«TVOS» SRF-Direktor Matter: «Das Singen erspare ich Ihnen»

Superdirektor Ruedi Matter ist Herr über die Schweizer Radio- und Fernsehprogramme. Ganz besonders liegt ihm «The Voice of Switzerland» am Herzen. Singen will er trotzdem nicht, wie er im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» sagt.
Ruedi Matter SRG-Direktor über The Voice of Switzerland (tvos)

Ruedi Matter will den «The Voice»-Coaches Marc Sway, Stress, Stefanie Heinzmann und Philipp Fankhauser (v.l.) sein musikalisches Können nicht präsentieren.

Hektik in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen TG. In einer Stunde beginnt die erste Aufzeichnung von «The Voice of Switzerland». Einige Techniker staunen nicht schlecht, als sie den Mann auf der Bühne erkennen. Es ist ihr oberster Chef, Ruedi Matter, 60. Mit der «Schweizer Illustrierten» spricht er im Interview über seine eigenen musikalischen Qualitäten und das Fernsehverhalten seiner Familie.

Schweizer Illustrierte: Gratuliere, Herr Matter! Sie haben es auf die Bühne von «The Voice of Switzerland» geschafft - welchen Song werden Sie singen?
Ruedi Matter: Ich würde mich für «Everybody Needs Somebody to Love» aus dem Film «The Blues Brothers» entscheiden, einem meiner Lieblingsfilme. Ich mag den Rhythmus, den Puls des Songs. Aber das Singen erspare ich Ihnen.

So unmusikalisch?
Nein, gar nicht. Ich bin in einem kleinen Dorf im Baselbiet aufgewachsen mit einem tollen Musikverein. Bis Anfang 20 habe ich dort Horn gespielt. Dann wurde ich Journalist und hatte leider keine Zeit mehr zum Besuch der Proben.

Sie kommen auf Arbeitsbesuch bei «The Voice of Switzerland» - ist das Chefsache?
Es ist eine wichtige und aufwendige Produktion, die ich mit grossem Interesse begleite. Ausserdem gibts keine vergleichbare Sendung, die mehr junges Publikum erreicht. Natürlich ist dabei auch die Komponente Social Media ein wichtiger Aspekt. Gerade ein jüngeres Publikum findet hier seinen eigenen Zugang, auch durch Hintergrundgeschichten, die man so am TV nicht mitbekommt.

Gehören Ihre drei schulpflichtigen Kinder auch dazu?
Absolut! Bei der letzten Staffel sass am Samstag jeweils «tutta la famiglia» vor dem Fernseher. Einmal war ich mit ihnen sogar bei der Livesendung dabei.

Dürfen die Kinder des TV-Direktors so viel schauen, wie sie wollen?
Überhaupt nicht, wir sind da ziemlich restriktiv. Unter der Woche sind die Kinder in der Schule und in der Freizeit stark engagiert, da bleibt sowieso kaum Zeit zum Fernsehen. Aber an den Wochenenden schauen sie schon, klar.

Und was läuft dann bei Matters im TV?
Meine Kinder mögen neben «The Voice» vor allem Sport, Fussball, Skifahren. Meine Frau ist grosser Fan vom «Bestatter» und der Serie «House of Cards».

Was bekommen Sie als «Superdirektor» eigentlich von dem mit, was auf Ihren Kanälen läuft?
Der Begriff «Superdirektor» ist eine Medienerfindung, so bezeichne ich mich nicht. Aber es ist in der Tat nicht einfach, bei drei Fernseh- und sechs Radioprogrammen ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Mein Tag fängt mit Radio an, ich bin passionierter SRF-4-Nutzer. Die wichtigsten Fernsehsendungen und -filme schaue ich mir dann meist zeitversetzt an, und in den letzten Stunden des Tages kommt für die Infosendungen mein iPad zum Zug.

Gefällt Ihnen, was Sie sehen?
Ich bin zufrieden, ja. Wir wollen und müssen ein Leuchtturm in der täglichen Informationsflut bleiben, eine Orientierungshilfe sein. Die «Tagesschau» beispielsweise muss den Zuschauern am Abend sagen, was wichtig war und was nicht. Das ist eine grosse Aufgabe, ein Teil unserer Existenzberechtigung. Nicht zuletzt durch Social Media ist man heutzutage laufend mit Meldungen aller Art konfrontiert - deren Einordnung ist aber nochmals eine ganz andere journalistische Leistung.

Sie haben nicht mal einen eigenen Facebook-Account, können Sie da technisch überhaupt noch mithalten?
Ich muss selber nicht auf jeder Plattform vertreten sein - wo es für SRF Sinn macht, sind die jeweiligen Programmschaffenden aktiv. Und über neue Entwicklungen, besondere Apps zum Beispiel, halten mich meine jungen Kolleginnen und Kollegen auf dem Laufenden. Aber ich bin ein leidenschaftlicher iPad-Nutzer.

Die SRG hat das Pensionierungsalter für Kaderangestellte von 62 auf 65 Jahre erhöht. Enttäuscht, dass Sie länger arbeiten müssen?
Im Gegenteil. Ich kann mir gar nicht vorstellen, nicht mehr beruflich aktiv zu sein. Klar ist es sinnvoll, dass man irgendwann eine neue Rolle übernimmt. Ein grosses Unternehmen wie SRF lebt von Wechseln und neuen Ideen. Aber für mich ist nicht plötzlich Schluss und Aus, und dann sitze ich nur noch zu Hause und lese Bücher.

Aber das wäre doch eine tolle Chance, um mehr Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen.
Ja, das stimmt schon, gerade abends wäre ich gerne mehr zu Hause. Aber die Kinder sind jetzt schon in einem Alter, in dem sie den Vater nicht mehr die ganze Zeit um sich haben wollen. Mir ist wichtig, dass ich dann Zeit für meine Kinder habe, wenn sie mich brauchen, wenn sie ein Anliegen haben. Und ich mache ausgiebig Ferien mit der Familie. Im Sommer sicher drei Wochen. Und natürlich verbringen wir an den Wochenenden viel Zeit zusammen.

Welches Erbe wollen Sie dem Schweizer Fernsehen hinterlassen, was ist Ihre Vision?
Die Frage nach dem Erbe kommt zu früh. Unser Ziel ist es, noch mehr Schweiz zeigen, in allen Genres: Information, Dokumentation, Fiktion und Unterhaltung. Wir wollen zeigen, was die Schweiz beschäftigt und Diskussionen anregen. Das Schweizerische ist unsere wichtigste Legitimation und einer unserer Erfolgsfaktoren. Aber gleichzeitig wollen wir auch ein Fenster zur Welt sein. Die Schweiz ist ja keine Insel. Für unser Profil wird es immer wichtiger, in den Redaktionen ausgewiesene Spezialisten zu haben. Leute, die sich in den grossen Themen der Zeit exzellent auskennen. Wir brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit herausragendem Sachverstand. Da können wir sogar noch zulegen.

Ihren Mitarbeitern fehlt es an Sachverstand?
Nein. Es gibt in der Schweiz wohl nirgends so gute Fachredaktionen wie in den Radio- und Fernsehsendern von SRF. Aber selbst da, in unseren Kompetenzzentren, wollen wir noch zulegen.

Genau wie in der Unterhaltung. Da fehlen Ihnen die grossen Würfe…
Das stimmt überhaupt nicht. Wir haben in den letzten Jahren tolle Formate neu entwickelt oder auch adaptiert, die bei den Zuschauern hervorragend ankommen. Ein gutes Beispiel ist «The Voice of Switzerland».

Welche Formate fehlen denn noch im Schweizer Fernsehen?
Was ich gerne mehr sehen würde, ist eigenproduzierte Fiktion. Wir produzieren zwei «Tatort»-Folgen und vier Fernsehfilme pro Jahr. Ausserdem arbeiten wir an einer zweiten Serie. Es wäre schön, mehr solche Formate zu haben. Die Zuschauer sind hungrig nach Filmen mit Schweizer Besetzung, die an Schweizer Schauplätzen spielen. Das sieht man am Erfolg von «Der Bestatter». Leider kommen wir da schnell an die Grenzen unserer finanziellen Mittel.

«Der Bestatter» hat Ihnen Traumquoten beschert. Wie viele Flaschen Wein haben Sie Mike Müller zum Dank geschickt?
Gar keine. Er war in Südostasien in den Ferien, ich konnte ihm bloss ein SMS schicken.

«The Voice of Switzerland»: Start am 22. Februar, 20.10 Uhr, bei SRF 1.

Alle Artikel zur Castingshow finden Sie im grossen Dossier von SI online.

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