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Kinotipp «Feuchtgebiete» & «The Look of Love»

Im Grenzland zwischen Sex und Erotik

Wir bleiben auch nach dem Schwingfest beim Nahkampf und Körper-Vollkontakt: Jetzt im Kino gibts «Feuchtgebiete» zu erkunden und «The Look of Love» zu bewundern. Das Beste bei beiden Filmen: die Hauptdarsteller Carla Juri und Steve Coogan. 

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«Feuchtgebiete»

Worum es in «Feuchtgebiete» geht, haben ja alle mitbekommen: Sex! Sex! Sex! Der (weitgehend) autobiografische Roman von Charlotte Roche verkaufte sich allein im deutschsprachigen Raum über eine Million Mal, 2009 war es das bestverkaufte Buch in Deutschland. Ein Skandal-Erfolg par excellence! Der deutsche Regisseur David Wnendt («Kriegerin») hat die Geschichte um die junge, verknorkste Helen, die auf der Suche nach Wärme und Liebe ist, aber nur Schwüle und Schmerzen findet, auf die Leinwand gestemmt.

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Was riecht denn da so streng? Helen (Carla Juri) mags, wenns müffelt!

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Herausgekommen ist folgendes: Carla Juri ist eine so mutige wie fähige Schauspielerin. Der Tessinerin gelingt  es, Helen, dieser Neurose auf zwei Beinen, menschliche Züge zu geben und Humor einzuhauchen. Wenn Helen/Carla lächelt, geht auf der Leinwand die Sonne auf. Lob gibt es auch für die Optik des Films, sehr gelungen ist diese animierte Szene einer Reise ins Reich der Bazillen. Gegen diese Viecher wirkt ein Alien fast wie ein Kuscheltier. Der Kameramann Jakub Bejnarowicz hat seine Sache gut gemacht, er fand einen Mittelweg zwischen Hin- und Wegsehen.

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Willkommen ins Helens Welt des Miefs: Still aus «Feuchtgebiete» mit Carla Juri.

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Zartbesaitete, Gehemmte und Hygiene-Anhänger seien trotzdem gewarnt: «Feuchtgebiete» ist zwar kein Hardcore-Porno, aber doch in Wort und Bild explizit. Was immer an Flüssigkeiten aus einem Körper herauskommt oder an Festem hineinpasst – es ist zu sehen. Fazit zum Film: Toll gespielt, toll gefilmt, aber die Story (mit Happy End!) wird auch auf Leinwand nicht besser. Und Pizza wird man nach «Feuchtgebiete» lang nicht mehr vorbehaltlos essen ... 

«Tho Look of Love»

Um Sex, wenn auch mit weniger Dreck, gehts in «Tho Look of Love». Erzählt wird die wahre Geschichte des Londoners Paul Raymond (1925-2004), der mit Stripclub und Cabarets stinkreich wurde. Keiner setzte die Boulevard-Weisheit «Sex sells!» erfolgreicher um als der clevere Businessman aus Liverpool. Im Dezember 1992 betitelte ihn die «Sunday Times» als reichsten Mann Englands, im gleichen Jahr aber verstarb auch Raymonds drogensüchtige Tochter.

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Der Brite Paul Raymond (Steve Coogan) erstritt vor  Gericht das Recht, dass sich nackte Frauen auf der Bühne auch bewegen dürfen. 

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Der Regisseur Michael Winterbottom, von dem wir schwere Kinokost gewohnt sind (das Kriegsdrama «Welcome to Sarajewo», «A Mighty Heart» mit Angelina Jolie als schwangere Ehefrau des von den Taliban ermordeten Journalisten Daniel Pearl, oder der betonhart-brutale Thriller «The Killer Inside me») erzählt Raymonds unerhört abenteuerliches Leben nach. Steve Coogan, in England ein gefeierter grosser Comedy-Star, schlüpft in die Rolle des Selfmade-Millionärs, der seinen Landsleuten Sex schmackhaft und zugänglich und sich damit richtig reich machte. Raymonds Tochter Debbie wird von Imogen Poots eindrücklich verkörpert. 

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Will in Daddies Cabarets ihre Karriere als Sängerin starten: Imogen Poots als Debbie Raymond im «The Look of Love».

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Von Anita Lehmeier am 03.09.2013
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