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Chin-Chin

Welcher Wein gehört in welches Glas?

Jetzt mal ehrlich: Die Sache mit dem Wein ist komplex. Passt er zum Gericht? Wie lange wird er karaffiert? Und welche Temperatur ist ideal? Fragen über Fragen, noch bevor das Glas die Lippe berührt. Apropos Glas! Welches ist eigentlich das richtige?

Schatten mit Weinglas

Erlaubt uns kurz zu korrigieren: Das Weinglas hält man am Stiel. Ansonsten lauft ihr Gefahr, mit eurer Körperwärme den Geschmack zu verändern.

Getty Images/Westend61

Der Duden sieht im Begriff «glasklar» zwei Bedeutungen. Zum einen beschreibt er das Adjektiv mit «so klar wie Glas, durchsichtig, hell». Zum anderen sieht er darin die Synonyme «sehr klar und deutlich». Angewandt im Sprachgebrauch könnte man hierfür zum Beispiel sagen: Ungeimpfte Menschen, die ihre Maske in den öffentlichen Verkehrsmitteln bewusst inkorrekt tragen, verdeutlichen dadurch glasklar ihren Wissensstand bezüglich Corona. Oder man könnte behaupten, dass zwei umstrittene Herren, mit ebenso umstrittenen pinken Gummihandschuhen, glasklar die Lebensrealität ihrer Zielgruppe verfehlen. 

Man könnte aber auch denken, es sei glasklar, zu wissen, dass verschiedene Weine, verschiedene Weingläser benötigen. Schliesslich können Elemente wie Durchmesser oder Höhe eines Glases die geschmackliche Wahrnehmung beim Weinerlebnis beeinflussen. Auch Stiellänge, Glaswanddicke oder Wölbung erfüllen eine Funktion. Ist für euch glasklar, oder? Mit folgender Liste bestimmt: 

Weisswein

Chardonnay-Glas

Chradonnay-Glas

Merkmale: mittelgrosser, bauchiger Kelch.

Getty Images
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Weissweingläser sind generell schmaler als Rotweingläser. Das liegt daran, dass sich die Aromen dadurch weniger schnell verflüchtigen. Das Glas hält man nie oben am Kelch, sondern unten am Stil. Weil die Hand den gekühlten Wein sonst aufwärmt. Um sich zu entfalten, brauchen üppige Weissweine wie Chardonnays einen Kelch, der breiter ist als jener von Riesling-Gläsern. 

Riesling-Glas

Chardonnay-Glas

Merkmale: kleiner Kelch, leicht ausgestellter Rand.

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Beim Riesling-Glas ist der Kelch schmaler und kleiner. Die Aromen von leichteren Weinen werden dadurch besser konzentriert und unsere Nase nimmt sie intensiver wahr. Damit Säure und Fruchtaromen auf der Zunge ideal zur Geltung kommen, ist der obere Glasrand hier meistens ausgestellt. 

Rotwein

Bordeaux-Glas

Bordeaux-Glas

Merkmale: hoher, bauchiger Kelch. 

Getty Images

Bordeaux-Gläser mit einem bauchigen Kelch sind ideal für kräftige oder tanninenbetonte Weine. Sie sind genug hoch um den Wein problemlos zu schwenken. Im Unterschied zu Weisswein muss Rotwein atmen. Sprich: Er braucht Sauerstoff, um sich vollständig zu entfalten. Tritt er mit Sauerstoff in Kontakt, setzt der Rotwein zusätzliche Aromen frei, auch die Tannine (Gerbstoffe, die auf der Zunge herb wirken und ein trockenes Gefühl hinterlassen) wird dadurch weicher. 

Burgunder-Glas

Burgunder-Glas

Merkmale: grosse Öffnung, ballonähnliche Form.

Getty Images/EyeEm

Burgunder braucht viel Luft und kommt deshalb in ein ballonförmiges Glas. Durch die breite Öffnung kann der Wein im Mund ausserdem grossflächiger verteilt werden – Säure und Frucht kommen so besser zur Geltung. Sowohl beim Burgunderglas als auch beim Bordeauxglas gilt es ausserdem darauf zu achten, dass das Glas möglichst dünne Wände besitzt. Bei dicken Wänden könnte sich der Wein der Glastemperatur anpassen und dadurch den Geschmack verändern. 

Schaumwein

Tulpenförmiges Sekt-Glas

Tulpenförmiges Champagnerglas

Merkmale: langer, schmaler Kelch, kleine Öffnung. 

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Kohlensäurehaltige Weine wie Champagner, Prosecco oder Cava serviert man am besten in tulpenförmigen Gläsern. Heisst: schmaler Kelch und schmale Öffnung. Die Form hilft dabei, die Kohlensäure möglichst lange im Wein zu halten. Fancy Champagner-Schalen sind übrigens weniger zu empfehlen. Durch die breite Öffnung und den flachen Boden verfliegt die Kohlensäure schneller als gewollt. 

Weingläser? Glasklar für uns! Auf welche Fragen sucht ihr sonst noch Antworten? 

Von Vanessa Vodermayer am 16.04.2021
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