«Das indiskrete Interview» mit Walter Andreas Müller «Ich bin Mitglied bei Exit»

Nichts geht über Selbstbestimmung. Deshalb ist Walter Andreas Müller Mitglied bei Exit. Der Zürcher Schauspieler hat keine Galle mehr, besitzt dafür vier Autos. Trotz grossen Erfolgen empfindet er sich als Mittelmass. Sein sehnlichster Wunsch wird nie in Erfüllung gehen. 
Walter Andreas Müller WAM
© Christian Beutler / Keystone

Walter Andreas Müller alias WAM feierte am 3. September seinen 70. Geburtstag.

Schweizer Illustrierte: WAM, als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
WAM: Hör auf nüggele! Mit knapp fünf Jahren saugte ich noch immer am Daumen. Meine Tante strich mir Senf auf die Finger - blöderweise mochte ich Senf sehr.

Was in Ihrem Alltag müsste aus ökologischer Sicht dringend verändert werden?
Ich bin ein Autofreak! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir ein viertes Auto gekauft habe, einen Mini. Ich besitze bereits einen Cadillac CTS, ein Mercedes Cabriolet und einen Rolls-Royce Silver Shadow, Letztere aus dem Jahr 1978. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen. Und ich kaufe gerne viel ein. Ich habe immer eine schön gefüllte Fruchtschale in der Stube stehen - esse aber nie alle Früchte. Nach drei Wochen muss ich sie wegwerfen. In dieser Hinsicht bin ein unmöglicher Cheib! Ich will nur noch kaufen, was ich wirklich brauche, und mehr ÖV benutzen.

Welches Gemüse oder was für eine Frucht wären Sie gerne?
(Lacht.) Das ist lustig! Läck mir am Tschöpli! Ich wäre gerne eine süsse Frucht. Mango mag ich sehr, aber die ist mir ein bisschen zu dick, und ich will ja eine schlanke Frucht sein. Am liebsten wäre ich eine Banane mit Mango-Aroma und einem Himbeer-Erdbeer-Topping.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
(Voller Stolz.) Meinen Kater Pippo. Er ist zwölf und schläft jede Nacht an meinen Füssen. Ich spreche viel mit ihm, er versteht mich.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Leider noch nicht. Ich bin jedoch 100 Prozent dafür und werde noch einen beantragen. So viele Menschen in meinem Umfeld wären auf ein Organ angewiesen gewesen. Eigentlich wäre es Pflicht für jeden gesunden Schweizer, einen Ausweis zu haben.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Gar keine. Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis gegenüber Trauermusik. Es ist nur ein Schüren von Sentimentalitäten. Wenn «My Way» von Frank Sinatra läuft, sitzen alle rum und heulen. (Spielt einen weinenden Trauergast und schluchzt:) «I did it my way! Ja, so truurig. Sis ganze Läbe lang isch är immer sin Wäg gange...» Das finde ich doof.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Vor 20 Jahren schloss ich eine lebenslange Mitgliedschaft bei Exit ab. Ich will niemandem zur Last fallen und nicht an Schläuchen hängen, obwohl ich eigentlich sterben möchte. Ich will selber über mein Leben bestimmen - so wie ich das bis anhin getan habe!

Über welche Tat von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
WAM konnte unglaublich viel - aber nichts wirklich richtig. Ich schreibe Globi-Hörspiele, Jörg Schneider hat viel lustigere Kasperli-Hörspiele geschrieben. Ich habe Rollen gespielt, die andere Schauspieler besser spielten. Wenn ich am Radio moderiere, empfinde ich es auch so. Ich habe viel gemacht, bin sehr abwechslungsreich, doch mangels Selbstvertrauen habe ich das immer bagatellisiert. Ich rede immer alles klein - das ist mein Charakter.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Die Wachstumspille. Ich habe lange unter meinen 1.62 Metern, genauer gesagt: 1.62 und 5 Millimetern, gelitten und wünschte mir sehnlichst, grösser zu sein. Meine Karriere wäre wohl anders verlaufen. Ich habe jedoch das Beste aus meiner Grösse gemacht.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Nirgends, Gott sei Dank. Aber kürzlich wurde ich an beiden Leisten operiert. Und davor hatte ich Gallenprobleme. Die ganze Galle wurde mir entfernt. Seither gehts mir blendend.

Falls Ihr Leben verfilmt wird: Welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Das wüsste ich auch gerne - und das fragt man mich häufig. Ich habe ein Gummigesicht wie Jim Carrey und auch ein 08/15-Gesicht. Als ich mir Ende der 80er-Jahre den Schnauz abrasierte, fing ich an zu parodieren. (Er verstellt die Stimme und spricht wie die alt Bundesräte Leuenberger und Blocher.) Plötzlich konnte ich einen Moritz Leuenberger oder einen Christoph Blocher spielen.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ja, ja, das war die Trix. Sie wohnte auf dem gleichen Stock wie ich - wir sind uns im wahrsten Sinn des Wortes nähergekommen. Im Garten bauten wir ein Zelt aus Leintüchern. Dort drin machten wir unsere erste Entdeckungen. Ich gehe jetzt aber nicht ins Detail.

Wer ist Ihre beste Freundin?
Zweifellos Birgit Steinegger. Wir haben eine tiefe, offene und herzliche Beziehung. Wir reden über alles.

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