ESC Von der Heide: «Das Positive überwiegt»

Jetzt ist es raus: Die Schweiz verpasste im Eurovision Song Contest nicht nur den Finaleinzug - Michael von der Heide wurde mit seinem Schlagersong «Il pleut de l'or» sogar Letzter. Dennoch habe ihm die Teilnahme am Wettbewerb mehr Positives als Negatives gebracht, sagt der Sänger im Interview mit SI online.
Michael von der Heide erhielt für seine Performance am Eurovision Song Contest in Oslo nur 2 Punkte (von Georgien) und landete damit auf dem letzten Platz.
© RDB/KEY/EPA/CORNELIUS POPPE Michael von der Heide erhielt für seine Performance am Eurovision Song Contest in Oslo nur 2 Punkte (von Georgien) und landete damit auf dem letzten Platz.

SI online: Herr Von der Heide, Lena aus Deutschland hat den Eurovision Song Contest gewonnen - hätten Sie das erwartet?
Michael von der Heide: Ihre frische Art gefiel mir von Anfang an. Sie stach aus der Masse heraus. Aber dass es gleich zum Sieg reicht, hätte ich nicht gedacht. Ich setzte eher auf Aserbaidschan oder Armenien. Die gingen mit wahren Sexbomben an den Start und investierten unglaublich viel in ihre Künstlerinnen.

Haben Sie den Final live mitverfolgt?
Ja, ich blieb bis Sonntagmittag in Oslo. Viele Künstler reisten sofort nach ihrem Ausscheiden ab - etwa meine Favoritin aus Schweden. Mir war es aber wichtig, dieses Abenteuer richtig abzuschliessen und meine Niederlage zu verarbeiten.

Ist Ihnen das gelungen? Sie machten ja, wie gestern bekannt wurde, sogar den allerletzten Platz.
Ja, das ist schlimm. Ach was, furchtbar ist es! Ich bin immer noch enttäuscht. Aber in unserem Hotel lebten auch noch andere Künstler, die nicht weiterkamen - ich war mit meinen Gefühlen also nicht allein.

So richtig fies, wie Ihre Pleite-Vorgänger, werden Sie von den Medien nicht behandelt - sind sie froh?
Ehrlich gesagt habe ich die Zeitungsberichte aus der Schweiz bislang nicht gelesen.

Welche Reaktionen erreichten Sie denn?
In Oslo wurde ich auf der Strasse oft von Leuten angesprochen, denen der Auftritt super gefiel. Und Stefan Raab sagte gestern zu mir, mein Ausscheiden sei eine Unverschämtheit.

Woran lag es?
Wenn ich das wüsste. Zuerst dachten wir ja, wir hätten alles richtig gemacht - nun überlege ich aber doch, ob wir nicht eine etwas weniger brave Show hätten abliefern sollen. Ein bisschen Obszönität schadet ja nie.

Sind Sie der Meinung, die Schweiz sollte künftig auf eine Teilnahme am Eurovision Song Contest verzichten?
Klar, für die Teilnehmer und das Schweizer Publikum ist es jedes Jahr nur noch ein riesen Frust. Aber die Schweiz muss ja weitermachen, sonst isoliert sie sich immer mehr.

Bleibt Ihnen das Eurovisions-Abenteuer in positiver oder negativer Erinnerung?
Ich habe wundervolle Freundschaften geschlossen - beispielsweise mit der isländischen Sängerin. Und Radio BBC spielt «Il pleut de l'or» in der Heavyrotation. Das Positive überwiegt ganz klar ...

... und das Leben geht weiter!
Genau! Zuhause werde ich erst einmal auspacken, mit meinen Nachbarn, die meine Büsi fütterten, anstossen. Und dann meine Wäsche waschen.

 

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