Hartmann & Lichtsteiner WM 2010: Fluch oder Segen?

Als Botschafter von «Solidarmed» und der Aktion «1:4 – jeder Vierte verliert gegen HIV» kennen TV-Moderator Nik Hartmann und Natispieler Stephan Lichtsteiner das südliche Afrika. Kurz vor Beginn der Fussball-WM sprechen Sie in der Schweizer Illustrierten über Vor- und Nachteile des Grossereignisses für die Menschen dort.
TV-Moderator Nik Hartman (l.) und Nati-Fussballer Stephan Lichtsteiner.
© BRUNO VOSER TV-Moderator Nik Hartman (l.) und Nati-Fussballer Stephan Lichtsteiner.

SI: Die Fussball-WM findet in einer Welt statt, für die Sie sich mit humanitären Projekten einsetzen. Was löst das in Ihnen beiden aus?
Nik Hartmann: Am Anfang war mir noch nicht so bewusst, dass Südafrika auch Teil dieses armen, wilden Afrika ist. Das Südafrika, das wir kennen, ist ja ein Abbild Kaliforniens. Tolle Strände, Super-Wellnesshotels, feines Essen. Dass das «andere» Afrika, jenes von Lesotho oder Mosambik, ebenfalls dort ist, das habe ich erst später realisiert.
Stephan Lichtsteiner: Als die WM vor sieben Jahren an Südafrika vergeben wurde, hat mich das noch nicht beschäftigt. Dass ich hier vielleicht mal eine WM spielen könnte, daran hab ich nicht im Entferntesten gedacht. Erst vor meiner ersten Reise hab ich mich richtig mit Afrika beschäftigt. Und da habe ich realisiert: Moment mal, die Leute hier können ja gar nicht dabeisein am grossen WM-Fest. Die schauen die Spiele bestenfalls zu fünfzigst vor einem kleinen Fernseher irgendwo in einer Hütte. Damit haben genau die Leute, die Ablenkung verdient und nötig hätten, gar keine Chance, dabei zu sein.
Nik Hartmann: Die meisten Menschen hier unten haben nicht die Möglichkeit, so frei wie wir zu entscheiden, wohin sie gehen wollen. Die westliche Welt aber kommt und investiert, ohne dass der Ertrag im Land bleibt. Deshalb geht es nicht zuerst darum, dem südlichen Afrika mit Geld zu helfen, sondern darum, Aufmerksamkeit zu schaffen, dass es da auch noch eine Welt gibt, die Bedürfnisse hat.

Kann der Fussball da überhaupt etwas Positives leisten?
Stephan Lichtsteiner: Der allergrösste Teil der Menschen hier unten hat nicht mehr davon als bei jeder anderen WM, die sie am Fernsehen schauen können, egal ob in Deutschland oder Japan oder Südafrika. Und ein Bewusstsein für ihre Situation entsteht auch kaum. Ich befürchte, dass die WM-Touristen nur all das Schöne des Landes sehen.

Im Interview in der Schweizer Illustrierten Nr. 23 vom 7. Juni 2010 sprechen Stephan Lichtsteiner und Nik Hartmann darüber, wie sich die WM-Fans in Südafrika verhalten sollen - und weshalb sie der Meinung sind, dass «zu viel Westliches» für die notleidende Bevölkerung ein Fluch sein kann.
 

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