Der Schlagerstar im Interview Vincent Gross: «Beatrice Egli ist wie meine Schwester»

Am 23. August feiert Vincent Gross seinen 22. Geburtstag — und hat schon geschafft, wovon andere Musiker ein Leben lang träumen. Mit seinem Erstling «Rückenwind» startete er im gesamten deutschsprachigen Raum durch. Die Single «Dieser Beat» war wochenlang in den Top 10 in den deutschen Charts. Jetzt erscheint sein zweites Album. Der junge Basler über Sex, Drugs und Schlager.
Vincent Gross
© Dukas

Der junge Mann bringt frischen Wind in die Welt des Schlagers: Vincent Gross.

Vincent Gross hat es geschafft: In der Schlagerbranche ist er auch im jungen Alter bereits ein Grosser. Das Psychologie-Studium hat er zugunsten der Karriere vorerst auf Eis gelegt; neben der Musik hat er dafür keine Zeit.

Am Freitag erschien sein neues Album «Möwengold». Wie die Möwen an der Küste schwebt auch Vincent in anderen Sphären: Sein Karriere-Höhenflug bringt ihn von einem Ort zum nächsten, von einem Konzert zum anderen. 

Vincent, weisst du, wo du gerade bist?
Vincent Gross (lacht): Ja, im Moment bin ich in der Schweiz auf Promotour. Aber es kommt tatsächlich vor, dass ich morgens in einem Hotelzimmer erwache, und nicht weiss, in welcher Stadt ich bin. Früher dachte ich immer, Musiker die so was erzählen, kokettieren, das könne doch gar nicht sein. Aber ich war zuletzt innerhalb von wenigen Tagen in Hannover, Berlin und Düsseldorf – da kann schon mal was durcheinander geraten.

Gefällt dir das Leben aus dem Koffer?
Ja, total! Ich habe schon immer vom Reisen geträumt, und dass ich das jetzt mit meiner zweiten grossen Leidenschaft, der Musik, verbinden kann, ist grossartig! 

Du bist 250 Tage im Jahr unterwegs, vorwiegend in Deutschland. Hast du manchmal Heimweh?
Nicht oft. Meine Familie und meine wichtigsten Freunde aus Basel kommen immer wieder mal an ein Konzert. Und wenn sie nicht da sind, habe ich meine „Tourfamilie“, meine Band, meine Managerin und meine Tourmanagerin, die da sind. Die sprichwörtliche Einsamkeit nach einem umjubelten Auftritt kenne ich so nicht.

Vincent Gross
© Ben Pakalski

Er lässt sich gerne feiern: Vincent Gross am «SWR 4»-Openair in Mendig. 

Du bist in Basel geboren und aufgewachsen, deine Eltern stammen aus Norddeutschland, du hast beide Pässe. Wo fühlst du dich zu Hause?
Basel, wo meine Familie und Freunde sind, ist zu Hause, ganz klar. Aber im norddeutschen Husum, wo meine Grosseltern  sind und ich seit meiner Kindheit sehr viel Zeit verbrachte, fühle ich mich auch daheim. In der Nähe habe ich übrigens den Clip zum Song „Nordlichter“ gedreht, in dem es ums Thema Heimat geht. 

Du hast deine Karriere mit Coversongs auf Youtube begonnen, mittlerweile schreibst du deine Lieder selbst.
Ja, ich muss selbst fühlen, was ich singe, sonst wird das nichts. 

Du bist gerade mal knapp 22 und singst Schlager.
Ich mache modernen Pop-Schlager. Aber auch das ist nur eine Schublade. Schlussendlich gefällts den Leuten oder eben nicht. Unter meinen Fans sind Teenies genauso wie ältere Leute. Manche kommen an jedes Konzert – unter ihnen zum Beispiel auch ein Mutter-Tochter-Paar -, das ist echt krass.

Belagern die Fans auch dein Hotel?
Es kommt tatsächlich vor, dass manche rauskriegen, wo ich bin und vor dem Hotel warten. Aber ich finde das nicht tragisch, ich mag den Kontakt mit den Fans. 

Wie siehts aus mit Liebesbekundungen?
Ja, klar, kriege ich auch. Handgeschriebene Briefe beantworte ich immer. Mit Mails ist es schwieriger. Da kommen so viele, da verliert man den Überblick. 

Bist du immer noch Single?
Ja. Nicht, weil ich keine Freundin will, aber weil es extrem schwierig ist, jemanden kennenzlernen, wenn man dauernd unterwegs ist. Und das Verständnis dafür, dass man kaum Zeit und jede Menge weiblicher Fans hat, ist vermutlich schon recht viel verlangt. 

Vincent Gross
© Ben Pakalski

Vincent Gross bringt die Menge am Openair «Anklam Schlager Pur» zum Toben. 

Hast du Groupies?
Was ist das?

Fans, die dir eindeutige Angebote machen.
Das ist mir noch nie passiert. Die sind alle sehr anständig.

Kannst du dir vorstellen, dich in einen Fan zu verlieben?
Wenns passt, ist es egal, wer sie ist.

Was muss denn ein Mädchen haben, um dir zu gefallen?
Sie muss eine Frohnatur sein, mit mir lachen können und auf keinen Fall eifersüchtig sein.

Durch deinen Erfolg hast du schon in sehr jungen Jahr eine Vorbildfunktion bekommen. Wie gehst du damit um?
Ich nehme sie sehr ernst und überlege mir zum Beispiel genau, was ich auf meinen Social-Media-Portalen poste. Das ist manchmal anstrengend, hat aber auch eine sehr schöne Seite. Ich kann mich für Dinge einsetzen, die mir am Herzen liegen, zum Beispiel für Kinderhospize oder den Verein „Fitness for Kids“, der sich für eine gesunde Lebensweise von Kindern stark macht. 

Man behauptet, in der Schlagerbranche sei der Drogenkonsum höher als im Rock-Business.
Echt? Das habe ich so noch nie mitbekommen. 

Fakt ist aber, dass bei Schlagerfesten zumindest vor der Bühne sehr viel Alkohol fliesst. Wie sieht es dahinter aus?
Natürlich stösst man nach einem Auftritt ab und zu mal an, aber alles im Rahmen. Ich habe auch noch nie negative Erfahrungen mit betrunkenen Fans gemacht. 

Vincent Gross
© Ben Pakalski

Sie stehen hinter ihm: Gross hat eine ebensolche Fangemeinde, die er mit seiner Musik erreicht. 

Und wie sieht es mit der Konkurrenz untereinander aus?
Erstaunlicherweise ist die nicht riesig. Ich dachte immer, das sei viel schlimmer. Aber man sieht einander so oft – bei Schlagerfesten, TV-Auftritten und so weiter – dass man fast so etwas wie eine Familie wird. Beatrice Egli ist zum Beispiel mittlerweile wie eine Schwester für mich.

Gibt es unter den Schlagerstars auch welche, die du nicht magst?
Man kanns nie mit allen. Aber natürlich nenne ich hier keine Namen. 

Hast du ein Vorbild?
Ich will niemanden kopieren, aber es gibt einige, die mich inspirieren: Ed Sheeran, Matthias Reim oder Helene Fischer zum Beispiel. 

Keine schlechten Vorbilder in Sachen Erfolg.
(Lacht.) Ja. Mein grosser Traum ist irgendwann eine grosse Stadion-Tournee mit Feuerwerken und allem drum und dran. Aber zuerst möchte ich mit meiner neuen CD und der Tour im November und Dezember einfach mal für gute Laune sorgen.

Video: «Nordlichter» von der Single «Möwengold»

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