SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi im persönlichen Interview «Man nannte mich Milchmann»

Seit kurzem ist Thomas Aeschi, 38, neuer Chef der SVP-Fraktion im Bundeshaus. Und schon berichtet die «NZZ am Sonntag», dass er ein zweites Mal für den Bundesrat kandidieren könnte. Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» zeigt sich Aeschi von seiner persönlichen Seite: Er mag das Wallis, Jassen und gedämpfte Rüebli mit Butter. Seinen Traum, Bauer zu werden, hat er zwar begraben. Dafür hat Aeschi eine eigene Kuh namens Lulu.
Thomas Aeschi SVP-Nationalrat
© Kurt Reichenbach

Seinen Traum, Bauer zu werden, hat SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi aufgegeben. Aber wird er vielleicht doch noch Bundesrat?

Thomas Aeschi, was wären Sie für ein Gemüse oder was für eine Frucht?
Mein Lieblingsgemüse sind gedämpfte Rüebli mit etwas Butter, und meine Lieblingsfrucht sind natürlich Zuger Chriesi.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Ursula.

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
«Steig nie zu einem fremden Mann ins Auto.»

Was hatten Sie für einen Spitznamen?
In der Primarschule nannte man mich Milchmann, weil ich im Skilager jeweils frühmorgens die Milch beim Bauern holte.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
An Weihnachten erhalten einige meiner engsten Freunde selbst gestaltete Karten von mir.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Ich bleibe im Kanton Zug wohnen. Da ich aber als Kind oft im Wallis in den Ferien war, würden sicherlich ein Walliser Schrank sowie die weite Sicht auf den Lac Léman und die Betriebsamkeit von Zürich dazugehören.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihren Teller nicht leer essen?
Ja. Ich schöpfe deshalb lieber ein zweites Mal nach.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Ein Bild von einer Wanderung auf den Muottas Muragl oberhalb von Pontresina.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein, da ich selbst über meinen Körper entscheiden will.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Glücklicherweise musste ich mich bis heute nicht mit dieser Frage auseinandersetzen. Der durch eine Sterbehilfeorganisation begleitete Tod von alt SVP-Ständerat This Jenny hat mich aber für dieses Thema sensibilisiert.

Thomas Aeschi SVP-Nationalrat
© Kurt Reichenbach
Mit seinem Göttikind Sara, 5 (l.), und deren Schwester Lavinia spielt Thomas Aeschi gern. 

Was war die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Meine zahlreichen Reisen als Rucksacktourist. Mein Studium an der Harvard-Universität und die Zusage, Götti von Sara zu werden, gehören zu den besten Entscheidungen in meinem Leben. 

Und die dümmste?
Als Kind bin ich mal ins trübe Wasser gesprungen. Glücklicherweise habe ich mich nur leicht am Bein verletzt. Das war höchst fahrlässig.

Welche Idee, welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Als Kind wollte ich Bauer werden. Diesen Wunsch werde ich mir nicht mehr erfüllen können. Aber immerhin besitze ich nun ein kräftiges Ehringer Kalb – Lulu.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich arbeite sehr gern. Würde ich gezwungen, mein Arbeitspensum zu reduzieren, wäre ich weniger glücklich.

Welche Bücher, welche Musik haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
«Terre des hommes» von Antoine de Saint-Exupéry hat sicherlich zu meiner Lust, fremde Länder zu entdecken, beigetragen. Was die Musik betrifft, so mag ich viele Musikrichtungen, von Klassisch über Ländler bis zu Pop.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Ich mag den Zuger Kabarettisten Michael Elsener. Über eine Gastrolle in einem solchen Film würde ich mich freuen.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Ich hatte ein grosses Arbeitspult mit einem schönen Ausblick auf eine sanft geschwungene Hügellandschaft.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man uns loben? Wofür verurteilen?
Die letzten Jahrzehnte waren eine Periode des kontinuierlichen Wohlstandswachstums in der Schweiz, in welcher wir es leider verpasst haben, uns auf die härter werdenden Zeiten vorzubereiten. 

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben?
Die Freude an der Arbeit würde ich gern meinen Kindern oder zumindest meinem Göttimeitli Sara weitergeben.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen. Hoffentlich gelingt es der pharmazeutischen Industrie, diese tödliche Krankheit bald zu besiegen.

Der beste Rat, den Sie je bekamen?
Bismarck, Kennedy, de Gaulle und Kissinger haben gemeinsam, dass sie sich immer an folgenden Grundsatz hielten: «Pick your battles wisely.» – Wähle deine Schlachten mit Bedacht.

Wer ist Ihr bester Freund?
Ich verstehe mich sehr gut mit meinen Fraktionskollegen Toni Brunner und Thomas Matter. Wir treffen uns auch ausserhalb der Politik. Etwa für einen Jass.

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