Fränzi Aufdenblatten WM-Tagebuch: «Vor dem Rennen wie in Trance»

Am Dienstag um 11 Uhr gilt es ernst: Dann fällt der Startschuss zum ersten Rennen der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming. Fränzi Aufdenblatten fährt den Super-G und hofft auf ein bisschen Abwechslung - zum Beispiel in Form einer Medaille für die Schweiz. Für SI online berichtet die Skirennfahrerin täglich exklusiv aus dem WM-Camp.
Zum fünften Mal an einer Ski-WM: Fränzi Aufdenblatten, 31.
© Keystone Zum fünften Mal an einer Ski-WM: Fränzi Aufdenblatten, 31.

Heute schlägt für mich die Stunde der Wahrheit - gleich im ersten Rennen. Dass die WM mit dem Super-G beginnt, betrachte ich als gutes Omen. Denn in dieser Disziplin feierte ich am 20. Dezember 2009 in Val d’Isère meinen bisher einzigen Weltcup-Sieg, und im vergangenen März wurde ich Schweizer Meisterin. Im Vergleich mit der Abfahrt besteht in der Vorbereitung ein grosser Unterschied. Es gibt keine Trainings auf dem Rennkurs - man kann sich also nicht an die Aufgabe im Voraus herantasten. Und in Schladming wurde gestern wegen der grossen Neuschneemenge auch das Abfahren des Hanges gestrichen.  

Die unmittelbare Vorbereitung aufs Rennen verläuft bei mir immer gleich: Zusammen mit Fabienne Suter und Elisabeth Görgl bin ich immer die Letzte bei der Besichtigung, fahre die Piste als Letzte ab. Dann sind die meisten anderen Fahrerinnen schon weg - und es hat genügend Platz, um die Ideallinie zu erkennen. Wenn wir uns dann im Restaurant nochmals treffen und uns langsam auf den Weg zum Start machen, habe ich so viel im Kopf, dass ich kaum mehr ansprechbar bin. Es ist ein Zustand wie Trance, der sich erst dann auflöst, wenn ich mich ins Rennen stürze. Diese innere Spannung und Abkapselung brauche ich, um mich voll auf den Wettkampf konzentrieren zu können - und meine beste Leistung zu bringen.

Der standardisierte Ablauf ist für mich wichtig, weil er mir Halt und Sicherheit gibt. Wenn ich jetzt plötzlich alles anders machen würde, käme unnötige Unruhe auf. Es gibt auch Fahrerinnen, die aus Aberglauben immer den gleichen Schuh oder die gleiche Socke zuerst anziehen, einen Glücksbringer mit sich tragen oder andere Rituale praktizieren. Für mich kommt das aber nicht in Frage. Dafür bin ich zu chaotisch und intuitiv. Auch sonst im Leben entscheide ich gerne aus dem Bauch heraus. Ich würde nie zehn Jahre immer ins gleiche Hotel in die Ferien gehen - oder im Restaurant jedes Mal das gleiche Menü bestellen. Ein bisschen Abwechslung sollte schon sein - auch sportlich. Zum Beispiel heute in Form einer Medaille für die Schweiz...


Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen Tag - und dem ganzen Schweizer Team viel Glück! Servus. Ihre Fränzi.

Am Mittwoch folgt Fränzi Aufdenblattens nächster Tagebuch-Eintrag.

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