Patrick Schlenker Verteidigt die Alpenfestung

Patrick Schlenker ist Drill- und Ausbildungsverantwortlicher bei der SF-Serie «Alpenfestung - Leben im Réduit».
Patrick Schlenker
Patrick Schlenker

Herr Schlenker, die Gruppe Schweiz ohne Armee GSoA fordert vom Schweizer Fernsehen den Abbruch der Serie «Alpenfestung». Sie belebe den Mythos, die Armee hätte die Schweiz vor den Nazis gerettet.
Die GSoA hat das Gesamtkonzept nicht verstanden. Bei der «Alpenfestung» geht es überhaupt nicht darum, einen Mythos wiederzubeleben. Wir stellen die Alltagsprobleme der Bevölkerung in den Vordergrund. Ob als Soldat im Aktivdienst oder als Frau im Landdienst, jede Person hatte mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Das will das SF aufzeigen.

Das SF verwendet ja selber den Begriff Mythos Réduit im Zusammenhang mit der Serie ...
Stimmt, das ist jedoch eine oft in diesem Zusammenhang verwendete Redensart. Im Rahmen der Sendung «Alpenfestung» werden auch kritische Dok-Filme gezeigt. Da wird weder der Wehrmann glorifiziert noch die Armee von anno dazumal als unbesiegbar hingestellt.

Sehen Sie die Armee als Retterin der Schweiz oder den Réduitbefehl von 1941 als militärische Sinnlosigkeit?
Unser Militär wäre ein Hindernis gewesen. Dass wir nicht angegriffen wurden, hatte aber nicht mit unserer Armee zu tun, sondern mit der wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland.

Nach knapp drei Tagen in der Festung hat bereits der erste Soldat den Dienst quittiert …
Die Disziplin war früher sicher höher. Im Offizierskader waren damals noch richtig scharfe Hunde, die Drill und Gehorsam einforderten. Soldat Steiner hatte ein gesundheitliches Problem. Früher hätte man ihn nicht nach Hause geschickt, sondern in eine Militärsanitätsanstalt verlegt.

Was macht den Soldaten der Sendung in der Situation von damals am meisten zu schaffen?
Unbequeme Uniform und schwere Schuhe, sie waschen ihre Wäsche selber und verzichten auf moderne Kommunikationsmittel – das ist nur das eine. Am schlimmsten ist der Bunker-Koller: nicht das Eingesperrtsein, sondern die Eintönigkeit.


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