Fränzi Aufdenblatten WM-Tagebuch: «Setze alles auf eine Karte»

Ihre Leistungen sind konstant, ihre Stimmung optimistisch. Jetzt will Fränzi Aufdenblatten an der Weltmeisterschaft in Schladming kompromisslos angreifen. Denn sie weiss: Ein vierter Rang zählt nicht. Für SI online berichtet die Schweizer Skirennfahrerin täglich exklusiv aus dem WM-Camp.
Zum fünften Mal an einer Ski-WM: Fränzi Aufdenblatten, 31.
© Fabienne Buehler Zum fünften Mal an einer Ski-WM: Fränzi Aufdenblatten, 31.

Weltmeisterschaften und Olympische Spiele unterscheiden sich in einem Punkt deutlich von Weltcup-Rennen: Nur die ersten drei Plätze zählen wirklich! Von einem 4. Rang lässt sich nichts mehr kaufen. Das wirkt sich auf meine Renntaktik aus: Ich riskiere mehr als üblich, fahre hart am Limit, mache alles für eine Medaille. Und dieses Ziel kann ich nur erreichen, wenn an einem Tag alles perfekt stimmt und ich mein ganzes Potenzial ausschöpfe. Meine Ausgangslage ist ähnlich wie früher die der Gegner von Roger Federer. Wer gegen Federer gewinnen wollte, musste 100 Prozent seiner Leistung bringen - oder noch mehr. Sonst reichte es nur für ein aufmunterndes Schulterklopfen.

In Schladming gehe ich zum fünften Mal an Weltmeisterschaften an den Start. Zusammen mit den Olympischen Spielen in Salt Lake City und Turin sind es meine siebten internationalen Titelkämpfe. Dass es mir bis jetzt noch nie zu einer Medaille gereicht hat, lag wohl auch an dieser Einstellung. Wer hart an seinen Grenzen fährt, kann halt auch leicht über sie hinausgeraten.

Trotzdem bin ich diesmal zuversichtlich. An den Weltmeisterschaften 2005 in Bormio hätte es ein kleines Wunder für einen Podestplatz gebraucht. Inzwischen habe ich mich deutlich stabilisiert. Zwar fehlt mir in dieser Saison das absolute Spitzenresultat, doch ich weiss, dass ich mit den Besten mithalten kann. Denn meine Leistungen sind konstant - und beim 6. Platz in der Abfahrt von Val d’Isère fehlte nicht viel fürs Podest. Ob ich in dieser Disziplin in Schladming aber überhaupt im Team bin, entscheidet sich erst nach den Trainings. Für vier Plätze haben wir in der Abfahrt fünf Fahrerinnen.

Gesetzt bin ich aber im Super-G vom Dienstag. Dann schlägt für mich die Stunde der Wahrheit. Grundsätzlich bin ich ja ein genügsamer Mensch - und kann mit einem 10. Platz im Weltcup ganz gut leben. Aber die WM ist der falsche Moment fürs Kalkulieren, Taktieren, Dosieren. Ich verspreche euch deshalb: Ich setze alles auf eine Karte!

In diesem Sinn und Geist wünsche ich Ihnen einen schönen WM-Start. Servus! Ihre Fränzi.

Am Dienstag, 5. Februar, folgt Fränzi Aufdenblattens nächster Tagebuch-Eintrag.

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