Fränzi Aufdenblatten WM-Tagebuch: «Good luck, Lindsey»

Es geschieht selbst den Besten: Lindsey Vonn stürzt beim Super G an der Ski-Weltmeisterschaft schwer und zieht sich ein Schienbeinkopfbruch zu. Für Fränzi Aufdenblatten ist klar, in ihrem Alter würde diese Verletzung das Karriere-Aus bedeuten. Für SI online berichtet die Schweizer Skirennfahrerin täglich exklusiv aus dem WM-Camp.
Fränzi Aufdenblatten, 31, wünscht ihrer verletzten Rivalin Lindsey Vonn eine baldige Rückkehr in den Weltcup.
© Adrian Bretscher / SI Fränzi Aufdenblatten, 31, wünscht ihrer verletzten Rivalin Lindsey Vonn eine baldige Rückkehr in den Weltcup.

Der schlimme Sturz von Lindsey Vonn im Super-G war für mich das dramatischste Ereignis der bisherigen WM. Während ihre Erzrivalin Tina Maze Gold gewann, wurde Lindsey im Helikopter abtransportiert - schon fast wie in einem schlechten Film. Beim fatalen Zwischenfall war ich bereits im Ziel und habe die Szene auf Grossleinwand miterlebt. Es war eine Mischung aus Fahrfehler und der schlechten Pistenbeschaffenheit. Die Landung war nicht sauber, aber auf einer härteren Unterlage hätte sie kaum diese gravierenden Konsequenzen gehabt.

Wenn ich eine Konkurrentin stürzen sehe, bin ich jeweils fast froh, wenn es sich um einen klaren technischen Fehler handelt. Dann weiss ich, dass die Fahrerin selbst dafür verantwortlich ist. Spielen aber äussere Einflüsse eine grössere Rolle, gibt das ein sehr schlechtes Gefühl. So oder so. Ich leide in solchen Situationen immer mit - egal, ob es sich um eine Teamkollegin, eine gute Freundin oder eine Rivalin handelt. Denn wir wissen alle, dass es auch uns treffen kann - und wie schwer es ist, nach einer solchen Verletzung wieder auf die Beine zu kommen. 

Wenn ich im Startgelände auf meinen Einsatz warte, schaue ich das Rennen nie am Fernsehen. Das würde mich nur ablenken und mir möglicherweise falschen Respekt
vermitteln. Wenn ich den Anderen zuschaue, wirkt das oft viel krasser als bei mir. Aber das liegt wohl auch an meinem Stil. Ich bin eher eine Schönfahrerin als ein Kamikaze. Verletzungen sind im alpinen Skirennsport Berufsrisiko - und ein Kreuzbandriss gehört schon fast in den Lebenslauf jeder Fahrerin.

Bei Lindsey wiegt der Schienbeinkopfbruch aber noch schwerer. Auch wenn ich aus diesem Unfall keine persönlichen Rückschlüsse ziehen will und die Gefahr bewusst ausblende, ist mir klar, dass in meinem Alter eine solch schwere Verletzung wohl das Ende der Karriere bedeuten würde. Lindsey hingegen ist erst 28 und im
Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. Sie wird zurückkommen - da bin ich mir fast
sicher.

Ich wünsche es ihr auf jeden Fall von ganzem Herzen. Good luck, Lindsey!
Servus von Fränzi!

Am Dienstag, 12. Februar, folgt Fränzi Aufdenblattens letzterTagebuch-Eintrag.

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