Emmy Awards 2012 Serientipp: Konkurrenz für «Mad Men»

Die Nominierten der diesjährigen Emmy Awards stehen fest. Die SI-online-Redaktion stellt drei nur leicht weniger populäre Anwärter vor, die sie selbst getestet und mit dem Qualitätssiegel versehen hat.
Sorgen für Gänsehaut, Bauchkrämpfe und peinliche Momente mit Fremdschäm-Potenzial: «Game Of Thrones», «Modern Family» und «Girls» sind allesamt für die Emmy Awards nominiert und gleichzeitig unsere Favoriten.
© Dukas Sorgen für Gänsehaut, Bauchkrämpfe und peinliche Momente mit Fremdschäm-Potenzial: «Game Of Thrones», «Modern Family» und «Girls» sind allesamt für die Emmy Awards nominiert und gleichzeitig unsere Favoriten.

«Mad Men» ist in aller Munde, auf allen Schirmen und Titelseiten. Es mag kaum erstaunen, dass die Erfolgsserie über die New Yorker Werbebranche in den sechziger Jahren drauf und dran ist, einen neuen Rekord zu setzen: Die Geschichte des TV-Hypes erstreckt sich mittlerweile über fünf Staffeln und ist an den diesjährigen Emmy Awards in 17 Kategorien nominiert.

Als Geheimtipps können die meisten anderen nominierte Serien zwar nicht mehr bezeichnet werden. Dennoch sind sie hierzulande teilweise noch etwas unbekannter. Die Redaktion hat ihre drei Favoriten ausgewählt, die unser Leben mit zusätzlichen vergnüglichen und dramatischen Momente versorgen:
 

  • Game of Thrones (nominiert u.a. in der Kategorie Outstanding Drama Series)

Wenn das Mittelalter auch nur halb so brutal gewesen ist, wie der Alltag in den sieben Königreichen von Westeros, muss es ein Trip durchs Fegefeuer gewesen sein. In dieser Fantasy-Serie werden Köpfe abgehackt und aufgespiesst, Zungen und Gedärme herausgerissen, Leute verbrannt, mit flüssigem Gold übergossen, mit Stichwaffen durchbohrt, mit Schwertern malträtiert, von Menschenmeuten bei lebendigem Leib zerrissen oder von Bestien zerfetzt.

Jetzt, wo die Zartbeseiteten und Herzgeschwächten nicht mehr mitlesen, sei aber verraten, dass jenseits der expliziten Gewaltszenen nie zuvor ein TV-Drama eine Welt und eine Stimmung derart eindrücklich dargestellt hat. Die Drehorte in Nordirland, auf Malta, in Kroatien, Marokko oder Island scheinen nicht von dieser Welt, bilden optisch einen himmlischen Kontrast  zum höllischen Plot und laden zum Staunen ein.

Die Geschichte basiert auf den Fantasyromanen von George R. R. Martin und ist zu komplex, als dass sie auf einer A4-Seite zusammengefasst werden könnte. Es geht um Könige, barbarische Völker, Thronfolger, Brief-Raben, eine 700 Fuss hohe Eismauer, Loyalität, Freundschaft, Kriege, Dracheneier, Hurerei und Hochverrat. Gespielt wird das Ganze von einer zum Umfallen gut kostümierten und grossartigen Cast - der Grösste unter ihnen ist der Kleinste, Peter Dinklage. Der zwergwüchsige Schauspieler gibt den Königssohn so zynisch und gerissen, dass es eine Freude ist. Genau so wie auch die beiden bisher auf HBO ausgestrahlten Staffeln.



  • Girls (nominiert u.a. in der Kategorie Outstanding Comedy Series)

Kaum Blut, aber eine Menge anderer Körperflüssigkeiten fliessen in dieser herrlich erfrischenden und erscheckend deutlichen Drama-Serie (ebenfalls HBO) mit ultra-komischem Beigeschmack. Die vier Protagonistinnen und deren Freunde, Kollegen und Affären sind derart stereotyp gecastet und verhalten sich so amerikanisch-echt, dass es ein leichtes ist, sich in «SATC»-Manier seine Identifikationsfigur auszuwählen.

Insofern übernimmt die Serie also eine Spiegelfunktion, die uns immer wieder unser eigenes Verhalten an den vorgespielten Beziehungs-, Freundschafts- und WG-Situationen vergleichen lässt. Die Figuren sind ehrlich, originell, verklemmt und voller charakterlicher Schwächen - wie wir alle. Hinzu kommen Sexszenen, die auf der exakt gegenüberliegenden Seite des Weichzeichner-Geigenmusik-Rechaudkerzen-Spektrums anzuordnen sind.

Besonder hervorzuheben ist die Erfinderin der Show, Lena Dunham. Sie fungiert als Regisseurin und spielt gleichzeitig die Hauptrolle der aspirierenden Schreiberin Hannah Horvath derart kompromisslos und zeigt sich laufend von ihrer natürlichsten (und darum nicht ästhetischsten) Seite - so selbstbewusst und dennoch voller Komplexe, wie es moderne, urbane Menschen heutzutage alle sind. Seien wir doch ehrlich.



  • Modern Family (nominiert in der Kategorie Outstanding Comedy Series)

Gleichermassen zeitgemäss und mit noch mehr Komik aufgeladen kommt «Modern Family» (ABC) daher. Der Titel ist Konzept: Jay und Gloria sind frisch vermählt, Phil und Claire besorgte Teenager-Eltern, und Mitchell and Cameron haben gerade ein kleines Mädchen adoptiert. Das Patchwork-Familiengeflecht lässt genau so viele urkomische Situationen entstehen, wie das richtige Leben auch.

Kult ist die Serie schon von Beginn weg, daür sorgt Ed O'Neill im Alleingang, uns allen bekannt als Al Bundy. Im wahrsten Sinne am reizvollsten ist aber die Kolumbianerin Sofia Vergara als Prototyp-Latina mit einem Kleiderschrank voller gewagter Outfits. Witziger Einfall: Hie und da wenden sich die Darsteller auch ans Publikum, blicken und sprechen in die Kamera. Ein effektvolles Stilmittel, das die Komik der jeweils 22-minütigen Folgen weiter beschleunigt. Im Gegenteil zu Carry Bradshaws Monologen direkt in die Linse zu Beginn von «Sex and the City».


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