Emel, Hutter & Co. Stillpflicht: «Gisele, shut up and look nice!»

Das brasilianische Topmodel Gisele Bündchen fordert eine weltweite Stillpflicht für Frauen. Dies stösst bei prominenten Schweizer Müttern auf Unverständnis - grösstenteils.

Topmodel Gisele Bündchen, 30, träumt von einem globalen Gesetz, welches Müttern vorschreibt, ihre Säugllinge mindestens sechs Monate lang zu stillen. Sie selbst habe ihrem Söhnchen Benjamin (geb. 8.12.2009) ein halbes Jahr lang die Brust gegeben - und dadurch ihre Figur zurückgewonnen, sagt das still-begeisterte Topmodel.

Auch die Schweizer Jungunternehmerin Racha Fajjari, 26, geniesst es, ihren Sohn Maximilian (geb. 24.5.2010) natürlich zu ernähren. «Stillen ist für mich ein Luxus. Ich reise viel, muss mir aber keine Gedanken darum machen, ob ich einen Schoppen mit sauberem Wasser anrühren kann oder ob ich genug Nahrung dabei habe», sagt Fajjari. Und fügt lachend an: «Ausserdem eignet sich das Stillen hervorragend zum Druckausgleich bei Flugreisen.»

Dennoch könne man keine Mutter zum Stillen zwingen, sagt die Zürcherin, denn vielen sei dies gar nicht möglich! Das musste alt Nationalrätin Jasmin Hutter, 32, Mami von Jon (geb. 15.12.2009) am eigenen Leib erfahren. «Ich hatte zu wenig Milch. Jede Mahlzeit wurde zur Tortur für meinen Sohn und mich.» Nach drei Monaten stellte die Ex-Politikerin auf Flaschenernährung um. Seither gehe es ihr und dem Baby blendend. «Literatur, Hebammen, Mütternberatung - alle machen einem ein schlechtes Gewissen, wenn man nicht oder nur kurz stillt. Dabei ist es doch viel wichtiger, dass sich Mutter und Kind wohl fühlen und glücklich sind!» Bündchens Idee einer Stillpflicht findet Hutter schlicht «blödsinnig».

Noch härtere Worte findet Musikerin Emel, 34: «Shut up and look nice!» (Schau hübsch aus und schweig), ist ihr Kommentar zum Gesetzesvorschlag des Topmodels. «Ich stille noch immer, weil es praktisch ist, ich genug Milch habe und schmerzlos stillen kann», sagt die Mutter von Ayleen (geb. 27.1.2010). Aber: «Gisele Bündchen sollte für ihre Brustmilch und ihre Figur vielleicht besser Gott, Photoshop und ihren Genen dankbar sein!»

Dass Bündchen mit ihren Äusserungen Frauen unter Druck setzt, die nicht stillen können, finden alle drei Schweizer Mamis falsch. «Wenns einfach nicht geht, fühlt man sich als Frau und Mutter völlig unbrauchbar», weiss Jasmin Hutter aus eigener Erfahrung. Ein schlechtes Gewissen bräuchten diese Mütter aber nicht zu haben, ist Racha Fajjari überzeugt: «Natürlich ist Muttermilch erwiesenermassen gesund. Aber heutzutage sind Ersatzpräparate ja wirklich weit entwickelt, so dass jedes Kind kriegt, was es braucht.» Und Mutterliebe - da sind sich alle drei einig - sei noch immer das Wichtigste.

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