Johann Schneider-Ammann Zweiter Berner im Bundesrat

Fünf Wahlgänge brauchte es, bis auch die Nachfolge vom abtrendenden Bundesrat Hans-Rudolf Merz feststand. Der Berner Johan Schneider-Ammann machte das Rennen.
Johann Schneider-Ammann löst Bundesrat Hans-Rudolf Merz ab.
© Keystone Johann Schneider-Ammann löst Bundesrat Hans-Rudolf Merz ab.

Die Vereinigte Bundesversammlung hat Johann Schneider-Ammann in den Bundesrat gewählt. Der Berner FDP-Nationalrat tritt die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz an.

Schneider-Ammann wurde im fünften Wahlgang mit 144 Stimmen gewählt. Er setzte sich gegen SVP-Kandidat Jean-François Rime durch, der 93 Stimmen erhielt. Die zweite Kandidatin der FDP, die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, war zuvor ausgeschieden, weil sie am wenigsten Stimmen erhalten hatte. Sie lag im vierten Wahlgang knapp hinter Rime.

Mit der Wahl von Schneider-Ammann kommt es in der Landesregierung erstmals zu einer Berner Doppelvertretung. Das Parlament hatte im Verlaufe des Mittwochmorgens bereits die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga zur Bundesrätin gekürt.

Mit Johann Schneider-Ammann zieht wieder ein Unternehmer in die Landesregierung ein, der als Werkplatz-Vertreter breite Sympathien geniesst. Als überzeugter Wirtschaftsliberaler punktet er im bürgerlichen Lager. Die Linke lobt sein soziales Gewissen.

Gemäss der «Bilanz»-Liste der 300 Reichsten der Schweiz soll sich das Vermögen des 58-jährigen Schneider-Ammann und seiner Familie auf 500 bis 600 Millionen Franken belaufen. Normalerweise liegen Menschen dieser Vermögenskategorie nicht allzu hoch in der Gunst der Linken.

Nicht so Johann Schneider-Ammann. Seine Wahl wurde ihm Vorfeld auch von Gewerkschaftern begrüsst: «Ich wünsche ihm, dass er gewählt wird», sagte Corrado Pardini, Geschäftsleitungsmitglied der Gewerkschaft UNIA im Vorfeld der Wahl.

Er finde es wichtig, dass jemand aus der Realwirtschaft in den Bundesrat einziehe. Schneider-Ammann wisse als Präsident des Dachverbandes der Schweiz. Maschinen- Elektro- und Metallindustrie Swissmem, was Sozialpartnerschaft sei, findet Pardini, der mit ihm schon über den Gesamtarbeitsvertrag der MEM-Industrie verhandelte.

Zudem sei der Vater zweier erwachsener Kinder nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten - das habe er etwa bei der Rettung der Bieler Firma Mikron 2003 gezeigt.

Seit der Sohn eines Emmentaler Tierarztes Anfang der 80er-Jahre als ETH-Elektroingenieur ins Geschäft des Schwiegervaters Ulrich Ammann einstieg, hat er die Firma internationalisiert und vergrössert. Der Umsatz mit Asphalt- und Betonmischanlagen sowie diversen anderen Baumaschinen wurde mehr als vervierfacht und liegt heute bei über einer Milliarde.

Auf seiner Website zeigt sich der Absolvent eines MBA der französischen Elite-Kaderschmiede INSEAD besonders stolz darauf, dass er die 800 Arbeitsplätze in der Schweiz durch die Krise der 1990er-Jahre retten und danach gar auf etwa 1200 aufstocken konnte. Weltweit arbeiten heute 3000 Angestellte für die 1869 gegründete Familienfirma.

 

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