieben Jahren getrennte Wege. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, Giulien.

Thomas Huber und Stéphanie Berger waren sieben Jahre ein Paar. Die beiden haben den gemeinsamen Sohn Giulien.

RDB

Was meinen Sie damit?
Ich selber muss stets meinen Mann stehen, ich muss mich behaupten und stark sein. Das, weil ich in einer Männerdomäne arbeite. Dabei wäre es wichtig, dass Frauen immer ihre Weiblichkeit leben können. Das Sanfte, Verletzliche. Das geht aber nur, wenn sie dafür von Männern den Raum bekommen, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen. Und ich finde, dass wir Frauen diese Möglichkeit im Privaten und im Beruflichen brauchen.

Sie sind noch Single. Etwa weil sich Männer «Huschelis» wünschen und Sie eine starke Frau sind?
Ich finde dieses Klischee total veraltet. 

Was für einen Mann wünschen Sie sich?
Mir fehlt das Männliche in meinem Leben ungemein. Am liebsten hätte ich einen Gentleman. Einen Mann, der weiss, was Respekt, Moral und Vertrauen bedeuten. Das vermisse ich heutzutage bei vielen Männern.

Bild: Stéphanie Berger mit den zwei wohl wichtigsten Männern in ihrem Leben - ihrem Vater und ihrem Sohn Giulien 

Sie haben einen neunjährigen Sohn, wie erziehen Sie ihn in Sachen Geschlechterrollen?
Das muss ich gar nicht! Guilien bringt schon alles mit. Letztens sagte er: «Ich bin ein Mann!» Und als ich wissen wollte, was das für ihn bedeute, sagte er: «Ehrlich sein und nicht bei jeder Kleinigkeit ausflippen.» Das ist doch grossartig! Er hat da viel von seinem Vater mitbekommen. Wir teilen uns die Erziehung und ich bin wirklich stolz, dass für ihn Ehrlichkeit ein Teil vom «Mannsein» ist.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach in der Rollenverteilung ändern?
Männer und Frauen müssen sich selber wieder mehr Wert sein. Sprich: Männer brauchen mehr Selbstliebe. Sie sollten lernen, auf ihre Gefühle zu achten und ihre Werte zu leben. Bei Frauen ist es genau dasselbe. Frauen müssen sich wichtig genug sein, um sich gegen Gewalt und Unterdrückung zu wehren. Ich möchte, dass wir Königinnen werden, dich sich viel zu viel wert sind, um untragbare Zustände einfach zu akzeptieren.


Unter der Leitung von Barbara Lüthi diskutieren:

Manuela Barmettler, Bäuerin, «Landfrauenküche»
Stéphanie Berger, Komikerin und Moderatorin
Vera Dillier, «Jetset-Lady»
Caroline Fux, Psychologin und Sex-Beraterin «Blick»
Ina Praetorius, Theologin und Autorin
Tamara Wernli, Kolumnistin «Weltwoche» und Videobloggerin

zugeschaltet per Skype: Franziska Schutzbach, Geschlechterforscherin

Von Berit-Silja Gründlers am 05.02.2019