Gertrud Höhler Sie berät Merkel & Co.

Braucht Josef Ackermann Rat, ruft er sie an: Die Beraterin, Autorin und Professorin Gertrud Höhler zur Finanzkrise, zu Erfolgsfrauen und Tieren.
In ihrer Wohnung am Obersee bei Rapperswil SG schrieb Gertrud Höhler einen Grossteil ihrer 20 Bestseller.
In ihrer Wohnung am Obersee bei Rapperswil SG schrieb Gertrud Höhler einen Grossteil ihrer 20 Bestseller.

Das ganze Wohnzimmer ist voller kleiner Tierfiguren. Auf dem englischen Mahagoni-Schreibtisch aus dem 18. Jahrhundert sitzt ein halbes Dutzend Miniatur-Hasen aus ­edlen Steinen. «Der Schönste ist aus ­Koralle.» Am meisten imponiert Gertrud Höhler jedoch ein handgrosser Messing-Elefant: «Diese Dickhäuter sind die ­sozialsten Wesen überhaupt.»

Die Professorin, Erfolgsautorin, Polit- und Wirtschaftsberaterin liebt Tiere und die Natur über alles. «Als Kind war mein Traumberuf Bäuerin. Und wenn ich in meiner Heimat Westfalen bin, freue ich mich auf einen Ausritt mit meinem ­Rappen Apollo.»

In ihrer Wohnung am Ufer des Obersees, unweit von Rapperswil SG, fühlt sich Gertrud Höhler, 67, vögeliwohl: «Schwäne, Enten und Hauben­taucher beobachte und füttere ich oft.» Auch die Arbeit geht ihr leicht von der Hand: «Hier schreibe ich meine Bücher. Es ist weniger hektisch als an meinem zweiten Wohnsitz in Berlin-Dahlem.»

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Der Verwaltungsrätin von Ciba, ­Bâloise und Georg Fischer gelingt es in dieser idyllischen Umgebung auch bestens, ihre Gedanken zur Wirtschaftswelt zu ordnen. Nicht viel hält sie von einem allzu starken Eingriff von Staat und ­Politik. Sie war Beraterin der Regierung Helmut Kohl – heute verbindet sie ­Gegensätze: Kanzlerin Angela Merkel schätzt ihren Rat ebenso wie Josef Ackermann von der Deutschen Bank.

Zur Finanzkrise meint Gertrud ­Höhler: «Die Wirtschaft muss das Regelwerk nach Lücken durchforsten und elastische Fesseln legen, damit die ­Akteure auf den Finanzmärkte nicht mehr alles machen können.» Das sei gescheiter als eine behördlich festgesetzte Lohn-Obergrenze. «Die Armen werden nicht reicher, wenn die Reichen ärmer werden», meint sie.

Widersprüchlich findet sie die Forderung, den Managern nur noch kurzfristige Verträge zu geben und gleichzeitig die Boni an langfristigen ­Zielen festzumachen. Für sie selber macht ein hohes Salär dann Sinn, wenn der Empfänger damit gestaltend tätig werden kann. «Wenn das aber so viel Geld ist, dass seine Lebenszeit nicht dafür ausreicht, dann stimmt etwas nicht.»

Ist die weltweite Finanzkrise eine Chance für die Frauen? Bis anhin hätten in der Finanzwelt wenige Frauen ge­arbeitet, so Höhler. «Aus Statistiken ist aber bekannt, dass Frauen besser investieren.» Sie würden das Geld nachhaltiger anlegen und mehr im Kundeninteresse investieren. «Die ganze Zockerei, diese Casino-Mentalität und Abenteuerlust ist hin­gegen typisch männlich.»

Und was bedeutet das? Die Wirtschaftsberaterin sieht einen Durchmarsch der Frauen in die Manage­ment-Etagen – und das nicht nur in der Finanzbranche. Aber sie betont: «Das heisst, dass die Frauen aus ihrer Opferrolle ausbrechen müssen.» Schlagworte wie «Frauen müssen immer besser sein, um in Top-Positionen zu kommen» seien reinster Unsinn.

Gertrud Höhler plädiert für eine «Mixed Leadership». Frauen und Männer sollen sich ergänzen und ­gemeinsam führen, statt sich zu bekämpfen. Frauen hätten klare Wettbewerbsvorteile, beispielsweise eine ausgeprägtere Sozialkompetenz, und sie könnten sich besser in andere hineinversetzen. In ihrem neuesten Buch fordert sie deshalb «Das Ende der Schonzeit –Alphafrauen an die Macht».

Doch was genau sind Alphafrauen? «Das sind Frauen, die den Schonraum der Frauenförderer verlassen. Artenschutz isoliert», so Höhler. «Die Alphafrau ist modisch gekleidet, sportlich und intelligent. Sie schafft den Aufstieg nicht mehr ‹als Frau›, sondern als Anwältin oder Bankerin. Einfach weil sie gut ist.»


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