Audrey Bousquet Tauscht das Elite-Model Schule gegen Laufsteg?

Sie hat am vergangenen Donnerstag das Finale des Schweizer Elite Model Look gewonnen. Jetzt geht es bei der 15-jährigen Audrey Bousquet um die Zukunft als Schülerin, ihren Körper und die Sorgen ihrer Eltern.

Von den 12 Finalistinnen wird ihr Name als letzter aufgerufen: Audrey Bousquet! In High Heels und blauem Minikleid steht die 15-Jährige auf der Bühne der Maag Halle Zürich. Es regnet Glitzerfetzen, ihre Konkurrentinnen umarmen sie. Audrey strahlt. Sie hat den Schweizer Elite Model Look 2013 gewonnen. 24 Stunden später sitzt Audrey Bousquet nun in Hosen, fast ungeschminkt und barfuss in ihrem Kinderzimmer in Gals BE. Fünf Stunden hat sie geschlafen. Um sieben musste sie aufstehen und zur Schule. Darauf legten ihre Eltern Nathalie, 47, und Patrick, 48, trotz den Emotionen und der langen Nacht Wert. «Ich habe die Schule erst diese Woche angefangen und bereits drei Tage gefehlt.» An der Fachmittelschule mit anschliessender pädagogischer Matura in Neuenburg - Audrey möchte Primarlehrerin werden - hat sie niemandem vom Sieg erzählt. Im Welschland ist der Wettbewerb wenig bekannt. «Zudem bin ich schüchtern und kenne meine Mitschüler kaum. Ich rede erst viel, wenn ich die Leute kenne.»

Dank dem Sieg und den Massen 1 Meter 80, 86-63-89 will Audrey nun die Schulbank gegen die Laufstege eintauschen. Sie liebt Fotoshootings, mag es, wenn ihr die Haare, das Make-up und die Nägel gemacht werden und sie vor Leuten laufen kann. Ihre Eltern, eine Heilpädagogin und ein Betriebswirtschaftsingenieur, sind bezüglich der Zukunft ihrer Tochter zurückhaltender. «Ideal wäre, wenn sie Schule und Modeln kombinieren könnte.» Diese Woche steht das Treffen mit Ursula Knecht, Option-Agenturchefin, an. Dann werden die Möglichkeiten geprüft. Vorjahressiegerin Manuela Frey, 16, hat ihre Ausbildung abgebrochen, alles aufs Modeln gesetzt und läuft bereits für die ganz grossen Designer. Dennoch, Audreys Eltern machen sich Sorgen. «Für uns ist wichtig, dass respektvoll mit unserer Tochter umgegangen wird. Teenager sind sehr sensibel, und fürs Modeln muss ein Mädchen eine starke Persönlichkeit haben», sagt Mutter Nathalie.

Sie sei dünn, gross und auch schön - sie soll Model werden, das hörte Audrey immer wieder, ob vom Coiffeur, von Freunden oder Bekannten. Also ging sie im Februar mit der ganzen Familie ans Casting. Schwester Morgane, 18, machte gleich auch mit und schaffte es unter die letzten 30. Doch die jüngere Schwester hat gesiegt. «Das stört mich überhaupt nicht! Ich bin so froh für Audrey.»

Die beiden haben schon früh ihre Träume geteilt. Als Kind verkleideten sie sich als Prinzessinnen und malten sich ihre Hochzeit aus. Bloss: Der Traumprinz fehlt bei Audrey noch. «Besser so!», findet der Papa. «Sie ist noch so jung und hat Zeit. Ein Freund finden ist einfach, wichtiger ist die Familie.» Und schliesslich mag Audrey, die Basketball und Klavier spielt, neben Hochzeitskleidern mittlerweile auch die Mode von Karl Lagerfeld.

Ihre Katzenaugen findet sie toll, die Knie weniger. Ansonsten ist Audrey mit ihrem Aussehen mehr als zufrieden. Die vollen Lippen sind nicht aufgespritzt, sie verdankt sie ihrer Grossmutter väterlicherseits. «Sie sind original karibisch! Lèvres pulpeuses», sagt Grossmutter Mireille, 68, die von der Karibikinsel Martinique stammt. Audrey hat deshalb neben dem Schweizer auch den französischen Pass. Sie spricht Mundart (Berner Dialekt) fliessend, zudem ist Französisch ihre Muttersprache. Von ihrem «Grosmueti» hat Audrey neben den Lippen auch die Haare geerbt: Afro! Nur ihr brasilianischer Coiffeur weiss diese zu bändigen. Gewaschen werden sie höchstens einmal pro Woche, weil sie so trocken sind. «Meine Haare zu föhnen und zu strecken, dauert jedes Mal zwei Stunden.»

Früher wurde sie genau wegen ihrer Lockenpracht gehänselt. «Ich hatte komisches, spezielles Haar», sagt sie. Wegen ihrer schlaksigen Statur bezeichneten sie manche als magersüchtig. Das tat ihr damals weh. «Heute ist mir egal, was man über mich sagt. Ich wills weder wissen, noch berührt es mich.» - «Und es sind einfach unsere Gene! Audrey kann essen, was sie will», beschützt Morgane ihre Schwester. Vater Patrick misst 1 Meter 91. «Ich war früher auch sehr dünn beziehungsweise mager.» Und sonst ist da noch Mutter Nathalie, die darauf achtet, dass nicht nur genug gegessen wird, sondern neben Fleisch, Teigwaren oder Pommes frites auch Gemüse auf den Teller kommt. «Vermutlich passt sich Audreys Figur in den nächsten Jahren ihrer Grösse etwas an. Sie ist einfach in den vergangenen Jahren stark gewachsen.»

Noch träumt Audrey gemeinsam mit Schwester Morgane von den ganz grossen Shootings und Laufstegen. Als erste Hürde steht für sie im Herbst das Weltfinale des Elite Model Look in Shenzhen, China, an. Dann kristallisiert sich auch heraus, ob ihr spezieller Look gefragt ist und sie ganz in die Modewelt abtaucht. Dass Audrey darin untergehen könnte, davor hat niemand in der Familie Angst. «Sie kann sich auf ihr Bauchgefühl verlassen und hat ein gutes Gespür für Menschen», sagt Grossmutter Mireille. «Und sonst», so der Vater, «hat sie vor Jahren einmal Karate-Unterricht genommen!»

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