SI-Style Kolumne Über Frauen, denen die Welt gehört

Bettina Weber, 35, schreibt in SI Style über Lebensart. Sie wohnt in Zürich.
Bettina Weber
Bettina Weber

Es war eine sehr fidele Runde, die da unlängst zusammensass in einem Restaurant im Zürcher Kreis 4, wo wir oft hingehen, weil es so wunderbar unaufgeregt ist, derart unaufgeregt, dass man dort keine Menschen trifft, die in «Glanz & Gloria» vorkommen.

Zudem ist die Bedienung herzlich, nicht gekünstelt, sondern einfach so, wie man halt ist mit einem Gast, und die Preise sind fair, und fein ist es auch noch, es ist also ein No-Bullshit-Restaurant, und das passte wiederum zur Runde, der sehr fidelen. Die bestand nämlich aus fünf Frauen in den Dreissigern, alles, und um mich gehts hier jetzt nicht, alles schöne und kluge und reflektierte und entspannte und vor allem sehr lustige Frauen, eine Grafikerin, eine Innenarchitektin, eine Sozialarbeiterin, die Geschäftsführerin einer Bar und eine Stylistin, die man wohl in diesen bewegten Frauenromanen als stark bezeichnen ­würde, was natürlich doof ist, weil das Adjektiv suggeriert, es handle sich um Ausnahmen, dass also die Regel eine schwache Frau sei. Auf jeden Fall war es sehr laut, und es wurde durcheinandergeredet und viel gelacht, und wie ich so dasass und sehr vergnügt war inmitten dieser fröhlichen Frauen, wurde mir klar, weshalb die Zukunft den Frauen gehört.

Weil diese Frauen solch eine Selbstverständlichkeit ausstrahlten, so ein gesundes Selbstbewusstsein auch, und das ohne jegliche Arroganz, es sind keine Kampf-Feministinnen, eben gerade nicht, und das ist für Männer weitaus schlimmer, denn diese Frauen sind No-Bullshit-Frauen. Die durchschauen das Spiel, erst recht, wenn es um das Berufsleben geht, wo sie die Männer mit Souveränität strafen, und um Männer drehte es sich oft an diesem Abend, aber nicht, weil gejammert wurde über sehr reale Ungerechtigkeiten, No-Bullshit-Frauen jammern nicht, sondern weil Tränen gelacht wurden ob dem Gockelgehabe, das unter männlichen Chefs so verbreitet ist, und vor ­allem darüber, wie leicht sie doch zu durchschauen sind und wie sie in ihrer Eitelkeit nicht merken, wie sehr sie im Grunde die Hosen ­herunterlassen, die Chefs, die sich so aufblasen und sich so jovial geben, wenn sie einer jungen Frau gegenüberstehen. Sie ­haben aber eine No-Bull­shit-Frau vor sich, und die spielt das Spiel mit, sich innerlich amüsierend und die Stichworte liefernd, auf die Chefs reagieren wie dressierte ­Hunde, und sie begeht selbstverständlich nicht den Fehler, sich auf eine Diskussion mit ihm einzulassen, diesen Gefallen macht eine No-Bullshit-Frau Männern nicht, sie lässt sie vielmehr elegant und lächelnd ins Leere laufen, selbst wenn so ein Höhlenbewohner ­einer berufstätigen Mutter unverfroren ins Gesicht sagt, sie ­würde einem Mann den Arbeitsplatz wegnehmen.

Am Beispiel der Innenarchitektin lässt sich das am besten illustrieren: Der passiert es immer wieder, dass sie auf Baustellen nicht ernst genommen wird, dass Handwerker zuerst einmal sagen, gute Frau, das geht nicht, das verstehen Sie jetzt natürlich nicht, aber das ist technisch unmöglich, und dann grinsen sie einander an in der Runde, während die Innenarchitektin lächelt, den Bohrer in die Hand nimmt und den Herren zeigt, dass sich das Ganze sehr wohl bewerkstelligen lässt, selbst mit lackierten Fingernägeln. Dann stöckelt sie von dannen, selbstverständlich nicht ohne sich vorher kurz umzublicken und im charmantesten Ton zu sagen, dass das wohl als erledigt zu betrachten sei. Und die Männer ­wurden einfach so und ganz nebenbei abgetrocknet.

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