Frauenpower an der ETH Vanessa Wood - die Batterien-Königin

Sie kommen aus der Schweiz, aus Russland und den USA. Sie sind Mütter, Vorbilder und herausragende Forscherinnen. Fünf Professorinnen der ETH Zürich erzählen, wie sie mit ihrem Wissen die Welt verändern. Teil 3: Vanessa Wood, 33, Professorin für Nanotechnologie.
ETH Zürich Vanessa Wood Professorin
© Geri Born

Wissenschaft betreiben: Vanessa Wood hinter einem Hochvakuumsystem in ihrem Labor.

Ein Besucher sagte mir mal, dass mein Labor auf ihn wie der Drehort eines Science-Fiction-Films wirke. Aber so sieht Grundlagenforschung nun mal oft aus.

Ich bin Professorin am Departement für Informationstechnologie und Elektrotechnik. In meiner Forschungsgruppe versuchen wir, die Eigenschaften neuartiger Materialien zu verstehen, um diese dann gezielt zu verbessern. Wir beschäftigen uns zum Beispiel damit, weniger toxische, aber dennoch leistungsstarke grüne und rote Farben für LED-Fernsehbildschirme zu entwickeln.

Letztes Jahr habe ich vom Europäischen Forschungsrat einen sogenannten ERC Starting Grant erhalten. Damit bekomme ich für meine Forschungsprojekte um die 1.5 Millionen Euro. Mit diesem Geld erforschen wir die Elektrochemie von Lithium-Ionen-Batterien und deren Struktur von der atomaren Ebene bis hin zum makroskopischen Objekt. Dies mag kompliziert klingen, ist es aber nicht. Vereinfacht gesagt geht es darum, die Leistungsfähigkeiten wie die Ladegeschwindigkeit und Lebensdauer von Batterien zu verlängern.

Ich war erst 27 Jahre alt, als ich Professorin wurde. Klar musste ich sehr hart arbeiten, um das zu erreichen, aber meine Kindheit war trotzdem ganz normal. Ich bin in einem Städtchen an der Südküste Floridas aufgewachsen, eine Autostunde von Tampa entfernt. Meine Eltern sind keine Wissenschaftler, aber sie haben mich immer in meiner Neugier bestärkt. Als Bachelor-Studentin habe ich an der Yale-Universität neben Physik noch Französische Literatur studiert und mich auf Gedichte aus dem Mittelalter und der Renaissance spezialisiert.

Ich hatte ursprünglich nicht geplant, einen Job in der Schweiz zu suchen. Doch rückblickend bin ich sehr froh, dass mich die ETH zu einem Vorstellungsgespräch einlud. So sass ich dann für das Interview im Büro des ETH-Präsidenten – auf den Tag genau zwanzig Jahre nachdem ich als «Florida-Girl» in den Ferien in Grindelwald zum ersten Mal Schnee gesehen hatte. Die Stelle reizte mich, weil die in der Schweiz zur Verfügung stehenden Forschungsressourcen und das Innovationsklima einzigartig sind.

Seit ich in der Schweiz lebe, lerne ich Deutsch. Gerne würde ich eines Tages auch Schweizerdeutsch sprechen – im Moment bin ich aber froh, dass ich es überhaupt verstehe. Was mich als ehemals autoabhängige Amerikanerin an der Schweiz begeistert, ist der ÖV und das Generalabonnement. Ich habe jeden Kanton schon mindestens dreimal besucht. Wann immer ich kann, setze ich mich am Wochenende mit dem Laptop in den Zug und arbeite, während ich an einen schönen Ort fahre. Dort schliesse ich den Laptop am Bahnhof ins Schliessfach und gehe auf einen Trail-Waldlauf. Ganz abschalten kann ich aber nie, die Arbeit schwirrt stets in meinem Kopf herum. Die besten Ideen habe ich meist, wenn ich nicht im Büro sitze.

Seit einiger Zeit habe ich einen Freund. Er ist Zürcher, ich habe ihn in einer Laufgruppe kennengelernt. Wir machen gern Sport, gehen oft in der Limmat oder im City-Hallenbad schwimmen. Ich kann mir vorstellen, mal eine Familie zu gründen. Aber erst will ich mich noch in meinem Science-Fiction-Labor austoben.

Im Dossier: Weitere ETH-Professorinnen im Porträt

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