People-Expertin Eva Kohlrusch Was, wenn Papi der Nationalheld ist?

Glück kommt selten allein: Roger Federer ist der beste Tennisspieler der Welt und Vater von Zwilligen. Wie werden die beiden Töchter aufwachsen mit einem Nationalhelden als Vater?

Alle Superlative schien Roger Federer schon auf sich zu vereinen – und nun setzte er doch noch eins drauf, wurde nicht einfach Vater, sondern Papa von Zwillingstöchtern. Schon wieder Glück im Doppelpack. «Der wunderbarste Tag in unserem Leben.» Wohin wird dieser neue Superlativ die Federers führen? Welches Leben er­wartet Töchter, wenn der Vater als bester Tennisspieler aller Zeiten und als Nationalheld gilt?

Aufregend dürfte es beginnen. Leben als Kleeblatt. Etwas unstet beim Reisen in der Luft des Tenniszirkus, aber wohlbehütet. Zwar hat Mirka Federer vor Jahren erklärt, sie wolle, wenn sie Kinder habe, «dass der Vater da ist und nicht 40 Wochen im Jahr an ­Turnieren verbringt». Doch solange die Mädchen Babys sind, ist zu erwarten, dass die ganze Familie gemeinsam durch die Welt reist.

Fürs Erste besteht kindliche Glückseligkeit ja darin, dass ihnen immer dasselbe Gesicht zulächelt – egal, in welcher Stadt, in welchem Hotel. Die Stimmen der Eltern sind ihre Heimat, die Wärme der Nähe in Mamas und Papas Armen. Da es Mirka ist, die alles Organisatorische regelt, wird man Mutter und Kinder sicher bald gemeinsam auf der Tribüne sehen, mit den stets mitreisenden Grosseltern Robert und Lynette Federer an der Seite.

In die ersten Träume von Charlene Riva und Myla Rose wird die besondere Magie der Tenniswelt einsinken – das Fiebern der Menge, das anschwellende Tock-Tock der Bälle und Lautsprecheransagen, in denen sie irgendwann Vaters Namen erkennen. Das Ausser­gewöhnliche dieses Lebens wird für sie Normalität sein.

Und dann? Roger Federer war 3 Jahre alt, als er das erste Racket in die Hand nahm, ohne dass es Tennisprofis in der Familie gab. Mit 9 wurde er Klubspieler, mit 14 zog er auf eigenen Wunsch von seinem Dorf Bottmingen BL ins Internat von Swiss Tennis nach Ecublens VD. Da bescheinigte man ihm schon «die coolste Rückhand aller Junioren». Ein Tennis-Besessener, der sich selbst kreierte. 

Seine eigenen Kinder werden sich, je älter sie werden, sehr bewusst mit der Tenniswelt auseinandersetzen – sich entweder mit Bravour abgrenzen oder dem sportlichen Vorbild von Vater und Mutter nacheifern. Mit 10 Jahren werden sie ihren Vater vergöttern, wenn sie be­greifen, was die Welt in ihm sieht – den Helden, den Superstar, Jahrhundertsportler, Tennis-Gott. Sie werden lesen, dass man ihn den «Mozart des Centre-Courts» nannte, der den weissen Sport in ein neues Zeitalter führte mit Selbstgewissheit und der «Schönheit seiner Bewegung».

Charlene Riva und Myla Rose werden es affig finden, wenn junge Mädchen ihrem Vater nachkreischen, und sich irgendwann wünschen, «richtig normale Eltern» zu haben, nach denen weder Paparazzi noch sonst ein Hahn kräht. Hält ein Kind das aus? Spätestens in der Pubertät pflegen Halbwüchsige zu revoltieren gegen übermächtige Eltern, selbst wenn die herrlich und tadellos sind.

Doch ist Mirka und Roger Federer zuzutrauen, dasselbe hinzukriegen, was den Eltern Robert und Lynette Federer gelang: Ihren Kindern nichts aufzuzwingen, sondern sie zu ermutigen, den eigenen Weg und das eigene Tempo zu finden. Ihr Vater wird ihnen erzählen, dass er nicht immer der coole Champion war, sondern ein «schlimmer Hitzkopf», der als Teenager Wutanfälle kannte und Verzweiflungsschreie, als er meinte, er müsse den Leuten da draussen jede Menge verrückter Shows liefern.

«Der grösste Kampf war der Kampf gegen mich selbst», wird er den Kindern sagen, und sie werden nicken, wenn sie in der Weltpresse lesen, dieser weltbeste aller Tennis­stars sei «ordentlich, stilvoll und ruhig», ein Mann «ohne wichtig­tuerische Posen, ohne Allüren und Affären». Letzteres wird ein besonders wichtiges Leit­motiv für sie sein: Anders als Vater und Mutter werden sie im Licht­kegel von Prominenz und Reichtum aufwachsen.

Es wird einiger Künste ihrer Eltern bedürfen, dies hübsche Motiv kleiner Zwillingsmädchen vor der Begehrlichkeit der Fotografen zu schützen. Zuzutrauen ist ihnen das; bei ihrem eigenen Steilflug in die Weltberühmtheit haben sie ja nie die Bodenhaftung verloren. Interessant dürfte es werden, wenn die Mädchen reif für den Kindergarten sind. Was macht dann die Mama? Als sie gefragt wurde, ob die Rolle im Hintergrund nicht zu viel Verzicht für sie bedeute, hatte sie geantwortet: «Es geht jetzt um Rogi. Er ist jetzt die Nummer 1 der Welt … Meine Zeit kommt noch. Nach dem Tennis.»

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