Didier Cuche Trauriger Didi im Glück

Erst das Liebes-Aus, dann die Karriere-Krönung: Vor wenigen Wochen trennten sich Didier Cuche, 34, und seine Diane. Jetzt jubelt der Champion in Val'Isère über Gold und Silber.
Didier lässt nach seinem Super-G-Sieg in der Hauptgasse von Val d’Isère die Champagner-Korken knallen.
Didier lässt nach seinem Super-G-Sieg in der Hauptgasse von Val d’Isère die Champagner-Korken knallen.

Gut 140 feine Narben von genähten Wunden zieren den 174 cm langen Körper von Didier Cuche. Spuren einer 14-jährigen Karriere als Ski-Rennfahrer. Oberschenkelknochen und Schienbein waren schon gebrochen, am Knie rissen die Innen- und Kreuzbänder. «Ich habe viele Rückschläge hinnehmen müssen. Aber sie haben mich stärker gemacht.»

Und wie! Während sich andere Ski-Rennfahrer mit 34 Jahren nach einem Job als Co-Kommentator bei einem TV-Sender umsehen, gibt der Jurassier mehr denn je Vollgas. In Val d’Isère feierte «Didi» seine bisher grössten Erfolge: Gold im Super-G, Silber in der Abfahrt! Didi ist der König von Val d’Isère.

Stärker war nur noch der Wettergott, der einen doppelten Gold-Triumph des Ski-Champions verhinderte. Vom Glanz der Medaillen lässt sich ein Didier Cuche nicht blenden.

«Jeder Erfolg hat seinen Preis», sagt er. Auch im Moment des Triumphs bleibt er nachdenklich. Siege hinterfragt er genauso gnadenlos wie Niederlagen: «Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr mir selber gehöre.» Die Erfolge der vergangenen Jahre hätten Spuren hinterlassen. «Jeder grapscht nach einem Stück von mir. Ich selber bleibe dabei oft auf der Strecke.»

Gelitten hat darunter auch sein Privatleben: Vor einigen Wochen haben sich Didier und seine Freundin Diane getrennt. Nach fünf gemeinsamen Jahren. «Den Spitzensport und eine Beziehung unter einen Hut zu bringen ist sehr kompliziert. Es war für Diane sicher nicht immer einfach, mit einem vermeintlichen Ski-Star zusammen zu sein. Aber wir haben auch jetzt noch einen guten Kontakt miteinander, das ist mir wichtig.»

«Jeder grapscht nach einem Stück von mir. Ich selber bleibe dabei oft auf der Strecke»

Didier Cuche, der Chrampfer und Kämpfer, der gelernte Metzger aus dem Neuenburger Jura, hat sich in Val d’Isère endgültig in die goldenen Seiten der Ski-Geschichtsbücher eingetragen. Bedeutsam ist das für ihn nicht. Massgebend sind für ihn die eigenen Vorgaben – und die sind hoch: «Ich muss auf mich stolz sein können, nur das zählt. Ob ich nun zu den ganz Grossen des Ski-Sports zähle, ist mir egal. Auf dieser Ebene suche ich keine Bestätigung.»

Dass er die hohen Erwartungen an sich selber erfüllt hat, verrieten seine Augen, als bei der Siegerehrung die Schweizer Nationalhymne ertönte: «Stimmt, da konnte ich meine Tränen nur mit Mühe zurückhalten.» Sein Erfolgshunger ist trotzdem noch lange nicht gestillt: «Der Appetit kommt mit dem Essen», sagt er und lacht. Aber Cuche wäre nicht Cuche, wenn er die Schraube nicht gleich wieder anziehen würde: «Ich war immer brutal hart zu mir. Das wird sich jetzt nicht ändern.»

Er weiss, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Niederlage ist. Der Unfall von Dani Albrecht ist auch in seinen Gedanken und Gesprächen allgegenwärtig: «Wir fahren auf Messers Schneide. Und oft hat man ganz einfach Glück oder einen Schutzengel. Darum versuche ich stets, andere an meinem Erfolg teilhaben zu lassen.»

Seinem Team macht er gern mal Geschenke, privat engagiert sich Didier für die Waisen-Stiftung Porte-Bonheur. Und seine Rennhelme versteigert er, ebenfalls für einen guten Zweck, auf der Internet-Plattform Ricardo. «Für den WM-Helm vom Super-G-Rennen werden bereits über 5000 Franken geboten. Ist doch sensationell, wie man mit wenig Aufwand viel Freude bereiten kann!»

Die Mischung aus innerer Härte und einer grossen Portion Herzlichkeit, das ist, was Didier zum Liebling der Ski-Fans macht. Die Einschätzung, er sei in den vergangenen Jahren lockerer und zugänglicher geworden, teilt er nicht. «Ich war immer der Gleiche. Es war eher so, dass mich die Medien in eine Schublade steckten und mich dort lange nicht mehr rausliessen.»

Seinen Rücktritt vom Rennsport hat Cuche mittlerweile von 2010 auf 2011 umterminiert. «Es wäre toll, bei der WM in Garmisch noch gesund antreten zu können. Ich habe jetzt schliesslich einen Titel zu verteidigen!»

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