Fussball-WM 2010 Superfan Didi: Mit dem Frachter nach Südafrika

Mit einem Tramperrucksack und zwei Paar Hosen aufs Frachtschiff: Dem Schreiner Didi Feuerle war der WM-Auftritt von Hitzfelds Team drei Wochen Seereise wert. Retour in die Heimat gehts per Velo. Wenn einer den Titel «treuester Nati-Anhänger der Schweiz» verdient, dann der 40-jährige Thurgauer.

«Dunkles Brot und Bienenhonig.» Didi Feuerle überlegt nicht lange, was ihm auf dem Trip an den Südzipfel Afrikas am meisten fehlt. Er wird sich gedulden müssen; die Rückkehr nach Arbon TG ist irgendwann Ende Oktober, Anfang November geplant.

Dann aber wird er gehörig Appetit haben: Feuerle wird die Rückreise nach der WM mit eigener Muskelkraft antreten. «Ich kaufe mir ein Velo und radle über Ostafrika zurück in die Schweiz.» Alleine per Rad durch die dritte Welt. Und das beim ersten Aufenthalt auf dem schwarzen Kontinent. Was ist so einer? Weltfremder Spinner? Verwegener Glücksritter? Nichts von alledem. Feuerle ist besonnen und ökologisch ausgerichtet. «Ich rechne zwar damit, dass ich einmal ausgeraubt werde unterwegs, aber ich informiere mich vorher und versuche die Risiken zu kalkulieren. Mit keinem Verkehrsmittel aber bekommt man derart  tiefe Einblicke in fremde Lebensweisen, wie mit dem Velo.»

Bis nach China ist er von der Schweiz aus schon geradelt, durch Nord- und Südamerika ebenfalls. Seit er Anfang der Neunzigerjahre die Leidenschaft fürs langsame Reisen entdeckt hat, steigt Feuerle regelmässig aufs Velo, in Schiffe und in Züge, um die Welt zu entdecken. Langstreckenflüge macht er seit 1994 keine mehr. Und zuletzt hat er seine Reise-Leidenschaft mit seiner zweiten grossen Passion verbunden: Dem Fussball.

Didi spielte seit Kindheitszeiten beim FC Arbon und kickt heute noch als Senior für den Verein. Gemeinsam mit dem einstigen Nati- und GC-Spieler Pascal Thüler durchlief er die Juniorenstufen. Mit ihm ist er heute noch befreundet. Da lag die Idee nahe, die Schweizer Nati an ihre EM- und WM-Teilnahmen zu begleiten.

Seit 1994 war Feuerle bei jedem einzelnen Endrunden-Match dabei. In die USA flog er 1994 noch und radelte dann nach Turnierende von San Francisco bis Südamerika. 1996 zur EM in England pedalte er in sieben Tagen von Arbon nach London. Für die EM 2004 in Portugal reiste er im Anschluss an eine zweijährige Velo-Asienreise per Schiff nach Spanien, von dort mit dem Velo nach Portugal und dann auf dem Jakobsweg zurück in die Schweiz. Die WM 2006 in Deutschland war für ihn ein Kurztrip.

Was sind schon Radtouren nach Berlin, Hamburg und Hannover? «Und die EM in der Schweiz und Österreich war der einzige Event, für den ich auf ordentlichem Weg keine Tickets erhielt», schmunzelt Didi.

Nach Südafrika gings nun per Frachtschiff. Am 27. Mai checkte er in Bremerhaven auf dem Frachter «Kalahari» ein. Und nach einem Zwischenstopp in Las Palmas legte das deutsche Schiff unter liberianischer Flagge am 13. Juni in Kapstadt an.

«Der Kahn transportierte 4000 Container, und neben 21 Besatzungsmitgliedern waren ein pensionierter deutscher Kapitän und ich die einzigen Passagiere. Wir durften als Privileg sogar in der Offiziersmesse mit dem Kapitän essen.» Langeweile? «Nie! Ich habe gelesen und gelesen. Und dann gabs auf dem Boot einen Fitnessraum. Ein tolles Training war es auch, ums Schiff zu marschieren. Das ist 270 Meter lang, eine Runde ist also mehr als ein halber Kilometer.»

Die ganze Reise nach Südafrika kostet Feuerle alles in allem etwa 10'000 Franken. 4000 davon allein der Transport auf dem Frachter. Für Feuerle kein Thema: «Ich habe eine Schreinerei, die sehr gut läuft. Und ich lebe allein und bescheiden. Zudem reise ich ja nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kostengünstig. Ich mache einfach jeweils meinen Laden ein paar Monate dicht, vertröste die Kunden auf nachher und reise los.» Von Spiel zu Spiel fuhr der Thurgauer in Südafrika mit zwei Kollegen, die aus der Schweiz angereist sind und einen Camper gemietet haben.

In Didi Feuerles Gepäck befinden sich zwei Paar lange und zwei Paar kurze Hosen. «Nur Unterwäsche habe ich für mindestens 10 Tage dabei, damit ich nicht zu oft waschen muss.» Nicht eingepackt hat er ein Handy. «Das besitze ich gar nicht. Ein Handy raubt irgendwie die Unabhängigkeit. Mein Telefonbeantworter muss reichen.»

Aber ist niemand zu Hause, der gerne ab und zu wüsste, wie's dem Weltenbummler geht? «Ich bin Single. Eine Beziehung einzugehen, wäre bei meinem Lebenswandel schwierig. Und die Frau, die das mitmachen würde, hab ich noch nicht gefunden.» Zu den Eltern in Arbon, den zwei Brüdern und den Freunden hält er via Mail Kontakt. «Internet-Cafes gibt’s ja mittlerweile überall.» Und Angst um sich hat er sowieso nicht: «Ich bin ein positiver Mensch. Auch wenn ich bei einem Überfall in Ecuador sogar einmal angeschossen wurde.»

Didi Feuerle macht sich nun für den nächsten Match bereit. Es ist der Final vom Sonntag in Johannesburg. Erstmals hat er vor einem grossen Turnier Tickets bis und mit Endspiel gekauft. Dass er die Schweiz da nochmals am Werk sehen würde, hat er nicht wirklich gehofft. Noch nicht. In zwei Jahren ist ja schon wieder EM.

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