Claudio Zuccolini So keck ist seine Lilly!

Am liebsten lästert Claudio Zuccolini über verblendete Eltern. Dabei ist er seit acht Monaten selbst Papi! Töchterchen Lilly verzaubert den ­Comedian; aber zähmt sie auch seine böse Zunge?

«Li-lly, Li-lly, Li-lly!» Der Schlachtruf tönt ganz nach Fussball-Match. Doch Lillys Papi Claudio Zuccolini, 38, sitzt nicht in einer Fan­kurve, sondern daheim in der Zürcher Vierzimmerwohnung auf dem Sofa. Das laute Gegröle ihres Papis quittiert die Kleine mit einem breiten Grinsen.

«Unsere Tochter steht halt auf Stadionrufe», sagt Mami Alexzandra, 37. Den schrägen Humor verdankt Lilly ihrem Vater. Der ist Comedian und tourte zuletzt mit seinen Soloprogrammen «Der Ex-Promi» und «Zuccos Kaffeefahrt» erfolgreich durch die Schweiz.

Seit Ende Jahr geniesst «Zucco» so was wie Zwangsferien. Am 17. November um 11.59 Uhr kam Lilly via Kaiserschnitt zur Welt. Claudio und Alexzandra – er lernte die Bündner Arztgehilfin Ende der 80er-Jahre im Internat kennen und ist seit 1995 mit ihr liiert – warteten lange auf diesen Moment. Im September feiern sie nun ihren zehnten Hochzeitstag.

Zu viert statt wie in den Jahren zuvor zu zweit. Denn Lilly hat einen älteren «Halbbruder»: Er heisst Ivo, ist eine Französische Bulldogge und mag es nicht, wenn seine «Halbschwester» zu sehr im Vordergrund steht – schliesslich zog er ein halbes Jahr vor ihr ein! Regelmässig überprüft er sein Revier, das er sich nun wohl oder übel mit Lilly teilen muss.

Für beide «Kinder» gilt eine feste Regel: Spielsachen des andern sind tabu. Wobei es Claudio mit der Strenge nicht so genau nimmt. «Verbote konsequent durchzuziehen, gehört nicht zu meinen Stärken», gesteht er.

Dafür imitiert «Zucco» gekonnt andere Leute. Jeden Abend zwischen dem Wickeln und Ins-Bett-Gehen gibts für Lilly eine kleine Vorführung. Mithilfe einer blonden Puppe ahmt Claudio Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi nach – inklusive ihres Tessiner Akzents! «Ich erzähle Lilly erfundene Geschichten rund um Christa und ihren Verlobten Giovanni.»

Die Storys enden immer mit Christas Werbespruch «und seine Sponsor ist – Mastro Lorenzo». Bald darauf schlummert Lilly. Und wenn sie schläft, dann richtig: von 21 bis 7.30 Uhr – seit der neunten Woche. Auch tagsüber zeigt sich die Kleine von der Sonnenseite: «Sie schreit nur, wenn sie gleichzeitig hungrig und müde ist», sagt Alexzandra.

«Zum Einschlafen erzähle ich Lilly erfundene Geschichten über Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi»

20 Minuten dauerts, bis Lilly satt ist. Zu lang für Claudios Geschmack, deshalb überlässt er das Schöppeln seiner Frau. Er wechselt Windeln, packt beim Haushalt mit an und schwingt den Kochlöffel für seine Familie. «Als Comedian kann ich mir meine Arbeit frei einteilen und Lillys Fortschritte aktiv miterleben. Das ist ein ­Privileg.»

Die Premiere seines dritten Stücks steht für nächsten Februar an. In seinen bisherigen Programmen unterhielt der Bündner das Publikum stets mit böser Zunge zu alltäglichen Themen – und riss besonders gern Witze über nervtötende Eltern. Genauer: Über solche, die nur noch Augen und Ohren für ihren Nachwuchs haben. Er sei jetzt zwar selbst Papi, aber «eben nicht so einer», betont Claudio.

«Von mir bekommt niemand Babygeschichten zu hören, ohne dass man ausdrücklich danach fragt.» Auf dem Sofatisch liegen weder Kinder­bücher noch Eltern-Zeitschriften. «Ich habe vier Hundebücher gelesen. Genützt hats nichts, Ivo macht, was er will», sagt Alexzandra.

Wahrscheinlich sind es gerade diese Geschichten, die ihrem Mann Stoff für seine Comedy liefern. Trotz aller ­Vaterliebe – «manchmal kann ich kaum fassen, dass es Lilly wirklich gibt» – verspricht «Zucco» seiner scharfen Zunge treu zu bleiben. «Überdrehte Eltern kommen bei mir weiterhin unter die Räder. Und zwar so lange, bis sie sich locker machen.»

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