Vor dem DOK über das Outing von Schiri Pascal Erlachner «Ich konnte einem Mann helfen, und das war schön»

Am Donnerstagabend zeigt SRF den DOK «Ich, der Schiedsrichter und Tabubrecher» über Pascal Erlachner, der sich als erster Profisportler im Schweizer Fussball als schwul outete. Im Interview mit Radio SRF 1 sprach er im Vorfeld über die Gründe für sein Outing und die Reaktionen danach.
Pascal Erlachner DOK SRF
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Vor rund zwei Wochen outete sich Pascal Erlachner in der Öffentlichkeit als schwul - als erster Aktiver im Schweizer Profifussball.

Vor zwei Wochen trat Pascal Erlachner in die Öffentlichkeit und stand zu seiner Homosexualität. An und für sich keine Schlagzeile wert, wäre er nicht der erste Aktive im Schweizer Fussball, der sich als schwul outet. Der 37-Jährige pfeift als Profi-Schiedsrichter regelmässig Spiele der Super League. Und im Fussball sei Homosexualität noch immer ein riesengrosses Tabu, so Erlachner.

Helfen war sein Ziel

Heute Donnerstagabend nun zeigt das SRF einen DOK-Film über Erlachner. Im Vorfeld sprach er auf Radio SRF 1 über seine Erlebnisse und begründete nochmals, wieso er diesen öffentlichen Schritt machte. Er habe selber, als er noch in einer Mannschaft Fussball spielte, erlebt, dass es nicht einfach sei, mit Homosexualität umzugehen.

«Ich habe das Gefühl, wenn ich etwas von meiner Geschichte erzählen kann, dass das vielleicht dem einen oder anderen Fussballer, Schiedsrichter oder sonst einem Sportler, der in einer Mannschaft im Einsatz ist, helfen könnte. Und das war mein Ziel.»

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Neben seiner Tätigkeit als Fussball-Schiedsrichter arbeitet Pascal Erlachner als Turn- und Schwimmlehrer.

«Ich möchte nicht immer mit Lügen leben»

Auch für ihn sei die Hemmschwelle recht gross gewesen, so Erlachner. Er selbst habe eigentlich zwei Outings durchgemacht. Zuerst bei seinen Eltern. Und das zweite Outing sei über mehrere Jahre gewachsen und sei nun im Fussball gewesen.

Einen Auslöser für das zweite Outing habe es nicht direkt gegeben. «Ich habe einfach gemerkt, ich möchte nicht immer mit Lügen leben, möchte mich nicht verstecken, sondern einfach zu mir stehen, wie ich bin, mit all meinen Stärken und auch mit meinen Schwächen.»

Viel Respekt und Anstand bei seinem ersten Spiel

Bis sich aber der erste Spieler aus der Fussball Super-League oute, werde es wohl noch einen Moment dauern, glaubt Erlachner. Wenn es denn überhaupt mal jemand mache. «Es ist halt für einen Spieler wirklich nicht so einfach, kann für ihn mit viel Angst verbunden sein, vor den Kollegen, vor den Fans, vor dem Trainer.» Trotzdem sagt Erlachner: «Es wäre schön, wenn einer den Mut hat, das zu machen.»

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Mit 30 Jahren hat sich Pascal Erlachner bei seinen Eltern geoutet. Heute lebt er zusammen mit seinem Partner in Wangen bei Olten im Haus seiner Grosseltern.

Er selbst habe nach seinem Outing vor bald zwei Wochen ganz viele positive Reaktionen erleben dürfen. Bei seinem ersten Match nach dem Outing vergangenen Sonntag habe man ihn genau gleich behandelt wie vor dem Outing. «Das habe ich immer so erhofft.» Es seien alle sehr respektvoll gewesen und hatten Anstand. Die Fans, die Spieler, die Betreuer. «Es war also ein ganz schöner Tag für mich als Schiedsrichter, das so erleben zu dürfen.»

«Ich bin auch so»

Auch ausserhalb des Spielfelds habe er mit seinem Outing bereits etwas erreicht, erzählt Erlachner, der zusammen mit seinem Partner in Wangen bei Olten wohnt. Eine Reaktion sei ihm besonders ans Herz gegangen.

«Ein Junge hat mir geschrieben, er habe das Titelblatt mit meinem Outing genommen, dieses seinen Eltern gezeigt und gesagt: ‹Ich bin auch so und ich hoffe, ihr akzeptiert mich trotzdem.›» Ihn selbst habe das riesig gefreut. «Ich konnte schon einem helfen. Und das war ganz schön.» 

Das SRF hat Pascal Erlachner im letzten halben Jahr begleitet - auf seinem Weg zum öffentlichen Coming-Out. Den DOK «Ich, der Schiedsrichter und Tabubrecher» gibts am Donnerstagabend, 20.05 Uhr, auf SRF 1 zu sehen.

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