Umstrittene Figur Skandalsänger Xavier Naidoo soll «DSDS» retten

Die Jury von «Deutschland sucht den Superstar» erlebt gerade eine Erneuerung. Nun gibt RTL bekannt, dass neben Chefjuror Dieter Bohlen und Pietro Lombardi auch noch Xavier Naidoo sitzen wird. Diese Wahl ist reines Kalkül.
Xavier Naidoo
© imago

Nicht nur beliebt: Sänger Xavier Naidoo erregt immer wieder die Gemüter.

Überraschende Ankündigung aus Köln. Der Sender RTL hat heute Mittwoch bekanntgegeben, dass Xavier Naidoo in der nächsten Staffel von «Deutschland sucht den Superstar» sitzen wird. Die Produzenten entschieden sich wohl nicht wegen Naidoos musikalischer Expertise dafür, sondern wegen seines umstrittenen Rufs.

«DSDS» braucht Aufmerksamkeit. Denn in den vergangenen Jahren ist laut quotenmeter.de die Gesamtzahl der Zuschauer zum Start einer Staffel laufend gesunken. 2013 schauten immerhin 5.18 Millionen Menschen der allerersten Folge «DSDS» zu. Die vergangene Staffel-Start Anfang 2018 konnte nur noch 4,26 Millionen vor die Mattscheibe ziehen, fast eine ganze Million Menschen weniger. Und auch in der für die Werbewirtschaft relevanten Gruppe der 14- bis 49-Jährigen schalteten mit 2,29 Millionen Zuschauern so wenige ein wie noch nie. Schwacher Trost: Der Marktanteil blieb bei 22,8 Prozent über die letzten Jahre stabil.

Doch die Sendungsmacher sehen die jungen Menschen davonlaufen, weshalb sie nun ein klassisches Mittel aus ihrem Medikamentenschrank zaubern: Eine umstrittene Figur soll dafür sorgen, dass Zuschauer auf Eklats hoffen. In Xavier Naidoo hat RTL einen geeigneten Provokateur gefunden.

 

Antisemitismus, Verschwörungstheorien

Der 47-Jährige ist in den vergangenen Jahren immer wieder negativ aufgefallen. Manche sehen ihn im Dunstkreis von Antisemiten, Verschwörungstheoretikern und Homophoben. Zuletzt erregte Naidoo die Gemüter mit seinem Songtext zu «Marionetten». Darin verunglimpft er zum Beispiel Politiker, indem er sie als «Volks-in-die-Fresse-Treter», die sich hinter Paragrafen und Gesetzen verstecken, bezeichnet. Zudem würden sie vom «wütenden Bauern mit der Forke» zur Einsicht gebracht. Viele erinnert diese Rhetorik an rechtspopulistische Parolen.

Renommierte Medien wie der «Spiegel» sehen zwischen den Zeilen den ultimativen Beweis dafür, dass Naidoo ein rechtsextremer Hetzer, ja sogar ein Anhänger der «Reichsbürger» ist. Eine Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die glauben, Deutschland sei kein existierender, souveräner Staat. Stattdessen sind sie davon überzeugt, dass das Deutsche Reich noch existiert und von einer Reichsregierung geführt wird. Anhänger tragen oftmals rechtsextremes, antidemokratisches und auch antisemitisches Gedankengut.

Xavier Naidoo trat 2014 tatsächlich auch an einer Demo von Reichsbürgern auf, was heftige Kritik am Sänger laut werden liess. Der Ruf Naidoos war zeitweise so ramponiert, dass es 2015 zu einem Eklat kam. Der NDR lud den Sänger damals ein, Deutschland am Eurovision Song Contest zu vertreten. Nach lautstarken Protesten krebste der Rundfunkproduzent jedoch zurück und liess Naidoo fallen.

Immerhin: Xavier Naidoo erreichte in einem Gerichtsurteil vom vergangenen Juli, dass man ihn nicht als Antisemit bezeichnen darf. Er hatte eine Referentin angeklagt, die ihn als ebendies bezeichnet hatte. Das Gericht hielt fest, dass dem Sänger aufgrund einer augenscheinlichen Nähe zu den Verschwörungstheoretikern keine antisemitische Haltungsweise unterstellt werden kann - obwohl die Angeklagte die Nähe zum Antisemitismus durch Textpassagen belegen zu können glaubte. Dass Naidoo den Prozess für sich entscheiden konnte, überrascht nicht. Es ist mittlerweile ein bekanntes Phänomen, dass rechtsextreme Gruppierungen immer wieder einer Strafe entkommen. Sie drücken sich mittlerweile so gekonnt aus, dass sie ihre fremdenfeindlichen Botschaften übermitteln, ohne sich strafrechtlich verletzbar zu machen.

Nichtsdestotrotz bleibt Naidoos Ruf umstritten. Und das weiss RTL. Nun also wird der Sänger in der Jury einer der beliebtesten Castingshows Deutschlands sitzen. Neben ihm wird Dieter Bohlen, 64, seine Sprüche klopfen und Sänger Pietro Lombardi, 26, die jungen, digital affinen Fans anziehen. Und Naidoo? Dem werden die Menschen ganz genau auf die Finger schauen wollen, ob er sich einen Fauxpas erlaubt - und einschalten.

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