Whitney Toyloy Yes, she can!

«Miss Unsichtbar»? Unsinn! Whitney Toyloy ist präsenter denn je. Miss Schweiz zeigt vier sexy Looks, spricht über ihren Job, rassistische Attacken und ihre Liebe zu Karim.

Treffpunkt Restaurant Metropol in der Zürcher City. Donnerstag­morgen, sieben Uhr. Whitney Toyloy, 18, ist seit fünf Uhr morgens auf den Beinen. Sie strahlt ein ansteckendes Gute-Laune-Gefühl aus. Miss Schweiz freut sich aufs Mode-Shooting bei «warmen» drei Grad. Zwei Banker lugen in ihre Richtung. Der Jüngere traut sich, bittet um ein Autogramm.

Whitney zückt zwei Karten mit Unterschrift. «Eine für Sie, eine für den Kollegen», sagt sie mit warmer Stimme. Für den jungen Mann scheint die Sonne aufzu­gehen. So benimmt sich keine, die als «unsicht­barste Miss» («Blick») bezeichnet wird. «Entgegen allen Kritiken spule ich mein Amt nicht lustlos runter. Es macht mir Spass.»

Die Lust am Miss-Sein hätte Whitney schon bald nach der Wahl vergehen können. Damals attackierte die PNOS (Partei National Orientierter Schweizer) die Schönheits­königin mit multikulturellem Hintergrund. Sie sei «ein Geschwür, welches die freie, unabhängige Schweiz bereits am Auffressen» sei. Der rassistische Faustschlag sass tiefer, als Whitney je zugab.

Mademoiselle Toyloy, «Miss Unsichtbar», dann wieder «ein braunes Geschwür»! Wie gehen Sie mit solchen Attacken um?
Ich finde es interessant, dass ich von Leuten kritisiert wurde, die noch nie ein Wort mit mir gesprochen haben. Zum Beispiel wurde geschrieben, ich würde die Miss-Universe-Krone wegen den daraus resultierenden Verpflichtungen ablehnen. Dabei habe ich gesagt, dass ich gerne unter den ersten fünf landen will.

PNOS-Führer Dominic Lüthard kommt ungestraft davon. Würden Sie eine private Entschuldigung annehmen?
Das wäre doch nur ein Lippenbekenntnis. Was soll er denn sagen? Es tut mir leid, du bist kein Geschwür. Mais alors … Es geht hier nicht so sehr um eine Entschuldigung als um Einsicht.

Wie hat Sie die Attacke verändert?
Ich bin stärker geworden. Dieser Angriff bekräftigt mich noch mehr, dass ich als Miss für eine offene Schweiz stehen muss. Das beweisen auch die vielen Mails und Briefe, die ich von jungen Frauen und Männern mit multikulturellem Hintergrund bekommen habe. Eine Zuschrift berührte mich sehr.

Erzählen Sie!
Da war dieses Mädchen mit ethnischem Background. Sie schrieb, seit ich im Amt sei, fühle sie sich zum ersten Mal als richtige Schweizerin.

Whitney Toyloy, die junge Frau aus Yverdon VD, hat gute Chancen, als die Miss Schweiz mit Obama-Effekt in die Geschichte einzugehen. Sie will ver­einen und nicht spalten. Und wie US-Präsident Barack Obama (amerikanisch-kenianisch) hat sie (afroamerikanisch-chinesisch-schweizerisch) einen ethnischen Hintergrund, der unsere Landesgrenzen sprengt. 

«Karim und ich kleben nicht aneinander. Wir sind eigenständige Leute»

Die Schönheit mit dem schokoladen­farbenen Teint steht für eine junge und global vernetzte Schweiz. Und ihre Charaktereigenschaften spiegeln jene Werte, die unser Land gross gemacht haben: Whitney ist tüchtig, bescheiden und pragmatisch. Raffy Locher von der Miss Schweiz Organisation: «Whitney mag bei Ewiggestrigen nicht gut ankommen, aber sie wurde von der Mehrheit der TV-Zuschauer gewählt, und vor allem Junge lieben sie heiss.

Das spürt man an den Anlässen. Ausserdem vergessen gewisse Kritiker, dass eine Miss Schweiz nicht nur das Dreieck Bern-Basel-Zürich vertritt. Whitney ist in der welschen Schweiz sehr populär. Man kennt sie, ist stolz auf sie. Als sie zum Beispiel in Alain Morisods Show «Les coups de cœur» auf TSR als Stargast auftrat, nahm das in der deutschen Schweiz niemand wahr.»

Whitney, könnte es sein, dass Sie Berührungsängste mit den Deutschschweizern haben?
Non, pas du tout, obwohl die Romands denken, dass die Leute in der deutschen Schweiz verschlossen sind. Ich habe das Gegenteil erlebt. Die Menschen in Bern oder Zürich sind weltoffen.

Reden wir über Ihre Beziehung. Die Presse behauptet, Ihr Freund Karim sei eifersüchtig.
Karim soll mir in einem Einkaufs­zentrum eine filmreife Szene geliefert haben. Bon, leider habe ich das nicht erlebt. Karim und ausrasten! Da lachen die Hühner (Whitney lacht laut).

Sie streiten also nie?
Das kann vorkommen. Aber mein Freund ist ein sehr diskreter Typ - Sternzeichen Jungfrau. Ein typischer Vertreter dieses Zeichens: ruhig und gefasst. Wenn es etwas auszudisku­tieren gibt, dann machen wir das nicht in der Öffentlichkeit. Und wenn jemand zur Eifersucht tendiert, dann ich.

Sehr schön. Aber das Amtsjahr ist für jede Liebe eine Herausforderung. Man sieht sich kaum, und als Miss trifft man inter­essante Männer.
Et alors, was ist denn gut für eine Beziehung? Das erlebt doch jeder anders. Ich bin 18, Karim 22. Wir wollen nicht aneinander kleben. Ausserdem ist Karim als Maschinenmechaniker pro Jahr vier Monate im Ausland. Egal, ob ich Miss bin oder nicht. Wir lieben uns wie am ersten Tag. Darum gönnen wir uns auch über Ostern Ferien in Ägypten.

Akzeptiert. Aber man ist ja nicht liiert, um sich nicht zu sehen. Wollen Sie und Karim nach dem Amtsjahr zusammenziehen?
Zuerst beende ich mein letztes Jahr im Gymnasium in Yverdon. Dann schauen wir weiter. Ich möchte später in Lausanne leben. Die Stadt gefällt mir schon immer.

Sie planen also keine Karriere in Hollywood wie Ihre welsche Kollegin Lauriane Gilliéron alias Laurie-Ann Gill?
Ich, Schauspielerin? Nein, ich will noch immer Rechtsanwältin werden!

Das Fotoshooting endet um 20.30 Uhr. Ein langer Tag geht für die Schönheits­königin aus dem Waadtland zu Ende. Whitney Toyloy will unbedingt den 21.04-Uhr-Zug nach Yverdon erwischen. Zwar könnte sie in Zürich übernachten, da sie am nächsten Tag einen Termin in Luzern wahrnehmen muss. Das wäre für sie bequemer. Doch die junge Frau ziehts ins Welschland. Dort warten an diesem Abend ihre Familie und Karim auf sie. Au revoir, little Miss Sunshine!

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