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Zwischen Weltkrieg und Wahnsinns-Trend

Die Geschichte des Trenchcoats

Er ist der Favorit aller French Girls, macht jedes Outfit auf einen Schlag eleganter und hat auch in unserer Garderobe (mindestens) einen festen Platz. Dabei hat der Trenchcoat einen ziemlich weiten Weg hinter sich: vom Schützengraben bis auf den Catwalk.

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Vier von fünf Scandi Girls tragen hier Trench – noch Fragen?

Getty Images

Der Legende nach hat der Trenchcoat seinen Ursprung im ersten Weltkrieg – und daher auch gleich seinen Namen. Zu Deutsch bedeutet «Trench» nämlich so viel wie Graben. Und in Selbigem sollen sich die Soldaten während des Krieges vor Feinden versteckt haben, getarnt durch das typische, schlammige Beige.

Nass war einmal

In der Realität sieht die Gesichte etwas anders und minimal weniger dramatisch aus: Seine Wurzeln findet das berühmte Stück in wasserdichten Mänteln, die der schottische Chemiker Charles Macintosh und der britische Erfinder Thomas Hancock bereits etwa 1820 entwickelten. Hauptsächlich, weil es in beiden Ländern ziemlich viel regnete. Im Krieg wurde er später nur von denen getragen, die es sich leisten konnten: Offiziere und andere hochrangige Soldaten machten ihn auf eigene Kosten zum Teil ihrer Uniform. Weniger, um im Graben gut geschützt zu sein und mehr, um Rang und Klasse auch nach aussen hin sofort sichtbar zu machen.

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Diese zwei Soldaten tragen im ersten Weltkrieg ihren Trenchcoat. 

Corbis via Getty Images

Aber zurück zu den Anfängen: 1820 hiess der Trench noch «Mack» und bestand aus mit Gummi beschichteter Baumwolle. So sollte der Mann von Welt auch beim Reiten, Fischen und im Dienst beim Militär trocken bleiben, das schickte sich schliesslich so. Mit der Zeit (und dem technischen Fortschritt in der Textilindustrie) konnte man das Stück dann auch tragen, ohne darunter so sehr zu schwitzen, dass man trotz der wasserabweisenden Eigenschaften komplett durchnässt wurde. 

Kopieren, was funktioniert

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Der Mantel des Models neben dem französischen Schauspieler Gerard Falconetti stammt vom Traditionslabel Aquascutum. 

Conde Nast via Getty Images

In den 50er-Jahren bekamen schliesslich auch andere Wind davon, dass sich die Erfindung eines elegant aussehenden Regenmantels in England ziemlich gut verkaufen liess und produzierten neue, bessere Versionen des Ursprungsmodells. Den ersten Schritt machte 1853 der Schneider John Emary, der mit «Aquascutum» (Aqua = Wasser und Scutum = Schutzschild) ein ganzes Label gründete, das sich dem Kampf gegen das Regenproblem verschrieben hatte. Wenig später versuchte ein Zweiter sein Glück: Thomas Burberry. Sein Label gründete er 1856. Der Durchbruch folgte 1879, als er als erster auf die Idee kam, schon die einzelnen Fasern des Trenchcoats wasserdicht zu beschichten, statt erst das fertige Exemplar. So blieb der Mantel besonders atmungsaktiv und wurde schnell zum Favoriten von Piloten, Entdeckern und Wannabe-Abenteurern. Kurzum: den It-Boys von damals. 

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Eine Anzeige von Burberry, die 1909 in Militärmagazinen erschien. 

Getty Images

Der Krieg als Modevorbild

Und dann waren da noch die oben schon erwähnten Offiziere. Sie und die Fotos von ihnen machten den Mantel während des ersten Weltkriegs zum Kult und Statussymbol. Der Look hat sich seitdem kaum verändert – nur dass er damals noch etwas mehr Zweck erfüllte: An den D-Ringen, die bis heute an den Gürteln von Burberry-Mänteln zu finden sind, konnten Werkzeuge eingehakt werden. Dass kurze Cape am Rücken liess Wasser gut abtropfen. Die Gurte an den Ärmeln konnten zum Schutz vor Schmutz und Gas fest zu gezurrt werden und auch die Knöpfe hoch am Kragen dienten vor allem dazu, den Träger vor den Folgen von Giftgas am Körper zu bewahren. Und die Epauletten? Waren damals dazu da, die Schulterabzeichen, die den Dienstgrad des Soldaten zeigten, zu befestigen. 

Hollywood sei Dank 

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Im Film «Eine auswärtige Affäre» trägt Marlene Dietrich Trench. 

Corbis via Getty Images

Dass der Trenchcoat heute auch in unseren Schränken hängt, verdanken wir vor allem Hollywood. Parallel zum zweiten Weltkrieg begann man dort, Detektive, Gangster, Journalisten und schliesslich auch verführerische Frauen statt Soldaten in die Mäntel zu stecken. Der Trend hielt an: Marlene Dietrich, Marilyn Monroe, Audrey Hepburn – sie alle hüllten sich früher oder später in berühmten Filmszenen in unser liebstes Übergangsstück. Spätestens da wurde auch die Modeszene auf das Potenzial aufmerksam, das schon so lange in dem einfachen, aber eleganten Regenmantel schlummerte. Gut so, denn heute können wir uns unsere Garderobe ohne den Klassiker kaum noch vorstellen. Die modische Wunderwaffe hat auch nach 200 Jahren nicht an Aktualität verloren und kleidet uns zum Glück auch ohne Einsatz im Schützengraben sicher in allen Lebenslagen. 

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Burberry – und längst auch viele andere Designer – vertrauen bis heute auf den Trenchcoat als Verkaufsgarant.

Gamma-Rapho via Getty Images
Von Malin Mueller am 14.01.2020
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