Christian Stucki gewinnt das Unspunnen-Schwinget So tickt der Sieger ganz privat

Stucki Christian, 32, gewinnt das Unspunnen-Schwinget in Interlaken BE. Der «Schweizer Illustrierten» gab er 2015 Auskunft über seine private Seite. Der bärenstarke Schwinger aus dem Berner Seeland war als Kind «en Schüüche» und hoffnungslos verliebt. Und ging seinen Eltern mehrfach verloren. 
Schwinger Christian Stucki Interview
© Hervé Le Cunff

Stucki Christian, 32, dominiert das Unspunnen-Schwinget in Interlaken BE.

Schweizer Illustrierte: Christian Stucki, haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihren Teller nicht leer essen?
Christian Stucki: Da musste ich dazulernen. Wenn ich in ein Restaurant gehe, bekomme ich oftmals extra grosse Portionen vorgesetzt. Die habe ich oft aus Anstand aufgegessen, weil ich das zu Hause so gelernt habe - obwohl ich fast geplatzt bin. Aber das geht einfach nicht, jetzt lasse ich wohl oder übel stehen, was ich nicht mehr mag.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Auberginen! Da kann ich auch Sagex essen, zwar schön anzuschauen, aber kein Geschmack.

Und welche Frucht wären Sie selbst am ehesten?
Von der Form her wohl eine Wassermelone.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Ou, muss ich rasch meine Eltern fragen (ruft an, der Vater nimmt ab, Chrigu fragt zurück: «Habt ihr denn gewusst, dass ich ein Bub werde?»). Also, sie meinen Stefanie, aber sie hätten nur einen Bubennamen richtig vorbereitet.

Was bekamen Sie als Kind von Ihren Eltern immer zu hören?
«Chrigu, chumm do häre!» Ich bin x-mal davongelaufen und verloren gegangen. Mal im Europa-Park, mal an der BEA. Ich hab noch den Lautsprecher vom Einkaufszentrum im Ohr: «Frau Stucki ad Info, de Chrigeli suecht sis Mami.»

Wie sah Ihr Zimmer aus, als Sie 16 Jahre alt waren?
Es hing eine US-Flagge an der Wand und ein Poster von Michael «Air» Jordan. Zudem stand ein Kranzkasten darin.

Die beste Idee Ihres Lebens, die dümmste?
Cécile zu heiraten, gehört sicher zu den besseren. Obs die beste war, kann ich jetzt noch nicht sagen, wir sind ja erst wenige Wochen verheiratet (lacht). Die dümmste hatte ich mit etwa sieben Jahren. Als ich beim Grossmüeti in den Ferien war, stibitzte ich ihr als kleiner Pyromane so einen Flaschentönder und liess ihn hinter der Garage ab. Da hatte niemand Freude an mir, gar niemand!

Über welche Ihrer Taten oder Aussagen wird man nach Ihrem Ableben noch lange reden?
Ich glaube, das wird mein Kuss auf Sempach Mättus Kopf nach meiner Niederlage im Schlussgang des Eidgenössischen 2013 in Burgdorf sein. Darauf werde ich noch immer häufig angesprochen.

Haben Sie einen Organspender-Ausweis?
Nein. Daran hab ich noch gar nie gedacht. Aber warum nicht! Wobei: Meine Organe kann doch gar niemand brauchen. Die sind sicher viel zu gross.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Ich denke schon. Die Angehörigen haben ja ab einem gewissen Grad des Leidens auch nichts mehr davon, wenn man nur noch leidet und auf den Tod wartet.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht unbedingt verändern?
Ich sollte das Velo mehr benützen. Eigentlich könnte ich damit zur Arbeit, aber dann müsste ich viermal im Tag duschen, und das wäre dann ja auch wieder nicht besonders umweltgerecht, oder?

Welche Ihrer Eigenschaften sollen Ihre Kinder von Ihnen erben?
Meine Ruhe und meine Gutmütigkeit. Als Kind war ich ein Zabli und Chaot. Das müssen sie nicht unbedingt übernehmen.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Das muss etwa in der siebten oder achten Klasse gewesen sein. Ich habe im Werken einen Handspiegel mit Holzrahmen gebastelt und Mutters Namen darin eingeritzt. Den hat sie heute noch.

Falls Ihr Leben verfilmt wird: Welcher Schauspieler soll die Hauptrolle übernehmen?
(Lacht.) Der mit meiner Postur muss erst noch geboren werden!

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Den habe ich einst irgendwo gelesen: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten. Heute hängt der Spruch als Tafel an meiner Türe.

Ihr Spitzname in jungen Jahren?
In Schwingerkreisen zuerst «Otti», als wir noch in Ottiswil wohnten. Dann, als wir nach Schnottwil gezügelt waren, «Schnotti».

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ich war «en Schüüche». Meine erste Freundin hatte ich erst etwa mit 18. In der sechsten Klasse bin ich zwar auf die Nicce abgefahren. Aber das taten die meisten damals.

Wer ist Ihr bester Freund?
Ich habe zwei davon: Flöru Schlup, der Sohn meines Götti, der zwar sieben Jahre älter ist als ich, aber mit dem ich sehr viel unternommen habe. Und der andere ist Alain «Webinski» Weber, ein Kumpel aus Hornusser-Tagen.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt besonders gefreut?
Über gleich drei Bob-Taxifahrten, die ich unabhängig voneinander zum 30. bekommen habe! Die eine in Innsbruck habe ich schon absolviert, zwei stehen mir in St. Moritz noch bevor.

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