Die Frage wird in Artikeln, Kolumnen, Podcasts und privaten Frauenrunden rauf und runter diskutiert. Eine Partnerschaft, so Joseph, gelte nicht mehr als Errungenschaft für eine Frau. Im Gegenteil sei es zu fast so etwas wie einem Statussymbol geworden, Single zu sein. Sie erntet viel Zuspruch von Frauen, während sie bei Männern für viel Verwirrung sorgt.
Ist es wirklich so uncool für eine Frau, in einer Partnerschaft zu sein? Nun, ich glaube, ihr könnt euch beruhigen, liebe Männer: Ist es nicht. Ich wage zu behaupten, dass die allermeisten Frauen sehr gern in einer liebevollen, unterstützenden Partnerschaft sind oder wären. Allerdings sind auch die allermeisten Frauen lieber Single als in einer Partnerschaft zu sein, die sie mehr stresst als irgendwas anderes. Und von denen gibts eben viele.
Dabei haben sich die Ansprüche an eine Partnerschaft gar nicht so sehr geändert, wie wir glauben. Sowohl Frauen als auch Männer suchen Stabillität, und Verlässlichkeit. Was sich geändert hat ist die Definition dieser Werte. Während es dabei noch vor zwanzig, dreissig Jahren in erster Linie um finanzielle Stabilität und zuverlässigen Schutz – die sprichwörtliche breite Schulter zum Anlehnen – ging, die von Männern erwartet wurden, brauchen Frauen Männer heute nicht mehr, um finanziell oder gesellschaftlich abgesichert zu sein.
Wenn Verantwortung übernehmen nicht mehr Kohle scheffeln bedeutet – was dann?
Das scheint wahnsinnig vielen Männern Kopfzerbrechen zu bereiten. Frauen sagen zwar, sie möchten einen Mann, der Verantwortung übernimmt. Wenn aber Verantwortung übernehmen nicht mehr bedeutet, möglichst viel Kohle zu scheffeln, der Frau einen angesehenen Platz in der Gesellschaft zu verschaffen und jedem Typen eine runterzuhauen, der die Angetraute schräg anschaut – was bedeutet es dann?
Ich war gerade versucht, zu schreiben, dass viele Männer nichts dafür können, dass sie mit dem Term emotionale Verantwortung nicht so viel anfangen können, weil er ihnen von ihren Vätern nicht vorgelebt wurde. Aber man könnte ja einfach KI fragen. Die sagt Folgendes: «Emotionale Verantwortung bedeutet, für die eigenen Gefühle und Reaktionen verantwortlich zu sein, und nicht die Gefühle anderer zu steuern, während man gleichzeitig eine gemeinsame Verantwortung für eine gesunde Beziehungspflege trägt.»
Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Es heisst zum Beispiel, dass ihr, wenn ihr einen Seich gemacht hab, euch entschuldigt, statt eurer Partnerin sagt, dass sie überreagiert. Das Problem ist nämlich der Seich, den ihr gemacht habt, und nicht ihre Reaktion darauf. Es bedeutet, dass, wenn eure Frau traurig oder sauer ist, folgende Sätze von euch tabu sind: «Das ist doch nicht schlimm» und «Also ich an deiner Stelle würde jetzt ...». Ihr dürft stattdessen eine Frage stellen: «Wie kann ich dir helfen?» Es bedeutet, dass ihr umgekehrt auch über eure Gefühle sprecht, statt sie im Bier oder im Job zu ertränken. Es bedeutet, dass ihr Kritik annehmen könnt, ohne hässig zu werden, und sie anbringt, ohne zu verletzen.
Ich weiss, Geld verdienen und Rivalen vermöbeln ist einfacher. Aber vielleicht ist ja eine funktionierende Partnerschaft einen Versuch wert.
