Marc Lynn «Steve hätte sich diesen Tod gewünscht!»

Die letzten Worte, die Gotthard-Bassist Marc Lynn an seinen verstorbenen Freund Steve Lee richten würde, wären: «Mit dir wars richtig geil!». Der Sänger starb am 5. Oktober 2010 an den Folgen eines tragischen Unfalls. Lynn erzählt von den letzten Minuten vor dem Tod und lässt die gemeinsame Zeit Revue passieren.
Marc Lynn trauert um seinen verstorbenen Freund, den Gotthard-Sänger Steve Lee. Lynn war beim Unfall dabei.
© Keystone Marc Lynn trauert um seinen verstorbenen Freund, den Gotthard-Sänger Steve Lee. Lynn war beim Unfall dabei.

GESPRÄCHE ÜBER DEN TOD
«Steve hätte sich genau diesen Tod gewünscht. Er liebte grosse Auftritte und grosse Abgänge. Er ist wie ein Rockstar von uns gegangen, ohne zu leiden - einfach viel zu früh.»

UNFALL
Mit einer 22-köpfigen Gruppe reiste Gotthard-Sänger Steve Lee, †47, durch die USA. «Wir hörten während der Fahrt über Lautsprecher Songs von AC/DC und ZZ Top und sangen lauthals mit», lässt Gotthard-Bassist Marc Lynn, 45, im Gespräch mit der «Schweizer Illustrierten» die letzten Momente vor Lees Tod Revue passieren. «Kurz vor dem Unfall grinste Steve mir zu und streckte den Daumen hoch. Das bleibt meine letzte Erinnerung an ihn.» Danach ging alles schnell, die Töffgruppe machte auf dem Pannenstreifen halt. «Ich höre ein Krachen, drehe mich um, sehe Steve mit unnatürlich verkrümmtem Bein am Boden liegen. Mein erster Gedanke: Zum Glück nur das Bein! Äusserlich sah man ihm nichts an. Blut floss keines. Erst Sekunden später realisierte ich, dass er sich nicht mehr rührt. Kein Laut. Kein Atemzug.» Dann habe Lynn die Organisation am Unfallort übernommen, teilte allen Aufgaben wie Wiederbelebung und Verkehr regeln zu. «Meine Frau Anja zog Brigitte sofort ein paar Meter weg vom Geschehen, damit sie sich das ganze nicht mitansehen musste.» Eine Stunde nach dem Umfall habe die Notfallärztin die Nachricht überbracht: «He's gone.»

ABSCHIED
«Als die Polizei mit den Ermittlungen begann, lag Steves Körper noch eine ganze Weile ungeschützt da. Ich ging zu ihm und schrie ihn auf Italienisch an, er solle doch verdammt noch mal aufstehen und einen seiner Witze reissen. Dann nahm ich seine Hand und wünschte ihm eine gute Reise.» Hätte Marc Lynn die Möglichkeit, seinem Freund noch etwas Letztes zu sagen, es wäre: «Mit dir wars richtig geil!». Die Bandkollegen waren enge Vertraute, telefonierten oft zusammen.

DIE ZEIT DANACH
Die Töffgruppe ging nach Mesquite, die Frauen fuhren mit dem Bus, die Männer brachten die Bikes in den nächstgelegenen Ort. «Anja und ich teilten uns das Hotelzimmer mit Brigitte, um sie nie allein zu lassen. Da flossen bei mir nach dem Schock das erste Mal die Tränen.» Da Brigitte und Steve nicht verheiratet waren, mussten die Formalitäten zur Kremierung - so wünschten es sich Steves Eltern - und der Rückführung geklärt werden. «Der Konsul von San Francisco bürgte für uns. Brigitte musste die Asche in einer versiegelten Tüte mitnehmen. Sie hatte Steve während des ganzen Heimflugs bei sich.»

TÖFF-TOUR
«Es mag makaber tönen, aber wir sind auch dankbar. Denn der Truck hätte uns um ein Haar alle überrollt», meint Lynn über die Stimmung in der Gruppe seit dem Todesfall. Ziel von allen sei es, im nächsten Jahr die Tour zu beenden. «Alle sagten zu, auch Brigitte!»

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Lesen Sie das ganze Interview mit Marc Lynn in der aktuellen «Schweizer Illustrierte» Nr. 42 vom 18. Oktober 2010 - jetzt am Kiosk und auf dem iPad.

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