In England tanzen 8-Jährige an der Stange Kommt Kinder-Polefitness bald auch in die Schweiz?

In der britischen Morgenshow «This Morning» führten achtjährige Mädchen knapp bekleidet Figuren an der Pole-Dance-Stange vor. Seither diskutiert halb England im Netz: Ist es angebracht, dass so junge Mädchen den Sport ausüben. Ja klar, findet die Schweizer Polefitness-Instruktorin Daniela Baumann.

Der britische TV-Sender ITV sorgte für den Skandal: In der Morgenshow «This Morning» zeigten Mädchen im Alter von acht und elf Jahren Kunststücke an der Pole-Dance-Stange vor. In schwarzen Hotpants und weissen Blüschen, die knapp unter der Brust zusammengeknotet waren, führten sie typische Polefitness-Figuren vor. Auf Twitter wird seither rege diskutiert. Viele finden es unangebracht, den Sport schon in diesem Alter zu betreiben.

«Für mich hat das etwas Schäbiges»

Im Netz geben sich die TV-Zuschauer verärgert: «Ich unterstütze das nicht, dass Kinder Pole Dance machen. Für mich hat das etwas Schäbiges», «Kinder sollten kein Pole Dance machen. Ja, es ist zwar Sport, aber es ist und wird auch immer etwas Sexuelles sein» oder «Es tut mir leid, aber Kinder, die Pole Dance machen, und Mütter, die sagen, es sei wie Kunstturnen??!! Hört auf, Kinder zu sexualisieren», sind nur einige der vielen negativen Tweets.

Auch Psychologin Emma Kenny hat kein Verständnis für Mütter, die ihren minderjährigen Nachwuchs in die Klasse von Pole-Dance-Instruktorin Zoe Hardy schicken. «Die Bewegungen sind viel zu sexy für Kinder», erklärt sie in der Sendung. Wenn Erwachsene diese Art Fitness ausüben, störe sie das nicht. Aber: «Können wir bitte die Kindheit für Kinder zurückfordern. Die Kleidung ist nicht angebracht für Kinder. Und wenn wir wirklich denken, dass sie angebracht ist, sollten wir unsere persönliche Vorstellung über Kindheit überdenken.»

Kinder können von Polefitness profitieren

Den Aufschrei, der durch Grossbritannien geht, kann Daniela Baumann, 48, Inhaberin der Pole-Studios Loft1 in der Schweiz, nicht verstehen. Sie selbst bietet Kurse für Mädchen ab 14 Jahren an - mit dem Einverständnis der Eltern. «Ich denke, die Kritik äussern nur Leute, die den Sport nicht kennen. Diese Leute assoziieren mit Polefitness, dass Frauen in verrauchten Clubs an der Stange tanzen. Damit hat es aber nichts zu tun.» Für Kinder, die den Sport machen, sieht sie keine negativen Auswirkungen - im Gegenteil. «Die Kinder bekommen dadurch ein besseres Körpergefühl, werden beweglicher, stärken die Muskeln. Und ich beobachte immer wieder, dass die Mädchen durch die Kurse selbstbewusster werden.»

Für die 48-Jährige ist Pole Dance wie Kunstturnen oder Ballett. «Viele Übungen sind gleich», erklärt sie. Und: Sowohl im Ballett als auch im Bodenturnen sind die Kinder knapp bekleidet. Übrigens ein absolutes Muss für die Akrobatik an der Stange. Ansonsten hat man daran keinen Halt. Zwei No-gos gibts für Baumann jedoch: «Ich würde es nicht gut finden, wenn die Mädchen Make-up und High Heels tragen würden. Solange der Sport im Vordergrund steht, sehe ich aber kein Problem.»

Bald schon Kurse in der Schweiz?

Dass Zoe Hardy, die in England Kurse für Kinder ab acht Jahren anbietet, Kritik einstecken muss, kann Baumann nicht nachvollziehen. Für die Kinder sei das bloss ein Spiel. Für sie hat der Sport keinen sexuellen Bezug. «Auf dem Spielplatz klettern sie auch Stangen hoch oder rutschen daran runter, so sind sie nun mal.» Da die Expertin immer wieder von Müttern angefragt wird, ob ihr Nachwuchs ebenfalls bei den Lektionen mitmachen könne, plant sie für den Frühling - im April oder Mai - einen Schnuppertag. «Ich könnte mir sehr gut vorstellen, in Zukunft Kurse für Kinder anzubieten. Aber zuerst schauen wir mal, wie der Schnuppertag bei den Kleinen ankommt.»

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