Frauenpower an der ETH Shana Sturla - die Krebsforscherin

Sie kommen aus der Schweiz, aus Russland und den USA. Sie sind Mütter, Vorbilder und herausragende Forscherinnen. Fünf Professorinnen der ETH Zürich erzählen, wie sie mit ihrem Wissen die Welt verändern. Teil 5: Shana Sturla, 41, Professorin für Toxikologie.
Shana Sturla ETH Zürich Krebsforschung
© Geri Born

Lebensaufgabe: Toxikologin Shana Sturla will mit ihrer Forschung Krebs bekämpfen.

Als leidenschaftliche Köchin liebe ich es, frische und regionale Produkte im Quartierladen einzukaufen. Für mich ist dies die einfachste und gesündeste Art der Krebsprävention. Damit beschäftige ich mich in meiner Forschung täglich. Welche Bestandteile der Nahrung oder Chemikalien fördern die Entstehung von Krebs? Wie kann es sein, dass jemand eine Packung Zigaretten am Tag raucht und nicht an Krebs erkrankt und andere, die weniger rauchen, schon? Und welche Inhaltsstoffe der Nahrung helfen bei der Behandlung von Krebs? In diesem Bereich erzielten wir im letzten Jahr mit anderen Forschern dank dem Broccoli einen grossen Fortschritt: Wir haben entdeckt, dass sein Inhaltsstoff Sulforaphan die Wirkung eines Krebsmedikaments auf Darmkrebszellen verstärkt. Für mich war das ein sehr wichtiger Moment meiner Karriere. Unsere jahrelange Forschung hat etwas gebracht. Und darum geht es.

Meine Eltern stammen aus der Dominikanischen Republik und sind in die USA ausgewandert. Ich bin in New York aufgewachsen. Während acht Jahren habe ich an der Universität in Minnesota geforscht und gelehrt. Der Abschied fiel mir schwer. Mein Mann Kristopher McNeill ist Professor für Umweltchemie an der ETH, wir haben uns während des Doktorats in den USA kennengelernt. Die Möglichkeit, für dieselbe Hochschule arbeiten zu können, war unschlagbar, und wir fühlen uns in Zürich sehr wohl. Unser dreieinhalbjähriger Sohn lernt fleissig Schweizerdeutsch. Er geht an vier Tagen pro Woche in die Kita und an einem Tag in den Waldkindergarten. In den USA ist es normal, dass Mütter wieder zu hundert Prozent in ihren Job zurückkehren. In der Schweiz wurde ich deswegen schon erstaunt angeschaut.

Sich als Frau in solch einem Beruf zu behaupten, ist nicht einfacher oder schwieriger, es ist einfach anders. Als ich 1992 mit dem Studium begonnen habe, war ich mir sicher, dass die Dominanz der Männer in der Wissenschaft bald enden wird. Doch sie ist immer noch gross. Und wenn ich heute mit meinen Studentinnen darüber spreche, dann sagen sie mir dasselbe: «Wissen Sie, Frau Sturla, das wird sich bald ändern.»

Im Dossier: Weitere ETH-Professorinnen im Porträt

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