Italienerin begeht Selbstmord mit 31 Jahren Wie Tiziana den Kampf gegen das Cybermobbing aufgab

Seit einem Jahr kursiert ein Sexvideo von Tiziana Cantone im Internet. Die Italienerin wurde derart öffentlich zur Schau gestellt, dass sie die Hähme nicht mehr ertragen konnten. Sie beging diese Woche Selbstmord.
Tiziana Cantone Video auf Facebook Selbstmord tot
© via fanpage.it

Tiziana Cantone setzte ihrem Leben mit 31 Jahren ein Ende.

Es war ein einziger Satz, vielleicht auch nur ein Wort, der das Leben von Tiziana Cantone aus Neapel zerstörte: «Stai facendo un video? Bravo.» (Machst du ein Video? Gut so). Die Worte sagte Tiziana im Frühling 2015 beim Oralsex. Jetzt ist die 31-Jährige tot. Sie hat sich diese Woche im Keller ihres Elternhauses erhängt.

Dem Selbstmord ging ein eineinhalb Jahre langer Leidensweg voraus. Das Sexvideo gelangte ins Netz, die Community rastete förmlich aus. Von Parodien über Songs, von Facebook bis Twitter, halb Italien machte sich über den süditalienischen Akzent von Tiziana lustig. Prominente frotzelten ebenso wie Firmen oder Institutionen den Hype zu Werbezwecken nutzten. Allein auf Youtube finden sich tausende Clips mit ihrer Stimme. Im italienischen Quizduell gabs in der Sparte «Kunst» die Frage «Machst du ein Video?» mit der korrekten Antwort «Bravo».


Es folgten Aufkleber für Autos...


...oder Tassen zum Thema.


Für Tiziana begann ein Kampf gegen die asoziale Seite der sozialen Netzwerke. Die Verbreitung des Videos war längst zum Selbstläufer geworden. Bei jedem Versuch, dem Geschehenen zu entkommen, holte sie die Flut an Material umgehend wieder ein. «Alles, was sie sah und hörte, verletzte sie zutiefst. Sie hat ihren Glauben an Gerechtigkeit verloren», sagte ihre Mutter zur Zeitung «La Repubblica».

«Wir sind alle schuldig»

Während sie jetzt zu Grabe getragen wird, hagelt es «RIP»-Seiten für die Verstorbene. «Schämt euch», «Mögest du endlich Frieden finden«, schreiben User. Oder: «Wir sind alle schuldig.» Zu spät für Tiziana.

Die öffentliche Hetzjagd trieb die Frau in den Alkohol, in Depressionen und Angstzustände, wie italienische Medien berichten. Sie rannte lange. Sie änderte ihren Namen, verliess ihren Heimatort, löste sich von Freunden und Familie. Und sie ging vor Gericht und gewann. Ihr Anwalt klagte das «Recht auf Vergessenwerden» ein. Vergessen konnte sie selbst aber wohl längst nicht mehr. Am 13. September 2016 wollte sie es auch nicht mehr versuchen.

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