Stars mit grünem Daumen Die Oasen von Tanja Gutmann und Rolf Knie

Wer pinkelt in seinen Garten? Und wieso sollte man Heidelbeeren nicht alleine lassen? Im zweiten Teil der SI-Gartenserie verraten Tanja Gutmann und Rolf Knie, wie es um ihren grünen Daumen steht.

TANJA GUTMANN: KÖNIGIN DES TOPFGEMÜSES

Nach der Kartoffelernte auf dem Feld ein «Härdöpfu-Füür» machen. Aus Unkraut imaginäre Menüs zaubern. Oder im Tulpenbeet der Grosseltern einen Strauss für Mami stibitzen. Das sind Tanja Gutmanns, 37, schönste Kindheitserinnerungen. Klar, versucht sie sich nun auch im urbanen Raum ein grünes Umfeld zu schaffen. Das eigene Haus auf dem Land mit einem alten Obstbaum ist zwar noch ein Traum. Immerhin beherbergt die Moderatorin auf ihren zwei Balkonen bereits schon eine halbe Gemüsefarm. «Wir haben die Kisten zu Hochbeeten umfunktioniert.» Die Ernte landet jeweils frisch auf dem Tisch. «Hätte ich einen grösseren Garten, würde ich einen Vorrat an Babybrei anlegen.» Bis die Breizeit bei Söhnchen Ian Enea, 3 Monate, beginnt, dauerts schliesslich nicht mehr lange. Allerdings hat der Balkongarten gegenüber herkömmlichen Beeten einen grossen Vorteil: Keine Schnecken, kein Unkraut. Das kommt Tanja grad recht. «Schädlinge bekämpfe ich nur mit sehr schlechtem Gewissen und Mitleid.» Wenn, dann umweltschonend: «Ameisen mit Zimt. Läuse mit Seifenlauge.»

Typ: Balkonvirtuosin
Garten: Balkongarten nahe Zürich
Das wächst: Zucchini, Kohlrabi, Fenchel, Rüebli, Salat, Krautstiele, Radiesli, Romanesco, Tomaten, Auberginen, Kräuter, Pfirsiche und Heidelbeeren.
Ernte: Reicht fürs Kochen ab und an
Geheimtipp: «Karotten sollte man wenig wässern, dann suchen sie nach Feuchtigkeit und wachsen länger.» Und Heidelbeeren seien nicht gern allein: «Meine sind erst fruchtbar, seit ich sie zu zweit halte.»
Dagegen kämpfe ich: Läuse, Mehltau
Mein Garten ist: «Mein Stück Natur.»

ROLF KNIE: «PFLANZEN KÖNNEN FÜHLEN»

Seine Pflanzen haben Geschichten: Die Trauerweide zog Rolf Knie, 64, aus dem Bouquet seiner Dernière in der Zirkusmanege 1983. Das Zitronenbäumchen entstammt einem Kern, den er sich beim Dinner mit Prinzessin Stéphanie von Monaco beiseite legte. Und die saftigen Tomaten landen täglich zweimal auf dem Tisch. «Ich ernte, meine Frau kocht», sagt der Künstler. Besonders viel zu tun geben die Kumquat-Bäumchen auf Mallorca. 30 Kilo liest Knie jährlich und tauscht einen Grossteil im lokalen Lädeli. Die reiche Ernte ist dem Mondkalender zu verdanken. Und viel Liebe. «Pflanzen sind Lebewesen. Ich bin sicher, dass sie etwas fühlen.» Eines seiner Gewächse mache sogar die Blätter zu, wenn man es anschreie, sagt der Künstler. Erstaunlich nur, dass sich unter seinen Werken, die er in seiner Retrospektive ab dem 20. September in Dübendorf ZH ausstellt, keine Pflanzenabbildungen finden. «Die Natur ist perfekt. Das konnte nur van Gogh», sagt Knie. Und verrät zum Schluss, was er im Garten - natürlich nicht in der Gemüseecke - am liebsten tut. «Pinkeln unter freiem Himmel. Das ist reine Lebensqualität.»

Typ: Grünzeugflüsterer
Standort: 4000 m2 auf Mallorca und 800 m2 in St. Gallenkappel
Pflanzen: Mediterranes Gemüse und Früchte, Trauerweide, Palmen und Blumen.
Ernte: Was nicht auf dem Tisch landet, wird im lokalen Gemüseladen getauscht oder eingemacht.
Geheimtipp: «Schauen Sie auf den Mond. Das haben schon die Indianer so gemacht.»
Dagegen kämpfe ich: Auf Mallorca sind Palmen Unkraut. «Ich muss die jungen Bäumchen zu Hunderten ausreissen.»
Mein Garten ist: «Mein Ausgleich.»

Im nächsten Teil: Die Oase von Ursula Wyss.

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