Schweizer Homosexuelle über fiese Sprüche und Diskriminierung Tamy Glauser: «Ich wurde beleidigt!»

Homophobie ist auch in der Schweiz ein Problem. SI online hat zum Internationalen Tag gegen Homophobie bei Schweizer Prominenten nachgefragt, wie sie damit umgehen.

Schwule und Lesben haben es immer noch schwer in der Schweiz. Sie werden diskriminiert und erleben Homophobie hautnah: «Ich wurde beleidigt, als ich mit meiner damaligen Freundin Hand in Hand durch die Strasse ging», gibt das international erfolgreiche Model Tamy Glauser, 32, gegenüber SI online zu. «Zum Glück ist das nicht mehr passiert, seit ich mit Dominique zusammen bin.» Ihre Freundin, Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht, 27, bestätigt aus Nizza: «Bis anhin habe ich keine homophoben Menschen in der Schweiz kennengelernt. Im Gegenteil, sehr viele sind ziemlich offen.» Doch sie habe auch schon Aufträge verloren, weil sich Kunden beschwert hätten. «Dafür kamen neue Engagements hinzu!», freut sie sich. Um auf die Situation der Schwulen und Lesben aufmerksam zu machen, findet heute der Internationale Tag gegen Homophobie statt.

Dominique Rinderknecht nach freund Tamy Glauser Tattoo Interview
© Peter Lueders

Dominique Rinderknecht und Tamy Glauser

Ist Homophobie immer noch ein Problem?

Heute veröffentlichte die «International Lesbian & Gay Association» ihren Bericht zur rechtlichen Lage von lesbischen, schwulen, bisexuellen und Trans-Menschen. Ernüchterung: Die Schweiz liegt in Europa auf Platz 26, hinter zum Beispiel Deutschland, Portugal oder Slowenien. Wir fragen nach beim beliebten Fernsehmoderator Dani Fohrler, 49, der seit über zwanzig Jahren mit seinem Partner zusammenlebt: «Persönlich habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht. Vielleicht mal ein blöder Spruch. Aber das ertrage ich oder gebe einen zurück.» Doch wisse er, dass es Menschen in der Schweiz gäbe, für die es wegen ihres beruflichen Umfeldes oder ihrer Lebenssituation schwierig sei, zu ihrer Homosexualität zu stehen. «Viel schlimmer finde ich die Situation zum Beispiel in Teilen Afrikas oder im Nahen Osten, wo Homosexuelle zum Tode verurteilt werden. Da fühle ich mich in der Schweiz privilegiert.»

So feiern die Schweizer Prominente Weihnachten: Dani Fohrler
© RDB/SI/Reichenbach

Moderator Dani Fohrler

Happy Family auch für Schwule und Lesben?

Die Volladoption für homosexuelle Paare ist in der Schweiz nach wie vor verboten, was ein wichtiger Aspekt für das schlechte Abschneiden der Schweiz im europäischen Vergleich sein dürfte. Dani Fohrler betrifft das nicht direkt: «Wir hatten nie einen Kinderwunsch.» Dominique Rinderknecht hingegegn könnte es sich vorstellen, eines Tages Kinder zu haben: «Ich bin gerade in Frankreich und hier ist die Adoption erlaubt. Die Schweiz hinkt da leider hinten nach. Warum ein Kind in einem Heim lassen, wenn es bei liebevollen Menschen leben könnte - das verstehe ich nicht!» Ihre Freundin Tamy Glauser sieht es gleich: «Dominique und ich wären doch super coole Mamis. Und genug Männer in unserem Leben gäbe es für die kleinen Tamyniques auch.»

Noch viel zu tun

Dass die Schweiz gemäss der «International Lesbian & Gay Association» heute schlechter abschneidet als noch vor zwei Jahren zeigt, dass es noch viel Aufholbedarf in Bezug auf die Gleichberechtigung gibt. «Grundsätzlich sind Events wie das Zurich Pride Festival sehr wichtig, um die Gesellschaft zu sensibilisieren und auf die Problematik aufmerksam zu machen», findet Dominique Rinderknecht, welche am Zurich Pride Festival als Moderatorin auftritt. Auch Dani Fohrler glaubt, dass man durch eine offene Haltung vieles verändern könne, und versucht, ein liberales Vorbild zu sein: «Ich kann nur mein Leben leben!»

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