Tina Turner Tina live!

Konzert? Ach was. Ein Riesenspektakel! Tina Turner liess sich für ihre «50th Anniversary Tour» ganz schön was einfallen. SI-Redaktorin Steffi Hidber war beim Start in Köln dabei.
Tina live!
Tina live!

Das kann doch gar nicht wahr sein! Tina Turner und mich trennen über 30 Jahre. Der Anblick ihrer Beine lässt mich vor Neid erblassen. Wow! Was wohl erst in den vielen teils schon ergrauten Köpfen der 15 000 Fans in der ausverkauften Kölner Konzert­arena abgeht? Doch zum Sinnieren lässt uns die Popdiva zum Glück keine Zeit.

Tina Turner zeigt bei der Europa-Premiere ihrer neuen Tour, wie man sein Publikum rockt! Zu den ersten Takten von «Steamy Windows» fährt die 69-Jährige auf einer hydraulischen Plattform auf die Bühne herab. Im schwarzen Pailletten-Shirt und passenden Dreiviertel-Leggings, die der US-Stardesigner Bob Mackie entwarf, setzt Tina erst mal ihre legendären Beine in Szene.

Die Füsse stecken in schwarzen Louboutin-High-Heels, deren Absatzhöhe uns Frauen schon das einfache Gehen fast un­möglich machen. Tina aber hüpft in den Stilettos fröhlich und trittsicher mit ­ihren Tänzerinnen um die Wette, der wuschlige Lockenkopf wippt fröhlich im Takt der Musik. Erst nach zwei weiteren Songs begrüsst Tina ihr Publikum, der heutige Abend stelle eine kleine Zusammenfassung ihrer musi­kalischen Vergangenheit dar: «I hope you like it.»

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Vier sexy Tänzerinnen, zwei hoch talentierte Backgroundsängerinnen und eine siebenköpfige Band – Tina legt eine richtige Megashow aufs Parkett. Die Bühne wirkt mit einem grossen Projektions-Bildschirm und einer Galerie mit zwei Treppen auf den ersten Blick recht einfach. Sie enthüllt erst im Laufe des Konzerts, was in ihr steckt: Klettertürme (bei «We Don’t Need Another Hero»), riesige Windräder (bei «Goldeneye») und gar eine schwenkbare Aussichtsplattform, auf der Tina zum Finale über der Konzertarena schwebt.

So richtig stockt einem der Atem aber bei Tinas Outfits. Alle sind sie sexy, glitzernd und zeigen viel Bein. Zu Hits wie «What’s Love Got to Do with It» oder «Private Dancer» singen ihre Fans inbrünstig mit. Nah­aufnahmen an den Bildschirmen, die die Bühne flankieren, zeigen zwar, dass die Turner inzwischen ganz schön ins Schwitzen gekommen ist, doch ihre Energie beeindruckt. Und erst ihre Live-Stimme …

Nach der 30-minütigen Pause – bei Popkonzerten sonst absolut unüblich – setzt sich die frisch gestärkte Tina für ein paar «ruhigere» Songs auf einen Barhocker. Ihre wunderschöne akustische Version von «Help» singt sie mit so viel Inbrunst, dass ihr das Publikum die kollektive Hühnerhaut mit einer Standing Ovation dankt.

Es wird aber gleich wieder groovy mit «Let’s Stay Together», und die grossen Stimmungsbringer wie «Jumping Jack Flash» und «Simply the Best» werden mit wilden Tanzeinlagen angereichert, während im Hintergrund Live-Konzertausschnitte aus den Siebzigern und Achtzigern ablaufen. Dabei wird deutlich, wie alterslos Tina Turner eigentlich ist: Zwischen der Frau auf den bewegten Bildern und der davor ausgelassen ab­rockenden Diva zeigt sich kein nennenswerter Unterschied.

Nach der letzten Zugabe «Be Tender with Me Baby» will Tina wissen: «Did you have a good time?» Mit dem zufriedenen «Me too» schreitet die Queen of Rock dann endgültig von der Bühne, während­dessen ein offizieller Abspann zum Konzert läuft, in dem sämtliche Bandmitglieder, Sänger, Tänzer und Tourmanager minutiös aufgelistet werden.

Ein Kino-Abspann nach einem Konzert? Nach einer derart souveränen Produktion überhaupt keine Über­raschung: 21 Songs, 6 Kostümwechsel und 140 Minuten beste Unterhaltung von einer Frau, die mit ihrer Energie, Ausdauer und ihrem rohen Talent zu Recht allen Beyoncés, Rihannas und Christinas ein grosses Vorbild ist.

Tina! Welcome to Zurich, wir freuen uns auf dich!


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