Herzlichen Glückwunsch, Udo Jürgens! Zeilen zum 75.

Alles Gute, Udo Jürgens. Der Star wird 75, doch auf der Bühne merkt man ihm sein Alter nicht an.
Die «Einfach ich»-Tournee von Udo Jürgens endet am 5. 12. 2009 im Hallenstadion Zürich.
Die «Einfach ich»-Tournee von Udo Jürgens endet am 5. 12. 2009 im Hallenstadion Zürich.

Wir standen vor ein paar Monaten auf der Bühne der Lanxess-Arena in Köln. Die grösste Halle der Tournee, 13 000 Zuschauer, ausverkauft, wie immer. Es ist Tonprobe fürs Abendkonzert. Ich durfte Udo Jürgens für eine Reportage drei Tage backstage begleiten. Jürgens schlägt ein paar Tasten an: «Mein ganzes Leben sitze ich an diesem Platz, es scheint der richtige zu sein.»

Ich spüre den glücklichen Menschen. Wenn er am Flügel sitzt, ist es, als ob er innerlich ein Licht anknipst. Seine grosse Liebe ist die Musik, daneben konnten seine Ehefrauen nur Geliebte bleiben.

Er hat uns Klassiker wie «Griechischer Wein», «Aber bitte mit Sahne», «Ein ehrenwertes Haus» geschenkt. In seinen Texten mahnt er gegen Ausländerfeindlichkeit, Spiessertum, Verein­sa­mung. Aber seine Noten tanzen fröhlich, ausgelassen. So wie die Menschen im Saal.

Auf dem Flügel wie immer ein Glas Lindenblütentee, daneben das schwarze Buch mit den Liedtexten, obwohl der Meister sein Repertoire auswendig kann. Ehrensache.

Er ist Vorbild in einer fast vorbildfreien Zeit: verehrt von seinen Musikern, von Frauen und Männern, selbst von der Konkurrenz. Weil er sich als Komponist und Sänger hochgekämpft hat und uneitel geblieben ist. Die Botschaft seines Lebens: Gib alles! Das bist du dem Publikum schuldig.

Die paar Altersflecken im Gesicht hat er weg­geschminkt, die auf den Hand­rücken zeigen ihn so, wie er ist. «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mich mein Alter nicht erschreckt», sagte er zu «Bild».
Auf der Bühne ist Udo nicht 75. Er steppt, lockt, lacht und verführt. Seine Musik macht ihn alterslos, und sie ist alterslos.

In drei Wochen beginnt in Aachen (D) der zweite Teil seiner «Einfach ich»-Tour 2009. Dann sorgt sein Jugendfreund Baron Nikolaus Dumba dafür, dass sein Schrankkoffer mit Smoking und Steppschuhen in der Garderobe ist.

Er braucht solche Rituale. Dazu gehört auch seine gefürchtete Pünktlichkeit, das Gläschen Weisswein vor dem Auftritt. Immer isst er in den gleichen Restaurants, schläft in den gleichen Hotels. Das ist seine Heimat in der Ferne.

Fans drängeln sich nicht mehr vor seiner Suite. Treu sein konnte er zwar nie, hat er verraten. Von Sex will er, angeblich, nichts mehr wissen. Interessant - aber eigentlich ist doch nur eines wichtig: Lieber Udo Jürgens, bitte singen Sie noch lange weiter. Wir wollen Zugaben!

Auch interessant