Fränzi Aufdenblatten WM-Tagebuch: «Gibt nur alles oder nichts»

Sie hat alles riskiert und alles verloren: Fränzi Aufdenblatten wird an der Ski-WM von Schladming von Marianne Kaufmann-Abderhalden, der Schwester des Schwingerkönigs, geschlagen. Für SI online berichtet die Schweizer Skirennfahrerin täglich exklusiv aus dem WM-Camp.
Fränzi Aufdenblatten, 31, schreibt für SI online Tagebuch von der Ski-WM im österreichischen Schladming.
© Adrian Bretscher / SI Fränzi Aufdenblatten, 31, schreibt für SI online Tagebuch von der Ski-WM im österreichischen Schladming.

Die Enttäuschung nach meinem Ausscheiden in der Abfahrts-Qualifikation ist gross. Ausgerechnet als die Bedingungen für mich besser wurden, ging es schief. Es wurde kälter, die Piste war härter. Jetzt ist es genau die Strecke, die mir liegen würde. Rückblickend hätte ich lieber im Super-G einer anderen Fahrerin den Vorzug gelassen. Da wusste ich schon im Voraus, dass es sehr schwierig wird.

Zur Qualifikation: Ich sah im Startbereich die Fahrt von Marianne und wusste sofort: Jetzt muss ich alles auf eine Karte setzen. Ich habe alles riskiert - und in diesem Fall leider alles verloren. Es fällt mir leichter das Verdikt zu akzeptieren, weil Marianne so gut gefahren ist. Vor ihrer Leistung ziehe ich den Hut. Es wäre für mich brutal hart geworden, wenn sie im Ziel zwei Sekunden auf die Bestzeit verloren hätte, und ich mit Super-Zwischenzeit unterwegs gewesen wäre - und dann ausgeschieden wäre. Dann hätte ich das Gefühl gehabt, dass ich im Rennen besser sein könnte als sie. Aber so geht es absolut in Ordnung. Sie verdiente sich die Teilnahme an der Abfahrt in einem fairen Duell.

Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen, dass es gegen die Schwester eines Schwingerkönigs im Kampf Frau gegen Frau schwer wird. Vermutlich fehlt mir das Schwinger-Gen. Aber ich werde meine Lehren daraus ziehen. Das nächste Mal versuch ich es vielleicht mit einem Wyberhaken…

Das war keine erfolgreiche WM für mich - und eine weitere Enttäuschung an einem Grossanlass. Aber wie ich schon Anfang Woche geschrieben habe: Für eine Fahrerin wie mich, die nicht regelmässig aufs Podest fährt, gibt es nur alles oder nichts. Für einen Medaillengewinn muss an einem Tag alles zusammenpassen und perfekt aufgehen.

Nach Absprache mit Trainer Hans Flatscher bleibe ich noch bis Samstag in Schladming - als Ersatz, falls eine Teamkollegin ausfällt. Danach gehe ich vermutlich ein paar Tage frei Skifahren, um den Kopf zu durchlüften und wieder Energie zu tanken. Die Abfahrt werde ich am Fernsehen verfolgen. Es war nie so, dass ich weggeschaut habe, wenn ich selbst nicht dabei war. In Vancouver habe ich die Rennen sogar im Spitalbett geschaut. Meine Kolleginnen können ja nichts dafür, dass ich nicht dabei bin. Ich werde ihnen auf jeden Fall die Daumen drücken.

Servus von Fränzi!

Am Montag, 11. Februar, folgt Fränzi Aufdenblattens nächster Tagebuch-Eintrag. 

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