Museum Hermann Hesse in Montagnola Weltbürger im Tessin

Das Museum Hermann Hesse in Montagnola gewährt einen fundierten Einblick in das Leben des grossen Literatur-Nobelpreisträgers und Malers.

Kurvenreich führt die Strasse von Lugano nach Montagnola. Vorbei an schmucken Villen und schönen Gärten. Ein Weg, den auch Hermann Hesse (1877–1962) oft gefahren ist. Hinauf zu seiner geliebten Collina d’Oro, dem Paradies, wo er sich 43 Jahre lang seine Inspirationen holte. Hier, mit Blick auf den Luganersee und die umliegenden Berge, schrieb der Literatur-Nobelpreisträger (1946) Meisterwerke wie «Siddharta» und malte Hunderte von Aquarellen.

Das Museum Hermann Hesse wurde 1997 in der Torre Camuzzi eingerichtet, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Casa Camuzzi steht. In dem hellblauen Haus lebte Hesse – nachdem er seine Familie verlassen hatte – von 1919 bis 1931. «Hier scheint die Sonne inniger, und die Berge sind röter, hier wächst Kastanie und Wein, Mandel und Feige, die Menschen sind gut, gesittet und freundlich …»

Regina Bucher, 51, ist die Herrin des Hauses. Dank ihrer Begeisterung und der Liebe zum Werk des grossen Mannes, hat die Hamburgerin aus dem Museum ein Ort der Begegnung gemacht. Es herrscht eine gemütliche, einladende Atmosphäre. Zwei Videos geben Einblick in Leben und Denkweise des Meisters. An Hörstationen ertönt Gelesenes und Rezitiertes. Die erklärenden Texte sind kurz, meist mit Zitaten von Hesse ergänzt. «Das Amt des Dichters ist nicht das Zeigen der Wege, sondern vor allem das Wecken der Sehnsucht.»

Im Hauptraum im zweiten Stock thront auf dem Schreibtisch des Literaten die stattliche Schreibmaschine, eine Smith Premier No. 4, mit der Hesse über 35 000 Briefe geschrieben haben soll. Daneben, in einer Vitrine, reihen sich Bücher aneinander. Es ist «die Bibliothek der Weltliteratur», wie Hesse seine Sammlung nannte. Die Bibel ist genauso vertreten wie Werke von Gogol oder Molière. Bevor wir in den dritten Stock gehen, machen wir einen Abstecher in den kleinen Innenhof: drei Tischchen, Hortensienbüsche, eine grüne Oase der Ruhe. «Hier ist das Reich von Knulp», sagt Regina Bucher und zeigt lachend auf die kleine Schildkröte, die gemächlich an uns vorbeizieht.

Im dritten Stock finden Wechselausstellungen statt. Zurzeit sind Maria Holzleitner, Margherita Osswald-Toppi und Elisabeth Rupp zu sehen, drei Künstlerinnen, die in Hesses frühen Tessiner Jahren zu seinem Freundeskreis zählten. «Er hat mit seiner asketisch-erotischen ­Ausstrahlung auf Frauen eine grosse Faszination ausgeübt», sagt Regina Bucher schmunzelnd.

Museo Hermann Hesse
Montagnola TI
Täglich 10 - 18.30 Uhr
«Begegnungen auf der Collina d’Oro» bis 6. September
Regelmässig Lesungen und Konzerte
Audioguides zu Hesses Lieblingsorten


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