Udo Jürgens blickt auf sein Leben zurück «Ich litt unter Albträumen»

Am 30. September wird Udo Jürgens 80 Jahre alt. Und im Oktober geht seine Tournee los, bei der er mehr als 40 Konzerte spielen wird. Seine grösste Angst? Dass er eine Grippe kriegt.
Udo Jürgens wird 80
© Fabienne Bühler / SI

«In meinem Beruf werden einem immer sofort Verträge vorgelegt, an die man sich dann halten muss. Aber wenn ich tot bin, kann ich mich an nichts mehr halten», sagt Udo Jürgens.

Es ist der perfekte Moment, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Denn am 30. September wird Musiker Udo Jürgens 80 Jahre alt. Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» gewährt er den Lesern einen intimen Einblick in sein nicht immer ganz so perfektes Leben und den grossen Erfolg, der weit über das hinaus geht, was er erwartet hatte. «Am Anfang wünschte ich mir ja nur, dass ich meine Familie ernähren kann, inzwischen befinde ich mich in anderen Dimensionen», sagt Udo Jürgens. «Mit aller Gefahr, die grosser Erfolg mit sich bringt.» Mehrmals habe er versucht, zurückzurudern, um nicht zu einem Massenprodukt zu werden. «Aber das hat alles seine eigene Dynamik, die man nicht mehr steuern kann.»

Dabei fing alles ganz einfach an - als junger Pianist trat er in Bars auf. 1950 gewann er einen Komponistenwettbewerb. Es ging rasant bergauf. Doch es war nicht alles perfekt: Als junger Mensch habe er miserabel geschlafen, erinnert sich Udo Jürgens. «Ich litt unter Albträumen, sah surrealistische Bilder.» Damals habe er nachhelfen müssen, um zur Ruhe zu kommen: «Ich nahm jahrelang Schlaftabletten.»

Sorgen, die der 79-Jährige heute nicht mehr kennt. Er ist mit sich im Reinen und achtet auf seine Gesundheit. Diesen Herbst stehen ihm auf der neuen Tournee mehr als 40 Konzerte bevor. «Ich habe nur Angst, dass ich mich erkälte. Eine Grippe kriege und Konzerte mit zehntausend Menschen absagen muss.» Dabei hatte Udo Jürgens bis jetzt grosses Glück in Sachen Gesundheit. Und das sieht der Musiker nicht als selbstverständlich an. «Deswegen habe ich nie lange im Voraus Pläne gemacht», erklärt er. «Ich will einfach das Schicksal nicht bevormunden und nicht herausfordern.»

Vorsicht ist übrigens auch der Grund für seine traditionelle Bademantel-Zugabe am Ende seiner Konzerte. Denn dabei handle es sich nicht um eine inszenierte Nummer. «Es ist kalt, man hat ein nasses Hemd, und die Erkältungsgefahr ist am grössten, wenn man verschwitzt ist. Und da zieh ich mir einen Bademantel an, und wenn die Leute mich noch hören wollen, spiele ich halt im Bademantel.»

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