«Das persönliche Interview» mit Viktor Röthlin «Meine Füsse will ich nicht vererben»

Ex-Marathonläufer Viktor Röthlin steigt heute besser Treppe als während seiner Karriere. Er verrät, was Julia Roberts mit seiner Biografie zu tun hat, wann er nicht auf sein Bauchgefühl gehört hat und weshalb seine Beerdigung eigentlich ganz fröhlich werden könnte.
Viktor Röthlin Lauf Facebook Europameister Sarnersee
© Keystone

Viktor Röthlin beendete 2014 an der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich seine Profi-Karriere.

«Schweizer Illustrierte»: Wo am Körper tut es Ihnen weh?
Viktor Röthlin: Ich habe eigentlich keine Leiden. Als ich noch 220 Kilometer pro Woche lief, brauchte ich morgens jeweils ein paar Minuten, bis ich eine Treppe hinuntergehen konnte. Heute ist das kein Problem mehr.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Aus Tokio, New York, den Nandi Hills in Kenia und ganz viel Obwalden.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Fenchel! Und zwar gekocht, gedämpft, gedünstet oder in Form von Tee. Fenchel sollte man ersatzlos streichen.

Und was wären Sie für eine Frucht?
Ein Spitzbub. Das ist zwar weder Gemüse noch Frucht. Okay, ich wäre die Himbeere für die Himbeerkonfi des Spitzbubs.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Ich fahre ein Hybrid-Fahrzeug, deshalb stellt sich für mich diese Frage nicht so intensiv.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Ja. Seit ich selber Kinder habe, musste ich allerdings lernen, da etwas grosszügiger zu sein. Jetzt muss ich halt sagen: Man isst, solange man mag, und manchmal hat man eben zu viel geschöpft und muss da ein Auge zudrücken.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Ja. Ich hoffe, dass ich noch viel Gutes tun kann, wenn ich mal nicht mehr da bin. Für Menschen, die dank einem Organ von mir ein längeres Leben führen können. Ich brauche diese ja dann nicht mehr.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
«Happy» von Pharrell Williams.

Haben Sie ein Tattoo?
Nein. Bevor ich Physiotherapeut wurde, absolvierte ich ein soziales Praktikum in einem Altersheim. Dort habe ich gewisse Tattoos gesehen, die nicht mehr dort waren, wo sie mal hingehört haben. Spätestens dann hatte es sich für mich erledigt.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Eine Familie zu gründen.

Und die dümmste?
Eine Familie zu gründen (lacht). Nein. Ich habe mal ein Business-Projekt mit jemandem lanciert, bei dem mein Bauchgefühl Nein gesagt hat. Das hätte ich besser nicht gemacht. Geendet hat es vor dem Handelsrichter in Zürich.

Ich wäre die Himbeere für die Himbeerkonfi des Spitzbubs

Welche Idee haben Sie endgültig begraben?
Dass ich den 100-Meter-Weltrekord noch verbessern kann.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben?
Den Durchhaltewillen.

Welche keinesfalls?
Jetzt muss ich ja sagen, was schlecht ist an mir! Meine hässlichen Füsse. Ist das eine Eigenschaft?

Lassen wir gelten. Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie erschaffen?
Mit dem Lachen von Julia Roberts, den Beinen und der Lunge eines Kenianers und mit der Genialität eines Albert Einstein.

Welches Buch hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
«Der Alchimist» von Paolo Coelho hat mich sicher sehr berührt und mir auch ein wenig das Tor zum Lesen geöffnet.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Julia Roberts. Dann hätten wir das mit dem Lachen geregelt.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man uns loben? Wofür verurteilen?
Man wird uns verurteilen, weil wir alles dafür getan haben, um diesen Planeten zu zerstören, und die Ressourcen aufgebraucht haben. Und man wird uns hoffentlich dafür loben, dass wir zumindest versucht haben, eine bessere Verteilung auf der Erde zu erzielen.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Die Antibabypille für den Mann.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Von meinem Grossvater: dass ich immer selber dafür verantwortlich bin, dass ich glücklich bin.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ja, das war Eveline im Kindergarten. Es scheiterte daran, dass sie so komische Namen wollte, als wir uns über die Namen unserer künftigen Kinder unterhalten haben.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über eine selbst gemachte Kappe meiner Frau. Aus Stoff zusammengenäht, mit Totenschädeln drauf und so. Sie näht für unsere Kinder Kleider, und ich habe mal ein bisschen beleidigt gespielt, weil sie so was nie für mich mache. Am letzten Geburtstag war in meinem Päckli dann eine selbst gemachte Kappe. Eigentlich ist es aber ein Gutschein für einen Reithelm.

Im Dossier: Alle persönlichen Interviews

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