NHL-Star Mark Streit Töchterchen Victoria ist sein schönster Sieg

Der amerikanische Traum ist ausgeträumt: NHL-Star Mark Streit siehts je länger, desto positiver. Nach dem abrupten Karriere-Ende und der schwierigen Heimkehr hat er endlich Zeit, Papa und Ehemann zu sein. 
Mark Streit Tochter Victoria
© Kurt Reichenbach

Papi-Parcours: Väter sind zum Rumturnen da! Mark Streit geniesst die Zeit mit seiner Tochter Victoria.

Dedede», sagt Victoria, 1, und blickt ihren Papi Mark Streit, 40, erwartungsvoll an. Er wirft ihr einen Stoffball zu. Da strahlt die Kleine, packt den Ball und wirft ihn zielsicher ins Nirgendwo. Und jetzt? Victoria zieht eine Schnute. 

Mark krabbelt unter den Tisch, holt den Ball und stupst ihn wieder in ihre Richtung. Mama Fabienne, 32, beobachtet die beiden. «Mark hat Ausdauer beim Spielen. Zum Glück nimmt er sich so viel Zeit für Victoria.» Geplant war das nicht. Eigentlich sollte Fabienne oft alleine auf «Vivi» aufpassen, während der Eishockey-Star noch eine Saison in der NHL spielt. 

Ich hatte mit den Tränen zu kämpfen

Doch nach zwei Matches für die Montreal Canadiens landete der Verteidiger im Oktober auf dem Abstellgleis. «Wir sassen im Auto, um den Indian Summer auf dem Land zu geniessen. Da kam der Anruf. Mir war sofort klar, dass er mein Karriere-Ende bedeutet.» 34 Jahre Eishockey, zwölf in der NHL, ein Leben in Nordamerika – alles vorbei, mit einem Klingelton.

Mark Streit Tochter Victoria
© Kurt Reichenbach

Tolles Geschenk! Ihren ersten Geburtstag durfte Victoria Anfang Januar mit Mami Fabienne und Papi Mark Streit zu Hause in Bern feiern. Und begann kurz darauf, erste Worte zu sagen. 

Mark Streit, was ging Ihnen im ersten Moment durch den Kopf? 
Der Tag war am Arsch. Die ersten Gefühle waren heftig, ich hatte mit Tränen zu kämpfen. 

Ist der Schock verarbeitet?
Mark: 
Ich bin daran. NHL-Spiele kann ich mir noch nicht ansehen, da würde ich zu nostalgisch. Aber Olympia hat Spass gemacht.
Fabienne: Lustig ist, dass Victoria sich nicht für den TV interessiert, ausser es läuft Eishockey. 

Sind Sie traurig, dass sich Ihre Tochter nicht an Sie als aktiven Spieler erinnern wird?
Dieser Zug ist schon vor zehn Jahren abgefahren (lacht). Ich weiss ja, dass sie da war. 

Mark Streit Tochter Victoria
© Kurt Reichenbach

Die Zähnchen sind da! Victoria isst am Familientisch mit — alles ausser Tomatensauce und Stock.

Nehmen Sie Hilfe an, um das Geschehene zu verarbeiten?
Bis jetzt war das nicht nötig. Fabienne ist eine gute Zuhörerin und lässt mir Zeit. 

Hegen Sie negative Gefühle?
Was würde das bringen? Man sollte schätzen, was man im Leben hat, statt Vergangenem nachzutrauern. 

Was gab Ihnen Kraft?
Schon mit Victorias Geburt hat meine Familie den Sport als wichtigsten Lebensinhalt abgelöst. Das hats einfacher gemacht. Die zusätzliche Zeit, die ich nun unverhofft mit meinen beiden Frauen verbringen darf, ist ein Geschenk. 

Mark Streit Tochter Victoria
© Kurt Reichenbach

Eigensinnig: Noch spielt Victoria nach ihren eigenen Regeln. Memory-Weitwurf ist besonders beliebt. 

Dabei war die Heimkehr in die Schweiz alles andere als leicht. Von der Ostküsten-Metropole Philadelphia, wo das Paar einen festen Wohnsitz hatte, ins ruhige Berner Elfenauquartier. Hier am Stadtrand, umgeben von schwer bewachten Botschaften und lauschigen Spazierwegen, bewohnen Streits eine moderne Eigentumswohnung mit riesigem Garten. Perfekt, jetzt da Victoria das Gehen entdeckt hat. Aber der Pool, der wird die Eltern auf Trab halten! Elf Koffer hatte die junge Familie dabei, als sie Mitte Dezember in Zürich landete. Wohnung und Möbel in Philadelphia haben Streits verkauft oder weitergegeben. Der gelebte amerikanische Traum scheint endgültig vorbei zu sein.

Freuten Sie sich auf zu Hause?
Mark: Ich dachte eigentlich, wenn einmal alles vorbei ist, werde ich erleichtert heimkehren. Aber ich hatte Mühe.

Was fehlt Ihnen?
Der Sport natürlich, dem ich den Grossteil meines Lebens gewidmet habe. Und ich mochte den amerikanischen Lifestyle sehr. Die Mentalität ist offen, nett und viel kinderfreundlicher als hier. Dazu kommt, dass ich dort meine festen Rituale hatte, meinen Tagesablauf. 

Jetzt nicht mehr?
Einen ganz anderen. Dreimal die Woche gehe ich in Therapie für meine operierte Schulter und viermal für mich joggen oder aufs Laufband. Ich habe das riesige Privileg, nach 22 Jahren im Profisport körperlich praktisch unversehrt zu sein. Das ist wirklich nicht selbstverständlich. 

Mark macht viel mit Victoria

Fabienne, kann Ihr Mann Ihnen unter die Arme greifen?
Absolut. Mark macht viel mit Victoria, wenn er da ist: wickelt, füttert, tröstet, spielt. Für alle Aufgaben rundherum bin jedoch meist ich zuständig. Das ist auch in Ordnung. 

Kriegen Sie genug Schlaf?
Mark: Victoria schläft zwar bis zu acht Stunden am Stück, wacht aber morgens sehr früh auf. Vor Kurzem haben wir beschlossen, dass auch wir Eltern ab sofort früher als Mitternacht ins Bett müssen. 
Fabienne: Wir haben zwar vom Schlafmangel gehört. Aber ihn selbst zu erleben, ist doch etwas völlig anderes. 

Hat die Vaterrolle Mark verändert?
Fabienne: Ich empfinde ihn als entspannter. Wir waren immer sehr glücklich, aber ich habe Mark noch nie so viel strahlen sehen wie jetzt mit unserer Tochter. Wir erfahren eine neue Dimension von Glück. Mark ist ein sehr fürsorglicher, liebevoller und auch lustiger Vater mit Engelsgeduld.

Beim Besuch vor wenigen Wochen fischt Mark Streit Victoria einen Mandarinenschnitz aus dem Mund, an dem sie mit ihren Zähnchen zu scheitern droht. Und klipst das Haarspängeli wieder an, das sich die Kleine aus den von Fabienne frech gestuften Fransen gezogen hat. Dann packt er seine Tochter in den Kinderwagen, damit sie ein Spaziergangs-Nickerchen machen kann. Mindestens sechs Monate Auszeit hat Mark sich und seiner Familie versprochen.

Lange vergessene Hobbys wie Golfen, Tennis und Fischen aufleben lassen. Und langsam gehts zurück in eine neue Karriere. Eben erst gab er den Einstand als SRF-Experte im Eishockey und hat mit Freunden eine eigene Uhrenmarke ins Leben gerufen: die «Montres Narqain SA». Als drittes Projekt dürfte Streit laut «Sonntags Zeitung» bei der nächsten Generalversammlung in den Verwaltungsrat von Swiss Eishockey gewählt werden und dort das neue Ressort «Internationale Beziehungen» übernehmen sowie ins Organisationskomitee der Heim-WM 2020 rücken. Ein Angebot als Assistenzcoach beim SCB lehnte er – nach eingehender Prüfung – ab. 

Weswegen kam so ein attraktiver Trainerjob nicht infrage?
Mark: Eine solche Stelle ist extrem reizvoll, aber zeitintensiv und schnelllebig. Die Managementstufe reizt mich eher. 

Ich habe die richtige Frau geheiratet

Also ist das Nomadenleben definitiv vorbei?
Fabienne: Der Lebensmittelpunkt bleibt hier, das haben wir beschlossen. Victoria wird inmitten unserer Familien aufwachsen. 

Wer fällt am Ende die Entscheide?
Mark: Wir besprechen alles gemeinsam. Ich glaube nicht, dass eine andere Frau das alles mit mir durchgestanden hätte. Fabienne musste in Amerika vieles alleine regeln, mit einem Neugeborenen im Arm, und war mir dennoch eine riesige Stütze. Ich habe wirklich die Richtige geheiratet.

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