Das persönliche Interview mit Tom Lüthi «Ich setze mich nicht mit dem Tod auseinander»

Tom Lüthi hat sich beim Moto2-Qualifying den linken Fuss gebrochen und konnte deswegen in Malaysia nicht an den Start. Damit verpasst der Töff-Rennfahrer die letzte Chance auf den WM-Titel. Mit der Schweizer Illustrierten sprach Lüthi im Vorfeld über sein Tatoo auf dem Herzen und warum er das Training der Interviewarbeit vorzieht.  
Tom Lüthi das persönliche Interview
© Lukas Lienhard

Tom Lüthi ist Töff-Profi und begeisterter Kitesurfer.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ja, schon.

Mehr wollen Sie nicht verraten?
(Lacht.) Das war in der Primarschule. Wir hatten danach noch Kontakt, jetzt aber auch schon lange nicht mehr.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Am Ellbogen. Dieses Problem ist seit dem Unfall (im Feb. 2013, d. Red.) mein ständiger Begleiter. Mal tuts mehr weh, mal weniger.

Tom Lüthi das persönliche Interview
© Mario Heller

Dank der Unterstützung seiner Eltern Sylvia und Hansueli konnte Tom Lüthi Töffprofi werden.

Behindert Sie das auch beim Töfffahren?
Zum Teil spüre ich es schon – im Krafttraining und beim Fahren, wenn es um schnelle Wechsel aus Stossen und Ziehen geht. Schmerzen sind aber nicht nur schlecht, denn mit dem Reiz wird der Heilungsprozess aktiviert.

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
«Mach das nicht, mach das nicht, mach das nicht»– ich war so aktiv und habe viel Seich gemacht. Und was das Sportliche betrifft, sagte mein Vater schon, als ich noch Pocket-Bike-Rennen fuhr: «Es spielt sich 70 Prozent im Kopf ab.»

Wir Töfffahrer gelten nicht als grün

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Tömu. Dann Tom. Ich war zu faul, immer Thomas zu schreiben.

Und wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Karin, glaube ich.

Als Sie Teenager waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Halb volle Koffer lagen herum, weil ich schon damals ständig unterwegs war. Und ich hatte Poster aufgehängt von meinem Idol Valentino Rossi. Krass, heute fährt er immer noch an der Spitze der MotoGP. Und bald darf ich gegen ihn fahren, Wahnsinn!

Tom Lüthi das persönliche Interview
© Instagram

Tom Lüthi liebt das Kitesurfen. Am liebsten übt er sein Hobby in Ägypten aus.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über ein Shirt mit meiner Nummer 12. Von einem Ägypter, der an der Kitesurf-Station arbeitet, wo ich oft Ferien mache.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Die Bergwelt von Verbier gefällt mir sehr gut. Ich brauche die Natur und viel Platz. Wenn es dort noch ein Meer zum Kitesurfen hätte – mit warmem Wasser –, wäre es perfekt.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Eine fiese Frage für einen Töffrennfahrer! Wir gelten sicher nicht als grün. Aber ich beschäftige mich mit dem Klimaschutz.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Gute Frage (nimmt das Handy und schaut nach). Ein Rennbild in Schwarz-Weiss aus Misano 2016.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein. Ich bin unschlüssig. Doch ich setze mich fürs Blutspenden ein – auch wenn ich nicht mehr spenden darf, weil ich nach dem Unfall und der Ellbogen-Verletzung Blut bekommen habe. In Zusammenarbeit mit BMW und dem Schweizerischen Roten Kreuz veranstalten wir auf dem Glaubenberg jedes Jahr eine Blutspende-Aktion für Töfffahrer.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Etwas Fröhliches. Ich habe schon Personen verloren, die mir sehr nahestanden. Ich finde, es sollte die Freude an die Zeit überwiegen, die man zusammen verbracht hat, nicht die Trauer. Das soll die Musik widerspiegeln.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Können wir nicht übers Leben sprechen? Ich setze mich nicht gross mit dem Tod auseinander.

Ich möchte mein Leben geniessen

Okay, Themawechsel: die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Nach der Schule voll auf den Sport zu setzen.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Das Sportliche gar nicht. Aber es gibt Dinge rundherum, die ich gerne reduzieren würde.

Tom Lüthi das persönliche Interview
© Keystone

2005 gewann der Emmentaler die 125-ccm-Weltmeisterschaft.

Wie dieses Interview zum Beispiel?
(Lacht.) Es sind verschiedene Termine und Verpflichtungen, die halt dazugehören. Ich würde diese Zeit lieber fürs Training nutzen.

Haben Sie ein Tattoo?
Ja. Ich trage den Motor im Herzen und seit zwei Jahren auch darauf.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Das wissen wir nicht – vielleicht besser so! Die einen sagen, wir machen unsere Welt kaputt mit dem Lebensstil. Wir müssen der Welt Sorge tragen. Doch trotzdem möchte ich mein Leben leben und geniessen können.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Eine zum Hellsehen. Ich würde gerne gewisse Leute besser verstehen und ihre Gedanken lesen.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Jason Statham finde ich cool.

Wer ist Ihr bester Freund?
Ich habe immer noch meine Truppe aus besten Freunden aus der Kindergartenzeit. Alle sind aus dem gleichen Dorf, viele fahren Motocross. Sie sind mir sehr wichtig.

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