Fränzi Aufdenblatten WM-Tagebuch: «Marianne muss keine Angst haben»

An einer WM gehts auch darum, sich zwischen Trainings und Rennen mental zu erholen - mal auf andere Gedanken zu kommen. Bei Fränzi Aufdenblatten funktioniert das am besten beim DVD-Schauen. Viel Zeit bleibt ihr aber nicht, denn schon heute muss sie gegen Marianne Kaufmann-Abderhalden um einen Platz in der Abfahrt vom Sonntag kämpfen. Für SI online berichtet die Schweizer Skirennfahrerin täglich exklusiv aus dem WM-Camp.
Fränzi Aufdenblatten, 31, erholt sich zwischen Rennen mit DVD-Schauen.
© Adrian Bretscher / SI Fränzi Aufdenblatten, 31, erholt sich zwischen Rennen mit DVD-Schauen.

Momentan ist die Serie «Breaking Bad» angesagt. Dabei wird - mit viel Drama und schwarzem Humor - die Wandlung eines «Durchschnittstypen» zu einem rücksichtslosen  Kriminellen gezeigt. Nicht, dass ich eine solche Metamorphose für mich anstreben würde, aber die Inszenierung dieser Idee ist faszinierend und packend.  

Während des Jahres gönne ich mir am Abend auch gern Mal ein Gläschen Wein. An der WM kommt das aber nicht infrage. Es geht schlicht um zu viel. Wenn ich denke, dass eine Medaille das ganze Leben verändern könnte, will ich auf keinen Fall etwas fahrlässig aufs Spiel setzen. Sogar der beste Rotwein würde mir jetzt nicht schmecken. 

Die Abfahrt der Frauen findet zwar erst am Sonntag statt, für mich gilts in der teaminternen Qualifikation aber schon heute ernst. Gegen Marianne Kaufmann-Abderhalden steche ich um den letzten Platz. Das ist eine ganz spezielle Situation, denn ich kämpfe gegen eine Fahrerin, die meine Kollegin ist. Zwar ist das auch in jedem Rennen so, aber hier wird es durch den Druck und die Atmosphäre noch spezieller. 
Ich mag  diese Konkurrenzsituation - denn wir tragen einen ehrlichen Kampf unter fairen Voraussetzungen aus. Sogar als ich in Are 2007 gegen eine meiner besten Freundinnen, Nadia Styger, stechen musste, war das okay. Wir haben uns damals vor dem entscheidenden Lauf im Starthaus abgeklatscht und viel Glück gewünscht. Danach waren wir Gegnerinnen.

Es käme mir nie in den Sinn, gegen eine Teamkollegin «Psychospielchen» aufzuziehen. Auch jetzt muss Marianne keine Angst habe, dass ich sie plötzlich in der Nacht aufwecke, um sie in der Vorbereitung zu stören. Ich werde ihr auch kein Schlafmittel in den Morgenkaffee mischen. Versprochen!

Trotzdem geht man in der Vorbereitung auf eine gewisse Distanz: Bespricht man vor dem Rennen die Ideallinie mit den Teamkolleginnen, konzentriert man sich jetzt ganz auf sich selber. Alles müssen die anderen ja dann auch nicht wissen...

Am Freitag, 8. Februar, folgt Fränzi Aufdenblattens nächster Tagebuch-Eintrag.

 

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