Die Rothenbühler Kolumne «Wer wird hier eigentlich lächerlich gemacht?»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem neuen Bachelor Joel Herger.
Joel Herger Rothenbühler
© 3+

Unternehmer Joel Herger, 34, sucht bei «Der Bachelor» die Frau seines Lebens.

Lieber Joel Herger

Nichts gegen Sixpack und Tattoos. Nichts gegen ein «gestähltes Muskelpaket», wie Sie in der Vorankündigung zur neusten Staffel von «Der Bachelor» auf dem Privatsender 3+ angepriesen werden. Welche Bücher Sie lesen, wird da nicht gesagt.

Eine Insel der Freiheit in einem Meer von Korrektheit

Logisch: Heute darf man auch Männer aufs Körperliche reduzieren. Früher rannten die Männlein Sexbomben hinterher, die man auf Busen-, Taillen- und Beckenumfang reduzierte. Im Bachelor ists umgekehrt, das macht offenbar den Charme der Sendung aus: 21 Ladys buhlen mit schmachtendem Blick um den einen sexy Bachelor.

Ich weiss, ich weiss, der Bachelor ist sehr erfolgreich, die Leute von 3+ wissen, wie man das Publikum fängt, natürlich muss heute auch eine Transfrau dabei sein. Das ist Trend. Und jeder ist ein böser Spielverderber, der jetzt die feministische, politisch korrekte Keule schwingt und fragt: Wer wird hier eigentlich lächerlich gemacht? Der Bachelor, der sich für unwiderstehlich hält? Oder die 21 Damen, die sich für den Mann schön machen und lasziv hinlegen, weniger zurückhaltend als jede Taube.

Nichts als Trash-TV

Oder die Zuschauer? Heute, wo die kleinste anzügliche Bemerkung zum frauenfeindlichen Drama heraufstilisiert wird, ist es erstaunlich, dass diese Sendung nicht auf mehr Widerstand stösst. Ist sie eine Insel der Freiheit in einem Meer von Korrektheit?

Vielleicht. Ich weiss nur, dass die Leute, die das Schweizer Fernsehen bis auf den Knochen Information entblössen möchten, mit der Behauptung, Unterhaltung gehöre den Privaten, weil die das besser machten, am Ende genau solche Sendungen fördern. Trash-TV, wie man so schön sagt.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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