Charles Clerc «Schwule sollten nicht geoutet werden»

Charles Clerc, 66, moderierte von 1987 bis 2004 die «Tagesschau». Er hat aus seiner Homosexualität nie ein Geheimnis gemacht.
Charles Clerc moderierte die «Tagesschau» von 1987 bis 2004.
© RDB/Sobli/Sabine Wunderlin

Charles Clerc moderierte die «Tagesschau» von 1987 bis 2004.

Schweizer Illustrierte: Charles Clerc, der neue «Tagesschau»-Sprecher Mario Grossniklaus ist schwul. Darüber wird grosses Aufheben gemacht! Welchen Tipp geben Sie ihm?
Charles Clerc: Er soll seine Arbeit recht machen. Der Rest ergibt sich von selber. Aber Vorgänger sollten keine Ratschläge geben.

Ist die sexuelle Ausrichtung eines TV-Mannes überhaupt wichtig?
Nein. Die Thematisierung empfinde ich in unseren Breitengraden als altmodisch. Schliesslich haben schwule Männer mit grösster Selbstverständlichkeit politische Ämter inne.

Zum Beispiel der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle…
…oder Klaus Wowereit, der Berliner Bürgermeister. Und Bertrand Delanoë, der Bürgermeister von Paris.

Die Schwulen stehen heute wie selbstverständlich im Rampenlicht. Sind Sven Epiney, Patrick Rohr, Kurt Aeschbacher, Marco Fritsche oder Christian Franzoso einen Zacken glamouröser als ihre Hetero-Kollegen?
Nein! Aber bestimmt existiert bei schwulen Männern eine Affinität zum Fernsehen.

Wer ist Ihr Lieblingsmoderator?
Günther Jauch – ein ziemlich heterosexueller Mann.

Finden Sie es richtig, dass schwule Männer gegen ihren Willen geoutet werden?
Nein. Es sei denn, der Betroffene verhalte sich in einer Art und Weise schwulenfeindlich. Deshalb verstehe ich die Aufregung um Herrn Grossniklaus nicht. Ich bin überzeugt, dass sich die Öffentlichkeit weit weniger für seine Homosexualität interessiert, als es die Medien gerne hätten.

1987 wurden Sie bekannt, als Sie vor laufender Kamera während der «Tagesschau» ein Kondom über den rechten Mittelfinger rollten.
Das war zu Beginn der Aids-Prävention. Damals konnte ein bisschen Aufklärung nicht schaden.

Haben Sie das Kondom aufbewahrt?
Nein, sollte ich?
 

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