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Kinotipps: «The Beguiled» und «Rough Night»

Frauen in der Bredouille

Jetzt gibt's zwei Filme von Regisseurinnen, die zeigen, wie sich Frauen – einst und heute – aus misslichen Situationen retten: «The Beguiled» von Sofia Coppola spielt in der Korsett-Ära, in «Rough Night» von Lucia Aniello müssen dagegen fünf Party-Ladies von heute einen toten Stripper loswerden.

Kinotipp «The Beguiled»
Universal Film

«The Beguiled»

Kinotipp «The Beguiled»

Miss Martha (Nicole Kidman) und ihre Mädchen.

Universal Film

Sofia Coppolas Tragikomödie spielt in der Bürgerkriegs-Zeit anno 1864, als Korsetts und Contenance-Wahren das Leben der Frauen bestimmte. Die Geschichte handelt von einem Mädchen-Pensionat, geführt von der strengen Miss Martha (Nicole Kidman). Eines ihrer Mädchen findet beim Pilzesammeln den verletzten Soldaten John McBurney (Colin Farrell) der verfeindeten Unions-Truppen. Die Ladies beschliessen, ihn gesund zu pflegen und dann auszuliefern. Bald kümmert sich der ganze Frauenhaufen hingebungsvoll um den attraktiven John, von den Teenie-Girls (allen voran Elle Fanning, hochklassig wie immer) bis zu den erwachsenen Ladies (neben Nicole Kidman auch Kirsten Dunst) machen alle dem charmanten Soldaten schöne Augen, buhlen um seine Gunst. 

Kinotipp «The Beguiled»

Soldat John McBurney (Colin Farrell) und Alicia (Elle Fanning).

Universal Film

Hierbei entwickelt der Film wahrlich komödiantische Stärken, erinnert vom Charme her an «Lost in Translation». Als der Soldat sich gegen die Damen wendet (warum sei hier nicht verraten), ist fertig lustig, dann dreht die Stimmung zu bitterem Ernst, verflacht sich die humorvolle Milieu-Studie zum vorhersehbaren Thriller. Und wenns psychologisch wirklich spannend wird, lässt Coppola die letzte Klappe fallen, der Film endet abrupt. Wir müssen uns den folgenden Psycho-Krieg selber ausdenken. Trotzdem ist der Film sehenswert, allein der wunderschönen Bilder à la «Vom Winde verweht» und der Leistungen der ganzen Crew wegen.

«Rough Night»

Kinotipp «Rough Night»

Bride to be Jess (Scarlett Johansson) und ihr Squad.

Sony Pictures

Ein derber Spass im Stil von «Hangover» bietet «Rough Night», nur stehen hier Frauen im Mittelpunkt, etwa Scarlett Johansson, Zoë Kravitz, Kate McKinnon und Illana Glazer, also Ladies mit viel Comedy-Potenzial. Die ehemaligen College-Freundinnen feiern in Miami einen Polterabend, mit viel Alk, Drogen und einem Stripper. Als der plötzlich tot in der Liebesschaukel hängt, müssen auch diese Ladies ihren Grips und ihre Kaltblütigkeit unter Beweis stellen und den leblosen Adonis loswerden. Dass der Humor nicht in unterirdische Tiefen sinkt, dafür sorgen Regisseurin Lucia Aniello mit weiblichem Instinkt und ein erfrischend unkorrektes Drehbuch. Leichte Kost für eine Girls-Night-Out, und auch Kerle dürfen mitlachen.

Kinotipp «Rough Night»

Ungünstig: Die Ladies müssen den toten Stripper (Colton Haynes) verschwinden lassen.

Sony Pictures
Von Anita Lehmeier am 29. Juni 2017