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Mittelklasse

Diese Lektion hat mir 2025 erteilt

2025 war ein durchzogenes Jahr für unsere Kolumnistin, geprägt von vielen Höhen und Tiefen. Rückblickend hat ihr das Jahr, in dem sie 50 wurde, eine wichtige Lektion erteilt.

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Auch Frauen wünschen sich nach wie vor eine liebevolle, unterstützende Partnerschaft, sagt unsere Kolumnistin.

Nur, weil etwas nicht so kommt, wie ichs mir vorgestellt habe, heisst das nicht, dass es nicht gut kommt., sagt unsere Kolumnistin.

Lucia Hunziker

Es ist Mitte Februar, und ich bin immer noch am Verdauen des vergangenen Jahres. 2025, das Jahr in dem ich 50 wurde, war eine krasse Achterbahnfahrt. Am Anfang des Jahres freute ich mich darauf, karrieremässig in einem neuen Job richtig durchzustarten, und meine Kinder auf ihrem Weg und bei ihrer Ausbildung zu begleiten. Es kam ziemlich vieles ziemlich anders.

Über die riesige Freude, dass meine Tochter an einer der renommiertesten Musikhochschulen Europas angenommen wurde, legte sich der Schatten einer schweren Krankheit in meinem nahen Umfeld. Er schwebte das ganze Jahr über mir wie ein bedrohlicher Vogel, und tut es immer noch, auch wenn er sich ganz langsam - einiges langsamer als erhofft - im Abflug befindet.

Mein Sohn hielt mich auf Trab, indem er mir erst seine seine Lehre schmiss und Knall auf Fall zu Hause aus- und mit seiner Freundin zusammenzog. Dies etwa zur gleichen Zeit, als seine Schwester ihr Studium begann. Damit, dass ich so rasch zur «Empty Nesterin» würde, hätte ich zu Jahresbeginn nicht gerechnet.

«Ich hatte schlaflose Nächte, verfluchte meinen Entscheid, fragte mich, was ich falsch gemacht hatte.»

Und dann die Sache mit dem Job. Ich habe im Oktober 2024 nach langem Überlegen eine neue Funktion übernommen, wollte in dem Jahr, in dem ich ein halbes Jahrhundert auf den Buckel bekomme, richtig Gas geben. Der Crash im Herbst 2025 war unerwartet und tat richtig weh. Meine Funktion fiel einer Umstrukturierung zum Opfer. Ich hatte schlaflose Nächte, verfluchte meinen Entscheid, fragte mich, was ich falsch gemacht hatte. Auch wenn ich weiss, dass ich als Mini-Rädchen im System keine Umstrukturierung beeinflussen kann, hatte ich das Gefühl, grandios gescheitert zu sein.

Warum ich euch das alles erzähle? Weil ich etwas sehr Wichtiges daraus gelernt habe. Die Konfrontation mit einer schweren Krankheit hat mich immer wieder an meine emotionalen Grenzen gebracht. Ich habe sie aber, im Vergleich zu früher, nie überschritten. Ich ziehe Grenzen, gönne mir Pausen und erlaube mir, dass es mir der Situation zum Trotz gut gehen darf. Darauf bin ich stolz.

Mein Sohn hat sich einen Job gesucht und überlegt, in welche Richtung sein Weg weiter gehen soll. Dabei schliesst er weder eine neue Ausbildung aus, noch die Möglichkeit, seine angefangene Lehre fertig zu machen. Nebenbei lernt er, dass das Leben teuer ist, und dass Parkbussen weh tun, wenn sie nicht mehr von Mama übernommen werden. Auch wenn ich nach wie vor kein Fan von seinem Lehrabbruch (oder Unterbruch) bin, geht er seinen eigenen Weg, und das macht mich stolz.

Was meinen Job angeht, habe ich zwar meine Führungsposition verloren, bin aber in einem ganz tollen Team gelandet, in dem ich mich sehr wohl fühle. Ich bin Teil eines neuen Projektes, und darf noch mal etwas ganz Neues machen. Ja, vielleicht wirds erneut ein grandioser Crash. Aber wisst ihr was? Der Gedanke macht mir überhaupt keine Angst. Ich gebe mein Bestes, wenn das nicht reicht, hab ich zumindest eine Erfahrung mehr in meinem Rucksack. Ich bin stolz auf meinen Mut und meine Gelassenheit.

Was ich gelernt habe im 2025: Nur, weil etwas nicht so kommt, wie ichs mir vorgestellt habe, heisst das nicht, dass es nicht gut kommt.

Von SC am 15. Februar 2026 - 07:30 Uhr