Ottmar und Beatrix Hitzfeld Unsere zweiten Flitterwochen

Mit Ferien am Traumstrand auf den Malediven feiert Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld seinen 60. Geburtstag. Ein Geschenk an seine Frau Beatrix; für die verpasste Zeit auf dem Fussballplatz.
Ottmar Hitzfeld und seine Beatrix beim entspannten Spaziergang auf Rangali Island.

Ottmar Hitzfeld und seine Beatrix beim entspannten Spaziergang auf Rangali Island.

Eben schiesst ein Schwarm gelb gestreifter Fische in präzise synchronisierten Zickzack-Bewegun­gen über die verglaste Decke des Unterwasser-Restaurants Ithaa hinweg. Einer voraus, alle anderen exakt hinterher.

«So sollte mal meine Mannschaft funk­tionieren», scherzt Ottmar Hitzfeld. In diesen Tagen, auf dem paradiesischen Insel-­Resort Conrad, ist unser Nati-Trainer ­locker wie lange nicht mehr. Badehose statt Armani, schnorcheln statt Spiele analysieren, romantische Stranddinner bei Sonnenuntergang statt steife Bankette.

Mit seiner Beatrix hat Steinbock Hitzfeld hier auf den Malediven am
12. Januar seinen runden Geburtstag gefeiert. Allerdings – von wegen nichts tun! 130 Glückwunsch-SMS hat er alle persönlich beantwortet.

Ottmar Hitzfeld, alles Gute zum 60. Geburtstag! Was wäre, wenn Sie als Lieblingsdeutscher aller Schweizer zum Fest ein Päcklein bekämen mit einem roten Pass drin?
Schöne Vorstellung! Ich hatte mich ja schon mal erkundigt, ob eine Einbürgerung möglich ist, als ich von 1988 bis 1991 Trainer bei GC war. Doch weil wir damals mit den Klubs mehrfach den Wohnort wechselten und auch zu wenig lange in der Schweiz Wohnsitz hatten, gings leider nicht. Seither war es kein Thema mehr. Es könnte aber sehr wohl wieder eines werden.

Viele haben Sie noch in bester Erinnerung als aktiven Fussballer. Und nun steht da die Zahl 60 bei den Lebensjahren. Erschrocken?
Eigentlich nicht, es kam ja nicht ganz unerwartet. Ich lebe sehr bewusst in der Gegenwart. Einzig als ich aus­gebrannt war und ich mich für mehr als zwei Jahre nach Engelberg zurückzog, beschäftigten mich die Fragen nach der Zukunft stärker. Da dachte ich schon über Begriffe nach wie «Frührentner». Aber als ich dann völlig ungeplant zu Bayern zurückkehrte, begannen die schönsten Jahre meines Trainerlebens überhaupt. Und dann stelle ich natürlich auch fest, dass ich schon sportlicher und flexibler bin als viele andere mit 60.

«Ich habe 130 Glückwunsch-SMS erhalten. Die habe ich alle selber beantwortet»

Lassen Sie uns trotzdem mal zurück­blicken. Wenn Sie an den kleinen Ottmarle aus Lörrach zurückdenken, das Nachkriegskind, wie viele seiner Träume haben sich erfüllt?
Ich war schon als Kind kein Träumer. Mein grösster Wunsch war, einmal wie meine Brüder beim TuS Stetten Stammspieler zu werden. Ich schwebte ja schon auf Wolke sieben, als ich beim Gastspiel von Borussia Neunkirchen das Autogramm eines Spielers namens Ringels erhielt. Berufsvorstellungen hatte ich lange keine. Selbst beim Abitur noch nicht. Aber ich wollte unbedingt gut werden in dem, was ich tue. Erst als ich mich – vor allem aus Heimwehgründen – für ein Pädagogikstudium in Lörrach entschied und zum FC Basel wechselte, wurde der Berufswunsch Fussballer aktuell. Lehrer und Fussballer.

Das Bild, das man von Ihnen in der Öffentlichkeit hat, ist jenes eines korrekten, zurückhaltenden Menschen mit perfekten Umgangsformen. Gibt es noch einen anderen, privaten Ottmar Hitzfeld?
Eigentlich nicht. Pünktlichkeit, Ver­lässlichkeit, Ehrlichkeit, alles, was ich als Trainer verkörpern muss, habe ich als Grundsätze in der Erziehung durch meine Eltern mitbekommen. So ist mein Charakter.

Es gab mal die Behauptung, dass Ottmar Hitzfeld zum Lachen in den Keller geht.
Das sagte mein ehemaliger Spieler Frank Mill. Und ganz falsch war es zu gewissen Zeiten nicht. Als ich 1991 von der Schweiz als Trainer in die grosse Bundesliga ging, nahm ich mir als vorsichtiger Mensch vor, ja keine Fehler zu begehen. Ich bin jemand, der gern Harmonie schafft. Und ich hatte Angst, dass das ausgenützt werden könnte. Darum habe ich mich bewusst autoritär gegeben, hielt Distanz.

Als Sie vor einem Jahr bei Bayern aufhörten, gab es Ihre Tränen im Münchner Stadion. Darauf reagierten alle sehr erstaunt. Waren Sie es auch ob dieses Gefühlsausbruchs?
Nein, ich musste Tränen der Rührung und Erleichterung als Trainer auch früher schon ab und zu unterdrücken. Diesmal gelang es mir einfach nicht mehr, weil noch nie zuvor in meinem Leben ein derartiger Druck mit einem Schlag von mir abgefallen ist.

Die emotionalsten Momente Ihres ­Lebens?
Natürlich die Heirat mit Beatrix vor 33 Jahren, die Geburt unseres Sohnes Matthias vor 30 Jahren, das erste Tor für den FCB in Genf, als ich den Sprung aus Lörrach nach Basel geschafft hatte. In negativer Hinsicht die Zeit als Jugendlicher im Internat in St. Gallen, als ich vor lauter Heimweh todunglücklich war. Ich wollte am Morgen gar nicht mehr aufstehen, heulte nur noch. Oder die Ferien im Caritas-Heim mit sieben, acht Jahren – das war die Höchststrafe für mich.

«Ich sollte mal das Buch ‹Der andere Ottmar Hitzfeld› schreiben», lacht Beatrix. Die attraktive Süddeutsche geniesst es, ihren viel gefragten Mann einmal uneingeschränkt für sich zu haben. Auf den Malediven waren die beiden noch nie. Doch seit ihnen das befreundete Ehepaar Hörwick – er ist Pressesprecher des FC Bayern – von der völli­gen Ruhe auf Rangali Island vorgeschwärmt hatte, wollten sie schon länger mal hierherkommen.

Jetzt ist der Zeitpunkt ideal. «Klar haben wir wieder viel mehr voneinander, seit Ottmar für die Schweiz tätig ist», stellt Beatrix Hitzfeld fest. Und ihr sichtlich relaxter Mann präzisiert: «Die einzelnen Nati-Spiele bedeuten mehr Druck als eines von 60 Saisonspielen bei Bayern. Aber dazwischen bleibt mir ganz klar mehr Zeit und Lebensqualität.»

Sie haben vor Ihrer Malediven-Reise gesagt, Sie wollten damit auch etwas von der Zeit an Ihre Frau zurückgeben, die Sie dem Fussball geopfert haben. Haben Sie dadurch in der Beziehung etwas verpasst?
Schon, ja. Seit ich Schweizer Nati-Trainer bin und rein zeitlich mehr Freiheiten habe, wird mir erst richtig bewusst, was Beatrix in der Vergangenheit geleistet hat. Allein die 12- oder 13-mal Zügeln, die sie jeweils organisiert hat, müssen eine unglaubliche Belastung gewesen sein. Ich hatte meine Arbeit, sie musste ständig neue Freundschaften aufbauen. Auch unseren Sohn hat sie mehrheitlich allein grossgezogen. Ich bewundere sie sehr dafür und bin ihr riesig dankbar.

Deshalb auch die Geburtstagsfeier fern von allem Rummel mit ihr ganz allein?
Ja, sie hat das einfach verdient. Zu meinem 50. hat sie grosse Feiern in München und Lörrach für mich organisiert. Da kamen Hunderte von Gästen, aber ich konnte es doch nicht richtig geniessen, weil ich mit den wenigsten wirklich ins Gespräch kommen konnte.

Geben Sie Matthias aus Anlass Ihres Geburtstages auch mit einer gemeinsamen Unternehmung etwas von der verpassten Zeit zurück?
Es ist nichts geplant. Wir haben einen sehr engen Kontakt, obwohl er beruflich auch oft unterwegs ist und in München lebt. Wir telefonieren oder schreiben uns fast täglich SMS. Und jedes Mal, wenn er länger bei uns ist wie diese Weihnachten in Engelberg, ist das wie ein Geschenk für uns.

Hier auf der Malediven-Insel Rangali geniessen Ihre Frau und Sie die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit. Wie lebt es sich fern vom Rummel und ohne Handy?
Ganz ohne bin ich ja nicht. Aber ich erlaube mir, es auf lautlos zu stellen. Etwas, was ich erst bei meiner Auszeit in Engelberg gelernt habe. Wir geniessen die lauen Abende mit langen, intensiven Gesprächen. An meinem Geburtstag leisteten wir uns ein ­romantisches, vierstündiges Dinner am Strand. Ansonsten lassen wir uns das Essen gern in unseren Bungalow ­bringen, wann es uns gerade passt. Und natürlich lesen wir viel. Ich bin gerade an einem Krimi von Martin Suter.

Die Wahl einer Feriendestination ohne Golfplatz – für einen Golf-Verrückten wie Sie – ist sicherlich ein harter Entscheid.
Klar, ich hab mir schon überlegt, ob ich es zehn Tage ohne Golf aushalte in den Ferien. Aber es funktioniert perfekt. Allein der Anflug mit dem Wasserflugzeug, der direkte Zugang aus der Hütte ins Meer, die Ruhe, das alles macht uns rundum glücklich.

Die Hitzfelds lieben Fisch und Meeresfrüchte direkt aus den örtlichen Gewässern. Dazu einen guten Tropfen Wein. Zwei, die die Kunst des Geniessens beherrschen. Ab und zu eine Partie Backgammon, kaum sportliche Aktivitäten ausser Schwimmen. «Ich musste Ottmar kein bisschen überreden, auf Golf- oder Aktivferien zu verzichten», versichert Beatrix. Sie weiss genau, wie sehr sich auch ihr Mann den Luxus des Nichtstuns einmal gewünscht hat. Jetzt haben sie sich damit gegenseitig beschenkt. Ein bisschen wie zweite Flitterwochen.

Fast auf den Tag genau vor 15 Jahren erlitten Sie einen lebensgefährlichen Darmdurchbruch. Sind davon Spätfolgen geblieben, die Sie als Genussmenschen einschränken?
Überhaupt keine! Ich bin eigentlich so gesund wie noch nie. Selbstverständlich achte ich darauf, nicht zu fettige oder faserreiche Nahrungsmittel zu mir zu nehmen. Und ich mache regelmässige Darmspiegelungen. Aber seit meiner Auszeit in Engelberg vor dem zweiten Bayern-Engagement fühle ich mich fitter denn je.

Sie haben finanziell längst ausgesorgt. Und auch wenn Sie das gegen aussen nicht zur Schau stellen und als sparsam gelten, gibt es sicherlich Dinge, die Sie sich auf der materiellen Ebene jetzt leisten können und wollen.
Ich war noch nie verschwenderisch. Das hat auch mit meiner Herkunft und Erziehung zu tun. Ich leiste mir keine Dinge, nur weil ich sie mir leisten kann. Und ich gebe mal etwas mehr Geld nur für Sachen aus, die ihren Preis auch wert sind. Diese Malediven-Ferien sind es. Und dann habe ich das Glück, dass meine Frau ebenfalls genügsam ist. Ich habe genügend Beispiele erlebt von Spielern, die wegen der Konsumsucht ihrer Frauen in Schwierigkeiten kamen.

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